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Karlsruhe/Berlin: Druckausgleich schaffen: So lässt sich Bluthochdruck vermeiden

Karlsruhe/Berlin : Druckausgleich schaffen: So lässt sich Bluthochdruck vermeiden

Bluthochdruck unterschätzen - das ist leichtsinnig. Bleibt er unbehandelt, dann drohen in den schlimmsten Fällen Schlaganfall, Herzinfarkt - oder auch schwere Augen- und Nierenerkrankungen. Problematisch ist, dass Betroffenen häufig zunächst keinerlei Beschwerden haben.

Nicht selten bleibt Bluthochdruck daher lange unerkannt. In der Phase, in der nicht gegengesteuert wird, geht wertvolle Zeit verloren - und der Blutdruck steigt weiter an. Für das Herz im menschlichen Körper ist das eine enorme Belastung.

Ohnehin vollbringt es Tag für Tag Höchstleistungen. Schließlich muss das Herz fortwährend Blut in die Gefäße pumpen, damit alle Organe mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden. Natürlich geht dieses Pumpen nicht ohne einen gewissen Druck. Zieht sich das Herz zusammen, wird Blut in die Arterien gedrückt. In der Folge steigt der Blutdruck. Sein höchster Wert ist erreicht, wenn sich das Herz maximal zusammengezogen hat.

Dieser - obere - Wert heißt systolischer Blutdruck. Das Wort Systole kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Anspannung. Nach diesem Pumpvorgang erschlafft das Herz. Bevor der Pumpvorgang von vorne losgeht, muss sich das Herz erneut mit Blut füllen. Im Zuge der Erschlaffung sinkt der Blutdruck. Der niedrige - untere - Wert nennt sich diastolischer Blutdruck. Diastole kommt ebenfalls aus dem Griechischen, und gemeint ist die Entspannungs- und Füllungsphase.

Bei der Blutdruckmessung kommt es sowohl auf den oberen als auch auf den unteren Wert an. Die Messeinheit nennt sich Millimeter Quecksilbersäule (mmhg). Normal sind Blutdruckwerte unter 140 zu 90. „Alle Werte, die darüber liegen, gelten als Bluthochdruck”, erklärt Prof. Martin Hausberg. Er ist Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga (DHL) sowie Direktor der Medizinischen Klinik I des Städtischen Klinikums Karlsruhe.

Allerdings unterliegt der Blutdruck tageszeitlich bedingten Schwankungen. „Das ist absolut normal”, betont Hausberg. Ein einmal erhöhter Blutdruck bedeutet nicht, dass jemand krank ist. Körperliche Aktivitäten oder seelischer Stress haben auf den Blutdruck ebenso Einfluss wie Schlafen - und können zu einem Anstieg oder zu einem Sinken führen.

Um ein Bild davon zu bekommen, ob jemand Bluthochdruck hat oder nicht, sind in jedem Fall mehrere Messungen an verschiedenen Tagen zu verschiedenen Uhrzeiten erforderlich. Es kann auch sein, dass von ärztlicher Seite aus eine 24-Stunden-Messung gemacht wird, um zu sehen, wie sich der Blutdruck entwickelt. Hierfür erhalten Patienten leihweise ein Gerät, das sie am Körper tragen und das zu festen Zeiten den Blutdruck automatisch misst.

Nichtsdestotrotz: Bluthochdruck ist weit verbreitet. Fast jeder Dritte in Deutschland leidet nach DHL-Angaben darunter. Bei den 70- bis 79-Jährigen sind sogar drei von vier Menschen betroffen. „Bereits leicht erhöhte Blutdruckwerte steigern die Gefahr für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die tödlich enden können”, warnt Hausberg.

So weit muss es nicht kommen. „Auch wer keinerlei Beschwerden spürt, sollte regelmäßig beim Arzt oder in einer Apotheke sich den Blutdruck messen lassen”, rät die Apothekerin Ursula Sellerberg. Sie ist stellvertretende Pressesprecherin bei der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) in Berlin. Zeigen sich auf diese Weise bei wiederholten Messungen Auffälligkeiten, ist Handeln angesagt.

„Zunächst wird bei einem ansonsten gesunden Patienten versucht, mit einer Änderung des Lebensstils den Blutdruck auf normale Werte zu senken”, sagt Hausberg. Dazu gehören: Abbau von Übergewicht, Verzicht auf Nikotin und regelmäßige körperliche Bewegung, zum Beispiel dreimal die Woche ein 30-minütiges Ausdauertraining. Die Ernährung sollte ausgewogen sein und wenig Kochsalz und tierische Fette enthalten - dafür viel Obst und Gemüse, kaltgepresste Öle und fettarme Milchprodukte.

Wenn mit dieser Lebensstil-Änderung nicht innerhalb von maximal anderthalb Monaten die Blutdruck-Werte gesenkt werden können, dann führt an einer medikamentösen Therapie kein Weg vorbei. „In aller Regel müssen diese Arzneimittel ein Leben lang eingenommen werden”, sagt Sellerberg. Es gibt mehrere blutdrucksenkende Präparate, die zum Teil auch unliebsame Nebenwirkungen wie etwa Schlafstörungen oder Mundtrockenheit haben. Welches Medikament im Einzelfall das richtige ist, sollte mit dem Arzt abgeklärt werden.

Da auch Stressabbau zu gesunden Blutdruckwerten beiträgt, sollten Betroffene zusätzlich Entspannungstechniken erlernen, empfiehlt die Münchner Heilpraktikerin Ursula Hilpert-Mühlig. Sie ist Vizepräsidentin des Fachverbands Deutscher Heilpraktiker. Das kann etwa Autogenes Training sein oder Tai Chi Chuan, das sogenannte Schattenboxen. Wer Bluthochdruck von vornherein bei sich verhindern will, sollte vorsorgen - mit Bewegung, Entspannung und ausgewogener Ernährung.

(dpa)