London: Forscher finden Ursache für ungewöhnliche Pilzvergiftungen

London: Forscher finden Ursache für ungewöhnliche Pilzvergiftungen

Japanische Forscher haben ein bisher unbekanntes Pilzgift identifiziert, das in Asien für mehrere Fälle tödlicher Pilzvergiftungen verantwortlich ist.

In Europa steckt der gleiche Giftstoff vermutlich hinter dem unerklärten Auftreten einer gefährlichen Muskelschwäche nach dem Verzehr des Grünlings, einem bis vor wenigen Jahren beliebten Speisepilz. Bei der giftigen Substanz handelt es sich um ein sehr kleines Molekül, das zwar in synthetischer Form bekannt ist, jedoch niemals zuvor in der Natur nachgewiesen werden konnte, wie Masanori Matsuura von der Keio-Universität in Yokohama und seine Kollegen im Fachmagazin „Nature Chemical Biology” schreiben (Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1038/nchembio.179).

In Europa gibt es erst seit wenigen Jahren Berichte über eine bis dahin unbekannte Pilzvergiftungsvariante. Speziell in Frankreich und Polen traten nach dem wiederholten Verzehr von größeren Mengen des Grünlings Tricholoma equestre Fälle einer sogenannten Rhabdomyolyse auf, einer ungewöhnlichen Art der Muskelschwäche, bei der sich bestimmte Muskeln im Körper zersetzen. Symptome sind unter anderem Übelkeit, Sprachstörungen, eine Kontraktion der Pupillen, Rücken- und Schulterschmerzen sowie rot-braun verfärbter Urin. In schweren Fällen folgen Bewusstlosigkeit, Schwächung des Herzmuskels und Tod. Aufgrund dieser Berichte wurde der Grünling von der Liste der Speisepilze entfernt.

In Asien, vor allem in Japan, sind derartige Pilzvergiftungen hingegen bereits seit den 1950er Jahren bekannt. Sie werden einem Täubling namens Russula subnigricans zugeschrieben, der häufig mit essbaren, sehr ähnlichen Täublingsvarianten verwechselt wird. Vor allem aufgrund dieser Verwechslung konnte der verantwortliche Giftstoff trotz der hohen Giftigkeit von R. subnigricans bisher nicht identifiziert werden.

Matsuura und seinem Team gelang die Charakterisierung nun, weil sie gezielt Pilze aus der Region Kyoto untersuchten, in der die Vergiftungen am häufigsten auftraten. Verantwortlich für die Symptome ist demnach ein kleines Molekül aus lediglich vier Kohlenstoff-, zwei Sauerstoff- und vier Wasserstoffatomen.

Drei der drei Kohlenstoffatome sind dabei zu einem Ring verknüpft, an den wiederum eine Säuregruppe gekoppelt ist.

In Mäusen erwies sich die gereinigte Substanz bereits in relativ geringen Mengen als tödlich. Da R. subnigricans zudem recht große Mengen des Giftstoffs enthalte, könnten beim Menschen schon zwei bis drei Pilze zum Tod führen - vorausgesetzt, die Wirkung der Substanz gleiche der bei Mäusen, erläutern die Forscher. Sie halten es für wahrscheinlich, dass auch die Grünlingsvergiftungen auf das Konto der ringförmigen Verbindung gehen. Zudem gebe es aus Tierversuchen Hinweise, dass auch andere beliebte Pilzarten die ungewöhnliche Muskelschwäche auslösen könnten und daher möglicherweise ebenfalls die giftige Säure enthielten.

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