Berlin: Forscher sagen erhebliche Zunahme an Krankheiten bis 2050 voraus

Berlin: Forscher sagen erhebliche Zunahme an Krankheiten bis 2050 voraus

Das Gesundheitssystem steht angesichts der demografischen Entwicklung vor immensen Herausforderungen. Allein die Zahl der Demenzkranken in Deutschland wird sich einer aktuellen Studie zufolge bis 2050 verdoppeln.

Von zuletzt 1,1 Millionen Erkrankten im Jahr 2007 werde die Zahl auf 2,2 Millionen steigen. Das ergab eine Untersuchung des Fritz Beske Instituts für Gesundheits-System-Forschung, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Auch andere häufige Krankheiten wie Schlaganfälle oder Herzinfarkte werden den Hochrechnungen zufolge erheblich zunehmen. Institutsdirektor Fritz Beske mahnte, die Politik dürfe diese Entwicklungen nicht länger ignorieren und forderte eine zügige Reform.

Für ihre Prognose untersuchten die Gesundheitsforscher die voraussichtliche Entwicklung von 22 verbreiteten und kostenintensiven Krankheiten zwischen 2007 und 2050. Basis für die Hochrechnungen sind sowohl nationale als auch internationale Daten. Die Zahl der jährlichen neuen Herzinfarktfälle wird in Deutschland demnach auf rund 548 000 (plus 75 Prozent) klettern, die Zahl der neuen Schlaganfallpatienten auf rund 300.000 (plus 62 Prozent). Diabetes-Erkrankungen werden auf 5,8 bis 7,8 Millionen zunehmen (plus 20 bis 22 Prozent), Schwerhörigkeit um 28 Prozent auf 11,2 Millionen Fälle. Die Zahl der Oberschenkelhalsbrüche wird laut Studie um 88 Prozent auf rund 221.000 steigen.

Hintergrund ist vor allem die demografische Entwicklung. Während die Bevölkerung zwischen 2007 und 2050 insgesamt von 82,2 auf 68,8 Millionen schrumpft, steigt der Anteil der Alten laut Studie enorm. Die Altersgruppe ab 65 Jahren werde in dem Zeitraum um 38 Prozent wachsen, die Gruppe der Hochbetagten ab 80 Jahren sogar um 156 Prozent.

„Die Auswirkungen werden für das Gesundheitssystem gravierend sein”, sagte Beske. Die finanziellen und personellen Anforderungen nähmen dramatisch zu, während die Zahl der Beitragszahler schrumpfe. Die jüngste Gesetzgebung im Gesundheitswesen habe aber „nicht einmal im Ansatz” eine Ausrichtung auf diese Problematik erkennen lassen. „Es darf keine weitere Reform im Gesundheitswesen, keine neue Gesetzgebung mehr geben, die sich nicht an der demografischen Entwicklung orientiert”, mahnte der Gesundheitsforscher. Die Politik dürfe diese Anforderungen nicht länger ignorieren, eine Gesundheitsreform sei dringend nötig.

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, sagte, die Ergebnisse zeigten einmal mehr, wie wichtig es sei, die Finanzausstattung der ambulanten Versorgung am Gesundheitszustand der Patienten auszurichten. Mit der jüngsten Reform der Ärztehonorare habe man „den richtigen Weg eingeschlagen”. Für niedergelassene Mediziner gilt seit Januar ein neues Honorarsystem. Früher wurden Pauschalen pro Patient bezahlt, nun richtet sich die Vergütung nach dem Gesundheitszustand und der tatsächlichen Behandlung eines Patienten.

Köhler betonte zugleich, es brauche weitere Anstrengungen, um dem „immens steigenden Bedarf an medizinischer Versorgung” zu begegnen. „2050 scheint noch weit, aber wir müssen jetzt gegensteuern”, mahnte er. Köhler appellierte an die Politik und die Krankenkassen, die nötigen Mittel dafür zur Verfügung zu stellen.

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