München: Fitness für nur Frauen in speziellen Studios

München: Fitness für nur Frauen in speziellen Studios

Sportstudio oder Marktplatz der Eitelkeiten? In so manchem Fitnesscenter sind die Grenzen fließend. Viele Frauen stören sich an der Wettbewerbssituation und den taxierenden Blicken, die ein entspanntes Trainieren oft unmöglich machen.

Das ist auch einer der Hauptgründe, weshalb reine Frauenfitnessstudios sich zunehmender Beliebtheit erfreuen, wie Natalie Bendit, Geschäftsführerin der Studiokette My Sportlady in München, bestätigt: „Die Frauen, die zu uns kommen, wollen nicht flirten, sondern ohne Erwartungsdruck und in entspannter Atmosphäre trainieren.”

Das zeigt sich in Frauenfitnessstudios oft schon beim Interieur: Von der Wandfarbe in warmen Tönen über frische Schnittblumen und viele Grünpflanzen bis hin zu gemütlichen Sitzecken soll das Ambiente Geborgenheit und Behaglichkeit ausstrahlen.

„Nur wer sich wohlfühlt und Spaß am Training hat, kommt auch regelmäßig und erreicht somit letztendlich sein Trainingsziel”, sagt Bendit. „Frauen erwarten da einfach mehr - und sei es nur, dass sie höhere Ansprüche an die Hygiene und den Geruch im Studio stellen.” Auch die Trainingsangebote selbst sind in Frauenstudios meist auf die Ansprüche des weiblichen Geschlechts abgestimmt. Denn „statt purer Muskelmasse stehen bei Frauen meist ein paar Pfund weniger und ein wohlgeformter, straffer Körper ganz oben auf dem Wunschzettel”, weiß auch Andreas Rosenhagen, Sportmediziner an der Uniklinik Frankfurt am Main.

Außerdem bieten Frauenfitnesscenter meist wesentlich mehr Kurse an als normale Studios. „Dabei werden dann oft Übungen zum Muskelaufbau mit Stretching und Ausdauertraining sinnvoll miteinander verknüpft”, sagt Natalie Bendit. Selbst Exotisches wie Pole Dancing, also Tanzen an der Stange, kann hier im geschützten Rahmen ausprobiert werden.

Andreas Rosenhagen sieht einen weiteren Vorteil in der Spezialisierung: „Gerade bei älteren Frauen finden Spezialprogramme wie Beckenbodentraining oder Wirbelsäulengymnastik Anklang, die in normalen Sportstudios nicht selten zu kurz kommen. Schwangere können sich in manchen Frauenstudios sogar zu Geburtsvorbereitungskursen anmelden - und anschließend zur Rückbildungsgymnastik.”

Um auch Müttern ein entspanntes Trainieren ohne schlechtes Gewissen zu ermöglichen, gehört eine kostenlose Kinderbetreuung bei den meisten Frauenfitnessstudios zum Standardangebot. „Wer seine Kinder in guten Händen weiß, gönnt sich nach dem Training vielleicht auch noch einen Saunagang, oder trinkt mit Bekannten noch eine Tasse Tee”, ist die Erfahrung von Natalie Bendit.

Denn auch wenn hier nicht geflirtet wird, anonym ist das Training im Kreise Gleichgesinnter nicht, im Gegenteil: „Viele Frauen kommen gemeinsam mit ihren Freundinnen hierher oder nutzen den Sport, um neue Bekanntschaften zu knüpfen, gehen anschließend gemeinsam ins Kino oder zum Essen.”

Oft befinden sich in den Räumlichkeiten der Fitnessstudios auch Zusatzangebote wie Kosmetik, Hand- und Fußpflege, Solarium oder Massage - das ist lukrativ für die Studios und praktisch für die Besucherinnen. Trotz einer solchen Vielfalt müssen Frauenstudios nicht zwangsläufig teurer sein als normale Fitnesscenter, meint Natalie Bendit: „Der Preis unterscheidet sich hier genauso sehr wie bei anderen Studios. Und genau wie dort sind bei der Studiowahl geschulte Trainer und ein eingehendes Beratungsgespräch die wichtigsten Qualitätskriterien.”

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