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Boston: Forscher finden genetische Unterschiede bei eineiigen Zwillingen

Boston : Forscher finden genetische Unterschiede bei eineiigen Zwillingen

Eineiige Zwillinge besitzen entgegen der allgemein akzeptierten Theorie doch nicht vollkommen identische Gene: In ihrem Erbgut, dem „Buch des Lebens”, können im Vergleich zu ihrem Zwilling ganze Textteile fehlen oder auch mehrfach vorkommen.

Das hat ein internationales Forscherteam bei einer Untersuchung von 19 eineiigen Zwillingspaaren entdeckt. Die Abweichungen erklären laut den Wissenschaftlern nicht nur, warum in vielen Fällen nur ein Zwilling eine Krankheit entwickelt und der andere nicht, sondern sie könnten auch bei der Suche nach den Ursachen solcher Krankheiten helfen.

Über ihre Entdeckung berichten Carl Bruder von der Universität von Alabama in Birmingham und seine Kollegen in der Fachzeitschrift „American Journal of Human Genetics” (DOI: 10.1016/j.ajhg.2007.12.011)

Eineiige Zwillinge entstehen aus ein und derselben befruchteten Eizelle und sind daher im Prinzip natürliche Klone, die - zumindest nach bisherigem Wissen - exakt die gleiche genetische Hardware mitbekommen. Dass sich die Geschwister trotzdem nicht immer ähneln wie ein Ei dem anderen, wurde bislang auf eine Art Software zurückgeführt: Beeinflusst durch die Umwelt bilden sich bei jedem Zwilling individuelle Schalt- und Aktivitätsmuster bei den Genen aus, die zu unterschiedlichem Aussehen, einem unterschiedlichen Charakter und auch zu einer unterschiedlichen Anfälligkeit für Krankheiten führen können.

Doch das scheint nicht die ganze Geschichte zu sein, legen nun die neuen Ergebnisse nahe. Denn auch das Erbgut selbst kann sich zum Teil deutlich zwischen den beiden Geschwistern unterscheiden: Bei allen 19 Paaren entdeckten die Forscher sogenannte Copy Number Variations - Veränderungen, bei denen die Anzahl der Kopien eines Erbgutabschnitts von der Norm abweicht.

Das kann sich als fehlender Teil eines Chromosoms äußern, aber auch in einer Vervielfältigung eines bestimmten Abschnitts. Bei einem der Probanden in der Studie fehlte beispielsweise ein 22 Millionen Bausteine langer Teil von Chromosom Nummer 11, wohingegen sein Zwilling über ein intaktes Chromosom verfügte.

Solche Variationen der Kopienanzahl sind beim Menschen häufiger als lange angenommen und prägen wahrscheinlich seine Individualität, hatten Wissenschaftler erst Ende 2006 entdeckt. Bislang unbekannt war jedoch, dass sie auch bei den als genetisch identisch geltenden eineiigen Zwillingen vorkommen, erklären die Forscher. Sie werden wahrscheinlich im Lauf des Lebens erworben, wenn die sich teilenden Zellen Fehler beim Kopieren der Erbinformation machen.

Die Variationen bieten nach Ansicht der Wissenschaftler eine einzigartige Gelegenheit, für Krankheiten verantwortliche Gene zu identifizieren: Besitzt nämlich lediglich ein Zwilling eine bestimmte Abweichung in seinem Erbgut, und erkrankt dann genau dieser Zwilling, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Abweichung dabei eine Rolle spielt - schließlich ist der größte Teil des restlichen Erbguts identisch.