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Hamburg: Floating: Im Solo-Solebad dem Alltag entschweben

Hamburg : Floating: Im Solo-Solebad dem Alltag entschweben

Das so genannte Floating, das vielen lange Zeit als esoterisch galt, liegt im Trend. In deutschen Städten gibt es seit ein paar Jahren immer mehr Anbieter - Praxen und Läden, in denen das Sole-Schwebebad möglich ist. Unter anderem soll Floating - der Begriff kommt vom englischen Wort für schweben - die Kreativität fördern und dabei helfen, Stress abzubauen und Schmerz zu lindern.

Sich im Salzwasser treiben zu lassen und Schwerelosigkeit zu fühlen ist nicht mehr nur Israel-Urlaubern im Toten Meer vorbehalten oder gestressten Managern in teuren Kursen.

„Ich bin für einen undogmatischen Umgang mit dem Floaten”, sagt die Anbieterin und Ärztin Dr. Sibylle Vogelsang in ihrem „Institut für Medical Wellness” in Hamburg. Jeder Mensch erlebe den Aufenthalt im dunklen Salzwasser-Tank anders. Man solle nicht zu viel erwarten und sich am besten von sich selbst überraschen lassen. Meist sei es dann besonders schön, sagt Vogelsang. Ihrer Erfahrung nach tun sich Männer oft leichter mit dem Fallenlassen als Frauen.

Ein Floating-Tank lässt sich oberflächlich als eine Art größere Badewanne mit Deckel beschreiben. Mancher ist aufwendig als Muschel gestaltet und bietet einen elektronischen Sternenhimmel und die Möglichkeit, Musik zu hören. Gefüllt ist der Entspannungstank mit etwa 600 Litern Wasser und etwa 300 bis 400 Kilogramm Bittersalz (Magnesiumsulfat). Die Sole hat mit etwa 35 Grad die Temperatur der Hautoberfläche und steht nur etwa 25 Zentimeter hoch. Doch wer sich hineinlegt, mit Ohrstöpseln und sonst nichts, schwebt und weiß bald nicht mehr, wo der eigene Körper aufhört und die Sole beginnt.

Neu ist Floating keineswegs. Der umstrittene amerikanische Gehirnforscher John C. Lilly hat bereits in den 1950er Jahren mit Hilfe des auch Samadhi-Tank genannten Behälters untersucht, wie ein Mensch reagiert, der ganz und gar von äußeren Sinneseindrücken abgeschirmt ist. Lilly geriet später wegen übersteigerter Theorien in die Kritik. Doch kann Floaten dennoch als gutes Mittel gegen Reizüberflutung dienen, die heute bei fast jedem, nicht zuletzt durch alltägliche „Unruhestifter” wie Handy oder Emails, zunehmen dürfte.

„Man ist ganz auf sich zurückgeworfen. Auch wenn man seinen Körper kaum noch wahrnimmt - irgendwie fühlt man sich einerseits wie ein gepökeltes Stück Fleisch, andererseits nur noch wie ein Gehirn im Weltall”, sagt ein Kunde im Laden „Float Berlin”.

Dessen Betreiberin Heike Seeger sagt: „Man hört nichts, sieht nichts, tastet nichts, schmeckt nichts, riecht nichts. Das löst eine Kettenreaktion im Körper aus. Muskelverspannungen lösen sich zum Beispiel und Glückshormone werden vermehrt gebildet.” Durch den gut einstündigen Reizentzug würden große Teile des Gehirns von ihrer sonstigen Belastung befreit. Das Gehirn gerate in einen halbbewussten Dämmerzustand. Eine Stunde Floaten, die bei den meisten Anbietern um die 50 Euro kostet, soll angeblich mehrere Stunden Schlaf ersetzen.

Für den privaten Kauf von Floating-Muscheln gibt es indes keinen Markt in Deutschland, wie Stefan Bräuer sagt, der deutsche Ansprechpartner des Floating-Tank-Herstellers Senmai. Es habe immer wieder Billiganbieter gegeben, bei deren Tanks es Hygiene-Probleme gab. So sei der ohnehin kleine Markt verunsichert worden. Wer einen guten Tank wolle, müsse nun mal weit mehr als 20 000 Euro investieren, sagt Bräuer. „Das ist nur was für echte Enthusiasten.”