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Berlin: Forscher fordern zum Weltalzheimertag mehr nationales Engagement

Berlin : Forscher fordern zum Weltalzheimertag mehr nationales Engagement

In Deutschland sind zurzeit 1,2 Millionen Menschen an Alzheimer erkrankt. Forscher, Ärzte und pflegende Angehörige haben vor dem Weltalzheimertag an diesem Sonntag ein größeres nationales Engagement sowie mehr Geld für die klinische Forschung gefordert.

Weltweit sind nach Schätzungen 24 Millionen Menschen von dieser Altersdemenz betroffen, teilten die Deutsche Alzheimer Gesellschaft und die Deutsche Hirnliga am Donnerstag in Berlin mit.

„In jedem Jahr kommen in Deutschland 200.000 Alzheimerpatienten hinzu”, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie, Prof. Hans Gutzmann. Da die Menschen immer älter würden, steige auch die Anzahl der an Demenz erkrankten Patienten. Das Lebensalter sei der Hauptrisikofaktor für die von Alois Alzheimer 1906 erstmals beschriebene Krankheit. Die Patienten leiden unter Gedächtnis- und Orientierungsstörungen; auch das Denk- und Urteilsvermögen ist betroffen.

Bis Ende 2009 sollen in Deutschland nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums rund 13 Millionen Euro für das nationale Leuchtturm-Projekt „Demenz” ausgegeben werden. Nach Ansicht der Verbände reicht diese Summe nicht aus. So habe Frankreich eine Milliarde Euro für die Alzheimer-Forschung bereitgestellt.

Isabelle Heuser, Vorstandsmitglied der Hirnliga und Forscherin an der Berliner Charité, dämpfte die Hoffnung auf einen geeigneten Impfstoff gegen Alzheimer. „Es wird noch mindestens fünf Jahre dauern, bis wir ein geeignetes Serum tatsächlich einsetzen können”, sagte die Wissenschaftlerin. Die Forscher wiesen darauf hin, dass viele Patienten noch immer zu spät einen Facharzt aufsuchten. Je früher eine medikamentöse Therapie ansetze, desto bessere Chancen habe jedoch der Patient, betonte Heuser.

Stichwort: Die Alzheimer-Krankheit

Alzheimer ist eine langsam fortschreitende Hirnerkrankung, die mit dem zunehmenden Verlust geistiger Fähigkeiten einhergeht. Ursache ist der fortschreitende Abbau von Nervenzellen in der Großhirnrinde (Hirnatrophie). Betroffen sind vor allem jene Regionen des Gehirns, die für das Gedächtnis und andere wichtige geistige Funktionen von großer Bedeutung sind.

In der Folge kommt es zu Störungen des Gedächtnisses, des Verhaltens sowie Schwierigkeiten bei der Verrichtung alltäglicher Dinge. Im Laufe einiger Jahre steigern sich die Krankheitsanzeichen so weit, dass der Patient nicht einmal mehr die eigene Familie erkennt und auch selbst den Angehörigen immer fremder wird. Der Betroffene büßt zudem durch den geistigen Abbau immer mehr Selbstständigkeit ein und wird früher oder später zum Pflegefall.

Die Krankheit beginnt in der Regel schon mehrere Jahrzehnte, bevor die ersten Symptome auftreten. Sie bricht meist nach dem 65. Lebensjahr aus. Zunächst fast unbemerkt entstehen im Gehirn Ablagerungen aus Eiweißbruchstücken, die sogenannten Plaques. Diese Ablagerungen behindern die Kommunikation der Nervenzellen untereinander.

Im Laufe der Zeit sterben dann die Nervenzellen und ihre Verbindungen in den Regionen des Gehirns, die an der Entwicklung von Gedächtnis, Sprache und Denkfähigkeit beteiligt sind. Die Ursache des Leidens ist unbekannt. Möglicherweise gibt es mehrere Auslöser.