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Hamburg/Berlin: Fitness-Studios kosten viel Geld: Als Anfänger kurzen Vertrag wählen

Hamburg/Berlin : Fitness-Studios kosten viel Geld: Als Anfänger kurzen Vertrag wählen

Der Herbst macht regelmäßigen Sport noch schwerer als sonst: Nicht nur Zeitmangel und der innere Schweinehund arbeiten in der kalten Jahreszeit gegen die Fitness. Wenn es nach Büroschluss regnet und stürmt, bleiben die Joggingschuhe meist einfach im Regal.

Fitness-Studios bieten die Möglichkeit, wetterunabhängig zu trainieren. Wer über eine Mitgliedschaft nachdenkt, sollte sich den Vertrag genau durchlesen und sich vor Ort einen gründlichen Eindruck verschaffen.

Mehr als 4,5 Millionen Trainierende registrierte der Deutsche Sportstudio-Verband (DSSV) in Hamburg im Jahr 2006 in den rund 5600 deutschen Studios.

Der durchschnittliche Jahresbeitrag pro Person beträgt dem Verband zufolge 485 Euro - also etwas mehr als 40 Euro im Monat. Bei den großen Ketten betrage der Jahresbeitrag sogar zwischen 670 und 1270 Euro - je nach Standort, Ausstattung und Zusatzangeboten. „Das sind fast 100 Prozent Schwankung”, sagt Anke Scheiber, Projektleiterin für Gesundheitsdienstleistungen bei der Stiftung Warentest in Berlin.

Anke Scheiber hat für die Zeitschrift „test” (Ausgabe 10/2006) 21 Studios von 7 großen Ketten untersucht. Die Auswahl eines Studios und eine langfristige Vertragsbindung sollten wohl überlegt sein: „Ich habe zum Beispiel schnell die Lust verloren, wenn ich mich jedes Mal erst durch das Verkehrsgewimmel quälen muss”, sagt Brigitte Sievering-Wichers von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. „Nicht nur der Preis, sondern auch die Nähe zum Arbeitsplatz oder meiner Wohnung ist wichtig.” Die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln und die Öffnungszeiten seien weitere entscheidende Auswahlkriterien.

Zudem müssen das Studio und die anderen Mitglieder zum „persönlichen Stil” passen: „Will ich eine Muckibude oder ein Gesundheitszentrum, will ich ein Kursangebot oder nicht?” - das sind laut der Referentin für Freizeit und Haushalt wichtige Fragen. „Wenn das nicht passt, nervt es schnell, und ich gehe nicht mehr hin.”

„Der erste Eindruck ist wichtig: Schauen Sie sich auch das Publikum an - mit denen werden Sie nachher zusammen schwitzen und unter der Dusche stehen”, rät Anke Scheiber. Wichtig seien auch ein gutes Geräteangebot und eine professionelle Betreuung. „Vereinbaren Sie vor einem Vertragsabschluss auf jeden Fall ein Probetraining”, empfiehlt Scheiber. „Dafür fallen zwar manchmal Kosten an. Investieren Sie aber lieber vorab.”

Mehr als zwei Drittel der Neueinsteiger stellen laut Stiftung Warentest das Training nach spätestens sechs Monaten wieder ein - zahlen müssen sie trotzdem. „Ein Sonderkündigungsrecht gibt es nur aufgrund längerer Trainingsunfähigkeit durch Verletzung oder Krankheit, bei Schwangerschaft, Wehrdienst oder Umzug”, listet Rechtsanwalt Sascha Kugler aus Berlin auf. Dann sei es möglich, zum Monatsende aus dem Vertrag auszuscheiden.

Im letztgenannten Fall zum Beispiel sei dann maßgeblich, dass der Kunde sich „aus dem Einzugsbereich entfernt” : Bei einem Umzug in eine andere Stadt sei das kein Problem, beim Wohnungswechsel innerhalb von großen Städten könne es aber schwierig sein. „Wenn ich ein anderes Studio direkt neben der neuen Wohnung habe, sollte es aber möglich sein, den leichteren Zugang geltend zu machen”, sagt Kugler. Im Fall einer Verletzung, die das Trainieren für einige Zeit unmöglich macht, müsse auch eine Vertragsaussetzung drin sein.

Immer wieder führen die Verträge zum Rechtsstreit: So mahnte die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in den vergangenen drei Jahren mehr als 200 Klauseln in den Papieren der Studiobetreiber ab. Es sei zum Beispiel nicht zulässig, dass sich ein Vertrag automatisch um zwölf Monate verlängert, wenn er nicht sechs Monate vorher schriftlich gekündigt wird - grundsätzlich darf die Kündigungsfrist drei Monate nicht übersteigen und muss rechtzeitig zum Vertragsende erfolgen, erläutert Sievering-Wichers. Die Kündigung dürfe nach Ansicht der meisten Gerichte aber nicht an Termine wie das Quartals- oder Jahresende geknüpft sein.

Außerdem sei es nicht rechtens, dass nur ein Amtsarzt die Trainingsunfähigkeit bescheinigen darf, fügt Kugler hinzu - jeder Hausarzt könne dies tun. Zudem dürften die Anbieter nicht grundsätzlich die Haftung bei Verletzungen ausschließen. „Achten Sie vor der Unterzeichnung eines Vertrags auch darauf, ob noch Zusatzgebühren anfallen”, rät Anke Scheiber. Bisweilen würden mitten im Jahr eine „Servicegebühr” für die Verwaltung oder eine Pauschale für den Mitgliedsausweis verlangt.

Misstrauisch sollten Kunden am Fitness-Studio-Tresen auch dann werden, wenn mit angeblichen Sonderrabatten gelockt wird. „Wenn es heißt, „Komm, wenn Du heute unterschreibst, kann ich Dir die Aufnahmegebühr erlassen”, geht es meist nur um einen schnellen Vertragsabschluss”, sagt Scheiber. „Die Mitarbeiter sind da heute wirklich gut geschult.” Nach Worten von Brigitte Sievering-Wichers sollten Kunden auch danach fragen, ob sie im Herbst nicht zunächst einen Vertrag für ein halbes Jahr abschließen können. „Wenn es Ihnen nicht gefällt, können Sie im Sommer ja wieder die Möglichkeiten an der frischen Luft nutzen.”