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Köln: Fitness-DVDs: Schwitzen vor der Mattscheibe

Köln : Fitness-DVDs: Schwitzen vor der Mattscheibe

Die ansprechend geschminkte Pilates-Trainerin liegt an einem Swimmingpool in der Toskana. Zu sanften Flötenklängen streckt und beugt sie ihre Beine und erklärt dabei das Prinzip des „Powerhouses”. Dabei lächelt sie entspannt in die Kamera.

Zurück in Deutschland soll die Sequenz auf dem heimischen Fernseher das Wohnzimmer in ein kostengünstiges und exklusives Fitnessstudio verwandeln. Allerdings ist das Heimtraining mit Fernseh-Vorturnern nicht immer die bessere Alternative zur Muckibude. „Die meisten Fitness-DVDs überfordern Laien”, sagt Professor Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Die Form der Darstellung mache es Ungeübten oft schwer, die Bewegungen richtig nachzuvollziehen. Um vom Hometraining zu profitieren, sei es daher wichtig, dass man sich in der betreffenden Sportart schon ein bisschen auskennt. „Selbst eine DVD, die sich explizit an Anfänger wendet, kann keine umfassende Einführung in eine neue Sportart bieten. Dazu braucht es die individuelle Beratung und Begleitung durch einen kompetenten Trainer”, sagt Froböse.

Um die Grundlagen einer Sportart zu erlernen, sollte man nach Ansicht des Sportwissenschaftlers daher immer einige Live-Übungsstunden absolvieren. Froböse bemängelt außerdem, dass bei vielen Fitness-DVDs Geschwindigkeit, Wiederholungszahl und Kraftanstrengung für die Übungen nicht individuell wählbar sind. „Dadurch müssen im Grunde alle versuchen, so zu trainieren, wie es der Fitnesstrainer macht - und diese Trainingsdosierung passt nicht für jeden”, sagt der Sportwissenschaftler.

Er rät Käufern, bei der Auswahl des Programms darauf zu achten, dass je nach Leistungsstärke und Trainingsziel verschieden Übungsintensitäten angeboten werden. „Die Übungen sollten in mindestens drei Schwierigkeitsstufen wählbar sein, für Anfänger, Fortgeschrittene und Könner”, rät Froböse. Wichtig sei zudem, dass kontinuierlich Anleitungen gegeben werden, wie man die Übung richtig ausführt. „Beispielsweise sollte der Sprecher erklären, welche Schmerzen ein Zeichen dafür sind, dass man die Übung nicht richtig ausführt”, sagt der Sportexperte.

Fehler, die normalerweise der Trainer sieht, muss man beim Hometraining selbst entdecken und korrigieren. „Während der Übungen vor dem Fernseher sollte man selbst konstant darauf achten, dass man beispielsweise Bewegungen nicht zu ruckartig durchführt und den Atemrhythmus einhält”, rät Froböse. Bei Anzeichen von Überforderung, also beispielsweise bei Muskelzittern oder keuchender Atmung, sollte das Training abgebrochen werden. „Am besten überprüft man regelmäßig seinen Puls, während man übt. Dieser sollte nicht höher werden als der Wert 180 abzüglich des Lebensalters des Sportlers”, sagt Froböse.

Für das Training vor dem Fernseher braucht man Platz. „Ungefähr vier Quadratmeter sollte man schon zur Verfügung haben”, sagt Froböse. Harte oder zerbrechliche Gegenstände räumt man am besten vorsorglich aus dem Weg. „Ein Blick nach oben lohnt sich außerdem. Sonst stößt man beim ersten Sprung vielleicht an den wertvollen Kronleuchter”, sagt der Sportwissenschaftler.

Um Knochen und Gelenke nicht zu sehr zu belasten, sollte man auch zu Hause immer auf einer dämpfenden Unterlage trainieren. „Am besten eignet sich hierfür eine Gymnastikmatte”, sagt Froböse. Auch Teppichboden dämpfe Sprünge gut, sei aber als alleinige Unterlage zu unhygienisch. „Bei Sportarten, die viele Sprünge beinhalten, sollte man auch an die Nachbarn denken”, rät Froböse außerdem. Spätabendliche Trainingseinheiten könnten von diesen schnell als Ruhestörung empfunden werden.

Die Ausstattung für den Heimsportler ist nicht weniger umfangreich als die, die man ins Fitnessstudio mitnimmt. „Auf keinen Fall sollte man, nur weil man zu Hause trainiert, in Hausschlappen Sport machen. Vernünftige Sportschuhe und gute Trainingskleidung gehören auch hier dazu”, sagt Froböse. Während des Trainings sollte man außerdem immer ein Handtuch und eine Flasche Wasser griffbereit haben.

Wer in den eigenen vier Wänden Sport macht, braucht eine große Portion Disziplin, um den inneren Schweinehund zu dressieren. „Am besten trägt man sich die Trainingseinheiten vorab in den Terminkalender ein. Das ist schon ein sehr guter Anreiz”, sagt Froböse. Man könne sich für die Übungen aber auch einfach regelmäßig mit einem Freund verabreden und gemeinsam das Wohnzimmer zum Fitnessstudio machen.