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Krefeld: Die meisten Psychopharmaka machen nicht abhängig

Krefeld : Die meisten Psychopharmaka machen nicht abhängig

Tabletten gegen Kopfschmerzen oder Bluthochdruck nehmen die meisten Menschen ohne große Bedenken ein. Bei seelischen Problemen gibt es dagegen weitaus größere Vorbehalte gegenüber einer medikamentösen Behandlung, etwa aus Furcht, die Psychopharmaka könnten abhängig machen oder die Persönlichkeit verändern.

„Das Thema Psychopharmaka ist mit großen Irrtümern und Vorurteilen verbunden”, beklagt Frank Bergmann vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte in Krefeld.

Zwar hätten beispielsweise bestimmte Tranquilizer tatsächlich ein hohes Abhängigkeitspotenzial. „Solche Medikamente werden heute aber nur noch sehr gezielt und zeitlich begrenzt verordnet”, betont Bergmann. Die meisten Psychopharmaka, darunter Antidepressiva und Neuroleptika, machten weder abhängig noch veränderten sie die Persönlichkeit. „Es ist vielmehr die Erkrankung, die die Persönlichkeit verändern kann, wenn sie nicht behandelt wird”, sagt Bergmann.

Der Mediziner wirbt für mehr Verständnis gegenüber Menschen mit einer seelischen Erkrankung. Depressionen etwa seien kein Zeichen von Schwäche oder Verrücktheit, sondern eine Erkrankung wie jede andere. Antidepressiva können den gestörten Neurotransmitter-Haushalt im Gehirn wieder in Ordnung bringen. Häufig empfiehlt sich eine Psychotherapie als Therapieergänzung.