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Selsingen/Nürnberg: Die Wahl der richtigen Matratze

Selsingen/Nürnberg : Die Wahl der richtigen Matratze

Das Bettgestell ist ein Design-Traum in Weiß. Genächtigt wird nur in edlem Satin.

Aber die Matratze gab es während der Studentenzeit im Sonderangebot, und schon damals war sie eigentlich ein bisschen zu weich. Über ihre Schlafunterlage machen sich viele Leute kaum Gedanken. Dabei leistet diese einen wichtigen Beitrag zum allgemeinen Wohlbefinden. „Wird die Wirbelsäule auf einer unpassenden Matratze die ganze Nacht über gekrümmt und gebogen, bekommt man Rückenprobleme. Das wiederum mindert die Schlafqualität, was sich negativ auf den gesamten Organismus auswirkt”, sagt Georg Stingel von der Aktion Gesunder Rücken (AGR).

Matratzen sollte man immer im Laden ausprobieren, bevor man sich für eine entscheidet. „Man sollte sich auf keinen Fall nur auf Packungsangaben zur Rückenfreundlichkeit und zum Härtegrad verlassen„, sagt Stingel. Ob eine Unterlage passe, oder ob sie zu hart oder zu weich sei, sei subjektiv und hänge unter anderem vom Körpergewicht der Person ab, die darauf liegt. Abgesehen vom fachkundigen Berater im Geschäft ist es immer gut, sich bei der Einkaufstour von einer zweiten Person unterstützen zu lassen. ”Diese hat den Blick von außen und kann die Lagerung der Wirbelsäule kontrollieren„, erklärt Stingel.

Dazu legt man sich im Geschäft seitlich auf die Matratze. „In dieser Position schaut die Kontrollperson, ob die Wirbelsäule vom Hinterkopf bis zum Steißbein gerade ist”, sagt Stingel. Dies sei ein gutes Zeichen dafür, dass die Matratze die Körperformung gut unterstützt.

Auch die Rückenlage wird ausgetestet. „Dazu legt man sich ausgestreckt auf die Unterlage und spannt den Körper leicht an. Wenn man nun noch eine Hand unter das Hohlkreuz schieben kann, passt sich die Matratze dem Körper nicht optimal an”, sagt Stingel. Um zu gewährleisten, dass die Wirbelsäule in der Rückenlage ihre S-Formung behält, müsse nämlich auch diese Hohlstelle unterstützend ausgefüllt sein.

„Damit sich die Matratze möglichst exakt an die Körperformen anschmiegt, sollte sie in sich sehr elastisch sein und auf Druck durch Schultern oder Becken nur an dieser bestimmten Stelle mit einer punktgenauen Vertiefung reagieren”, sagt Reimund Heym vom Möbelprüfinstitut der Landesgewerbeanstalt Bayern (LGA). Diese sogenannte Punktelastizität könne man testen, indem man mit dem Finger in die Matratze piekst. ”Der Trichter, der sich dabei bildet, sollte sehr steil sein„, sagt Heym.

Auch das Hin- und Herwälzen darf auf der Schlafunterlage kein Problem sein. „Um die Dynamik des Schlafs nicht zu stören, muss das Matratzenmaterial ausreichend lebhaft und sprungelastisch sein. Man kann dies im Geschäft testen, indem man sich auf die Matratze setzt. Wenn man nach einiger Zeit wieder aufsteht, sollte die Unterlage sich rasch wieder in ihren Ursprungszustand zurückformen”, sagt Heym.

Die Auswahl an Matratzen auf dem Markt ist riesig. Die wohl älteste der heute gängigen Varianten ist die Federkernmatratze, in deren Innern sich kleine Metall-Sprungfedern befinden. „Hochwertige Matratzen dieses Typs haben möglichst kleine Federn, die in Taschen eingenäht sind, sie heißen daher auch Taschenfederkernmatratzen”, erklärt Heym. Menschen, die nachts stark schwitzen, sei dieser Matratzentyp besonders zu empfehlen. „Durch den Hohlraum und die Pumpbewegung der Federn wird die Matratze immer gut belüftet”, sagt Heym.

Sehr gute Liegeeigenschaften bescheinigt der Experte Latexmatratzen. „Matratzen mit Latex-Kern sind sehr punktelastisch und so flexibel, dass sie sich beispielsweise auch an neigungsverstellbare Lattenroste gut anpassen”, sagt Heym. Wichtig sei, dass die Latexschicht im Innern der Matratze perforiert ist, um einen Feuchtigkeitsaustausch zu gewährleisten. „Umweltfreunde, die sich die Latexmatratze vor allem wegen des Aufdrucks Naturlatex kaufen, sollten jedoch aufpassen. Denn da Naturlatex nicht so haltbar ist wie synthetischer Latex, werden oft Mischformen angeboten, bei denen dann vielleicht noch 20 Prozent tatsächlich Natur sind”, sagt Heym.

Der derzeit gefragteste Matratzentyp sei allerdings die Schaumstoffmatratze. „Die Schäume haben heute eine sehr hohe Qualität und sind besonders haltbar”, sagt Heym. Das Material lasse sich in verschiedenste Formen bringen. „Man kann den Schaumstoff durch Schnitte in verschiedene Zonen einteilen oder durch Schichtungen verschiedener Schaumstoffe den subjektiven Härtegrad der Matratze beeinflussen”, sagt Heym. Zudem sei das Material sehr leicht und lasse sich so im Alltag einfach handhaben.

„Sowohl Schaumstoff-Matratzen als auch die Modelle mit Latex- oder Federkern sind in höchst unterschiedlichen Qualitäten erhältlich”, sagt Stingel. Oft gebe jedoch der Preis auch einen entscheidenden Hinweis auf die Qualität des Produkts. „Eine ordentliche Matratze bekommt man ab ungefähr 300 Euro”, sagt Stingel. In den deutlich höherpreisigen Kategorien seien dagegen oft keine Unterschiede in der Liegequalität, sondern vielmehr in der Verarbeitung des Bezugs und der Auswahl der Materialien festzustellen. ”Die beste ergonomische Liegequalität bieten Bettsysteme, bestehend aus einer entsprechenden Unterfederung in Kombination mit einer dazugehörigen Matratze", sagt Stingel.

Selbst die teuerste und hochwertigste Matratze hat ein Verfallsdatum. Pro Nacht verliert man bis zu 0,7 Liter Schweiß, der auch bei ausreichender Durchlüftung über die Jahre einen feucht-warmen Nährboden für Mikroorganismen bildet. „Nach acht bis zehn Jahren ist eine Matratze sowohl mechanisch als auch hygienisch verbraucht. Dann wird es Zeit für eine Neue”, sagt Stingel.