Frankfurt/Main: Die meisten Herzkranken profitieren von Bewegung

Frankfurt/Main: Die meisten Herzkranken profitieren von Bewegung

Wer vor einigen Jahren unter verengten Herzgefäßen, Bluthochdruck oder einer allgemeinen Herzschwäche litt, bekam häufig zu hören, dass er „langsamer treten” müsse, erinnert sich Bernd Nowak, Beiratsmitglied der Deutschen Herzstiftung und Geschäftsführer des CCB Herzwerks in Frankfurt am Main.

„Heute wissen wir, dass in den allermeisten Fällen genau das Gegenteil zutrifft: Wer keinen Sport treibt, erhöht sein gesundheitliches Risiko, auch als Herzpatient.”

Wer dagegen mehrmals pro Woche 30 Minuten oder länger seine Ausdauer trainiert, tut damit mehr für seine Herzdurchblutung als manch ein Medikament, erklärt der Kardiologe. „Dazu kommt, dass die regelmäßige Bewegung hilft, Blutdruck und Gewicht zu senken.”

Vor allem ältere Menschen mit Herzproblemen geraten leicht in eine Negativspirale, erläutert Nowak: „Weil sie einen Schwächeanfall fürchten, vermeiden sie körperliche Anstrengungen. Das wiederum schwächt ihre Kondition, so dass sie sich schließlich schon vor dem Gehen, Heben oder Treppensteigen scheuen.”

Hier setzen Herzsportgruppen an, die in kleinen Schritten Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit trainieren und dabei auf die persönlichen Trainingsbedürfnisse der Sportler eingehen. Auch geht es darum, die Angst vor körperlichen Belastungen und die Furcht vor einer möglichen Herzattacke beim Sport abzubauen.

5000 solcher Gruppen gibt es laut Deutschem Olympischen Sportbund hierzulande. Oft sind sie an örtliche Sportvereine angeschlossen, aber auch an Fitnessstudios, Kliniken oder Arztpraxen.

Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie Ausdauer und Muskelkraft verbessern und die Körperwahrnehmung für die persönliche Belastungsgrenze schulen - je nach Vorliebe beim Radfahren, Laufen, Ballspielen, bei Gymnastik oder auch bei Workouts im Studio.

„Wichtig ist für die Teilnehmer, dass ein Mediziner dabei ist, der sie betreut und darauf achtet, dass sie zwar ins Schwitzen kommen, sich aber nicht übernehmen.” Nicht zuletzt ermöglichen solche Herzsportgruppen, die oft über mehrere Jahre hinweg bestehen, den Austausch mit anderen Herzpatienten.

Auch wenn Bewegung den meisten Herzpatienten gut tue, betont Nowak, dass es Ausnahmen gebe. „Wer gerade einen Herzinfarkt oder eine schwere Entzündung hinter sich hat oder an schweren Herzrhythmusstörungen leidet, sollte tatsächlich jede zusätzliche Anstrengung vermeiden.” Um auf der sicheren Seite zu sein, rät er allen, die Herzsport betreiben möchten, sich zuvor vom Sportarzt untersuchen zu lassen.

Informationen rund um Herz und Herzsport bietet die Deutsche Herzstiftung unter herzstiftung.de. Adressen örtlicher Herzsportgruppen gibt es oft bei oft Arztpraxen und Sportvereinen, aber auch die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen bietet unter dgpr.de Hilfe bei der Suche nach einer nahe gelegenen Gruppe.

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