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Hamburg: Deutschlandweit erste Gallenblasenentfernung ohne Operationsnarben

Hamburg : Deutschlandweit erste Gallenblasenentfernung ohne Operationsnarben

Hamburger Ärzte haben erstmals in Deutschland eine Gallenblase entfernt, ohne sichtbare Operationsnarben zu hinterlassen. Die Gallenblase werde mit Instrumenten durch den Nabel der Patientin vom Körpergewebe abgetrennt und dann durch einen Schnitt in der Scheide herausgezogen, erläuterte der Direktor der Chirurgischen Klinik des Israelitischen Krankenhauses, Prof. Carsten Zornig, am Montag.

Andere Mediziner sehen das Verfahren kritisch und verweisen etwa auf das höhere Infektionsrisiko. „Die Außenhaut lässt sich sicherer desinfizieren als das Scheidengewölbe”, sagte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, Prof. Hartwig Bauer.

Das Risiko einer Bauchfellentzündung könne bei einem Schnitt durch das hintere Scheidengewölbe höher sein als bei einem Schnitt von außen in die Bauchdecke.

Zornig meint dagegen: „Infektionen kommen in der Scheidenwand praktisch nicht vor.” Das Hauptmotiv der neuen Operationsmethode sei die Kosmetik. „Die vorgestellte Technik ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu der idealen Operation. Auf jeden Fall haben wir ein ideales kosmetisches Ergebnis erreicht”, resümierte Zornig den Eingriff.

Der Chirurg Prof. Jakob Izbicki vom Universitätsklinikum Hamburg- Eppendorf, verwies dagegen auf den inneren Schnitt im Scheidengewölbe: „Es gibt keine narbenlose Chirurgie. Irgendwo sind immer Narben.” Zudem seien die äußeren Narben bei der derzeit üblichen Schlüsselloch-Chirurgie sehr klein: Es gebe nur einen Schnitt im Nabel sowie drei weitere von 5 bis 10 Millimetern Länge.

Auch Bauer meint: „In der gut erprobten Schlüssellochchirurgie entstehen außen kleine Schnitte, die man nahezu nicht sieht.” Gallenblasenentfernungen stellen mit jährlich 192 000 Operationen in Deutschland einen der häufigsten Eingriffe dar. Zwei Drittel der Patienten sind Frauen.

Derzeit erproben weltweit mehrere Ärzte, Organe durch Körperöffnungen zu entfernen und somit äußere Narben zu vermeiden. Dabei gelangen die Mediziner etwa über Mund und Magen, über den Dickdarm oder über die Scheide zur Bauchhöhle. Im indischen Hyderabad etwa seien bei Frauen durch die Scheide schon Blinddärme entfernt worden, sagte Bauer.

Die weltweit erste Gallenblasenoperation durch die Scheide erfolgte laut Bauer im Frühjahr dieses Jahres an der Universitätsklinik Straßburg durch Prof. Jacques Marescaux. Die Operation über natürliche Körperöffnungen nennen die Medizier NOTES (Natural Orifice Transluminal Endoscopic Surgery).

In jedem Fall seien die Langzeitfolgen der Methode noch unbekannt. „Der Nutzen beziehungsweise ein Vorteil für den Patienten ist im Vergleich zur Schlüssellochchirurgie noch überhaupt nicht absehbar”. sagte Bauer. „Das ganze ist bisher eine experimentelle Therapie. Ich glaube, es muss aber einzelne Zentren geben, die so etwas sorgfältig ausprobieren und weiterentwickeln, denn der Fortschritt ist immer zunächst über Außenseitermethoden entstanden”, betont Bauer.

Die Methode, über Körperöffnungen zu operieren, sei sicher eine gute Idee, der Nutzen im Vergleich zur Schlüssellochchirurgie müsse aber noch bewiesen werden. „Es ist nicht die primäre Frage, was ist machbar, sondern, was nutzt dem Patienten.”