Philadelphia: Fehlender Schlaf lässt sich nachholen

Philadelphia: Fehlender Schlaf lässt sich nachholen

Die Folgen von chronischem Schlafmangel gleicht ein einmaliger Erholungsschlaf teilweise wieder aus. Das hat ein internationales Forscherteam durch Verhaltensexperimente herausgefunden. Eine vollständige Erholung ist aber erst durch mehrere Nächte ausgedehnten Schlafens erreichbar.

Für die Studie wurde den Probanden Schlaf entzogen, anschließend durften sie in sechs Gruppen sich in verschieden langen Ruhephasen erholen. Dabei zeigte sich, dass nicht die Intensität des Schlafs allein für die Erholung ausschlaggebend ist, sondern besonders die Dauer des Nachholschlafs. Mangel an Nachtruhe verursache langsame Veränderungen von Körperfunktionen, die sich eben auch erst mit der Zeit wieder ausgleichen ließen, schreiben die Wissenschaftler um David Dinges von der University of Pennsylvania in Philadelphia im Fachmagazin „Sleep” (Bd. 33, Nr. 8).

Wer öfter zu wenig schläft, lebt auf Dauer gefährlich, denn chronischer Schlafmangel macht krank: Stress und schlechte Laune sind die Folgen, daneben erhöht zu wenig Schlaf aber auch das Risiko von Diabetes, Übergewicht und Herzerkrankungen, wie die Wissenschaftler schreiben. Die meisten gesunden Erwachsenen benötigen zwischen sieben und neun Stunden Schlaf pro Tag, um ihre körperlichen und geistigen Kräfte zu regenerieren. Menschen, deren Lebensrhythmus beispielsweise von Schichtarbeit bestimmt ist, bauen bereits nach wenigen Wochen ein erhebliches Schlafdefizit auf.

Es kommt zu verringerter Aufmerksamkeit und Unkonzentriertheit, wie die Psychologen um David Dinges bereits vor einigen Jahren wissenschaftlich belegt hatten.

Nun wollten sie wissen, ob sich die Symptome durch eine Portion Extraschlaf am Wochenende wieder aufholen lassen. Dafür setzten sie 159 gesunde Probanden im Alter von 22 bis 45 Jahren für ein Experiment ein. In den ersten beiden Nächten durften alle zehn Stunden im Bett sein. An den folgenden fünf Tagen reduzierten die Wissenschaftler die Schlafdauer auf vier Stunden. Während die Probanden schliefen, beobachteten die Forscher die verschiedenen Schlafphasen. Dabei wurde auch der sogenannte REM-Schlaf bewertet, der unter anderem durch schnelle Augenbewegungen charakterisiert ist. Für den anschließenden Erholungsschlaf teilten die Psychologen die Probanden in sechs Gruppen ein, die zwischen null und zehn Stunden lang schlafen durften.

Tagsüber absolvierten die Teilnehmer verschiedene Verhaltenstests und neurologischen Untersuchungen, die Auskunft über Reaktionszeit, Müdigkeitslevel und Konzentrationsfähigkeit gaben. Dabei zeigte sich, dass unmittelbar nach der stark reduzierten Schlafdauer alle Werte deutlich beeinträchtigt waren. Mit zunehmender Länge des Erholungsschlafes verbesserten sie sich wieder nach und nach. Ihre Ausgangswerte erreichten allerdings nur die Teilnehmer wieder, die zehn Stunden geschlafen hatten. „Jede zusätzliche Stunde Schlaf nach einer Phase chronischen Schlafmangels fördert die Zurückgewinnung der geistigen Munterkeit”, erklärt Dinges.

Das Experiment unterstreiche besonders die Bedeutung von Erholungsschlaf für Menschen, deren Beruf oder Lebensweise einen teilweisen oder chronischen Schlafmangel entstehen lasse. Für die vollständige Erholung seien aber neben der Dauer auch die verschiedenen Schlafphasen und die Schlafintensität mitverantwortlich.

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