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Berlin: Faltenfrei altern: Risiken bei Gesichtslifting immer gut abwägen

Berlin : Faltenfrei altern: Risiken bei Gesichtslifting immer gut abwägen

Auch wenn viele davon träumen, für immer jung auszusehen: Das ist es keinem vergönnt. Ablesen kann man das Alter eines Menschen oft als Erstes im Gesicht. „Die Elastizität der Haut nimmt mit den Jahren ab”, sagt Sven von Saldern, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie.

„Außerdem erschlafft die Muskulatur des Unterhautfettgewebes, und das Gesicht verliert an Substanz. Folge sind Faltenbildung, das Verschwimmen der Konturen und das Herabsinken der Gesichtsweichteile.”

Die ästhetische Medizin kennt einige Wege, um den Zeichen der Zeit ein Stück weit entgegenwirken. Bei ausgeprägten Problemen wie tiefen Furchen oder hängenden Gesichtspartien bleibt oft nur ein Facelift. Dabei handelt es sich um eine operative Gesichtsstraffung, bei der Falten beseitigt werden und erschlafftes Gewebe angehoben wird.

„Das erste Facelift wurde Anfang des 20. Jahrhunderts durchgeführt. Damals wurde lediglich die Haut gestrafft”, erläutert Mariam Omar, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie am Laderma Zentrum für Schönheit und Ästhetik in Berlin. „Dies machte nicht nur einen unnatürlichen, gezogenen Effekt, sondern war bei unschönem Narbenbild auch nur von kurzer Dauer.”

In den 1960er und 1970er begannen Mediziner, die tiefe bindegewebige Schicht, auch superfizielles muskuloaponeurotisches System (SMAS) genannt, unter der Haut zu repositionieren. Daraus entwickelte sich das sogenannte SMAS-Lift. Omar nennt zwei Vorzüge dieser Technik: „Das SMAS ist zugfester und stabiler als die Haut, weshalb der Effekt der Gesichtsstraffung bis zu zehn Jahre sichtbar ist. Das Ergebnis wirkt natürlicher, weil die Haut sich nahezu spannungsfrei über das jugendlich geformte Gesicht glättet.” Weil weniger Zug auf den Wundrändern lastet, heilen die Narben außerdem unauffällig, und es kommt seltener zu Hautnekrosen, also dem Absterben der Haut.

Da es sich um eine aufwendige mehrstündige Operation handelt, bei der die SMAS-Schicht über Schnitte, die entlang Haargrenze und Ohr verlaufen, freigelegt und modelliert wird, sollte sie ein Spezialist vornehmen. „Ich würde zu einem Arzt aus dem Bereich der Ästhetisch-Plastischen oder der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie raten”, sagt von Saldern. „Es ist wichtig, dass der Operateur Erfahrung hat und die Gesichtsanatomie genau kennt.” Sonst bestehe unter anderem das Risiko von Nerven- oder Gefäßverletzungen.

Vor dem Eingriff muss die bisherige Krankengeschichte des Patienten ausführlich erhoben werden. Außerdem bedarf es einer Gesichtsanalyse. Dadurch kann der Facharzt feststellen, ob Gegenanzeigen bestehen und ob der Eingriff wirklich der richtige ist. Manchmal reiche es, einzelne Partien zu korrigieren, um einen Verjüngungseffekt zu erzielen, erklärt Ingo Dantzer von der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie.

Das gilt etwa für Stirnfalten, die sich durch die Mimik relativ früh bilden und immer mehr vertiefen. Oder für das durch den Spannungsverlust der Haut bedingte Herabsinken der Augenbrauen, das die Augen klein und müde wirken lässt. „Abhilfe schafft ein Stirnlifting, bei dem das Gewebe über Schnitte am behaarten Oberkopf gestrafft wird, wodurch die Augenbrauen angehoben werden, so dass der Blick wieder munter und wach wirkt”, schildert Omar. Der Eingriff dauert etwa 60 bis 90 Minuten und erfolgt meist unter Vollnarkose.

Manchmal zeigt sich das Alter auch erst im Wangenbereich. Wenn Haut und Muskulatur dort erschlaffen, können sich Hängebäckchen bilden. Außerdem können die Mundwinkel absinken, so dass das Gesicht einen grimmigen Ausdruck bekommt. Ein Wangenlifting kann helfen. „Dabei wird die Haut durch einen kleinen Schnitt in Richtung Schläfe und Ohren gestrafft und so wieder geglättet”, erklärt Dantzer. Die OP dauert 60 bis 90 Minuten und kann in Dämmerschlafnarkose stattfinden.

Alt aussehen lassen können einen Menschen auch die Augenlider. Das ist der Fall, wenn Haut und Muskel erschlaffen oder sich das Fettgewebe vorwölbt, das die Augen umgibt. Man spricht dann je nach Lage des Problems von Schlupflidern oder Tränensäcken. Bei einer sogenannten Lidplastik werde überschüssige Haut entfernt und das Fettgewebe rückverlagert oder entfernt, erläutert von Saldern. „Dazu sind lediglich kleine Schnitte in der Lidfalte, beziehungsweise am Wimpernrand nötig.” Die OPs dauern meist zwischen 45 und 90 Minuten und werden in örtlicher Betäubung oder Vollnarkose vorgenommen.

Auch die Kinn-Hals-Partie kann stören, etwa durch vermehrte Fetteinlagerungen und erschlafftes Gewebe am Kinn. „Störende Fettdepots saugt man ab”, sagt Dantzer. „Hängendes Gewebe wird - unabhängig davon, ob Kinn oder Hals betroffen sind - über kleine Schnitte hinter dem Ohr oder in der Kinnfalte gestrafft.” Die OPs dauern 60 bis 120 Minuten unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose.

Wie jede andere Operation auch birgt ein Lifting grundsätzliche Risiken. Mögliche Komplikationen sind Narkoseunverträglichkeiten, Nachblutungen und Infektionen. Verbraucherschützer empfehlen, sich vor einer OP umfassend über die Risiken aufklären zu lassen. Allzu optimistische Schilderungen und verharmlosende Floskeln sollte man kritisch sehen, rät Christoph Kranich von der Verbraucherzentrale Hamburg. Bei medizinisch nicht notwendigen Eingriffen müsse der Arzt besonders sorgfältig über alle Risiken aufklären.

(dpa)