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Denksport unter freiem Himmel: „Brainwalking”

Denksport unter freiem Himmel: „Brainwalking”

Essen. Ein Spaziergang im Wald ist ein Fest für die Sinne. Die Nase erschnuppert den Duft frischen Tannenharzes, die Ohren bekommen ein Zwitscherkonzert zu hören, und die Augen freuen sich über die Spiele von Licht und Schatten im Blätterdickicht. Das tut der Seele gut - und auch dem Gehirn.

„Die Reizflut in der freien Natur spricht verschiedenste Bereiche des Gehirns an. Kombiniert man diese Aktivität mit Trainingsaufgaben für das Gedächtnis, wird die Hirnleistung optimal stimuliert und trainiert”, sagt Carsten Brandenberg, stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbands für Gedächtnistraining (BVGT).

Dieses ganzheitliche Gedächtnistraining, das als „Brainwalking” oder auch „Mentalwalking” bekannt ist, macht sich einen praktischen Mechanismus des menschlichen Körpers zunutze: „Wenn der Körper sich bewegt, funktioniert das Gehirn besonders gut. Durch die Aktivität wird es mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt und kann schneller und besser arbeiten”, erklärt Brandenberg. Die vielfältige Hirnaktivität führe dazu, dass sich neue Verknüpfungen zwischen den Gehirnzellen bilden. Die Kombination von körperlicher Aktivität und Gehirnsport sei daher besonders effektiv.

„Je nach Anspruch geht man einfach spazieren oder integriert die Aufgaben in einen sportlichen Lauf”, sagt Brandenberg. Während man so durch die Natur wandelt, stellt der Gedächtnistrainer den Teilnehmern verschieden Aufgaben. „Das können Rechenaufgaben sein, Buchstabierspiele, Knobeleien oder Ähnliches”, sagt der Fachtherapeut für Hirnleistungstraining an der Memory Clinic Essen.

Der Bezug zur Umgebung steht dabei immer im Vordergrund. „Sieht man beispielsweise ein Eichhörnchen, werden die Teilnehmer gebeten, das Wort Eichhörnchen rückwärts zu buchstabieren”, erläutert Brandenberg. Die Teilnehmerzahl eines solchen Ausflugs sollte zwölf Personen nicht überschreiten. Als Einstieg sei es sinnvoll, wöchentlich an einer der Sinnesreisen teilzunehmen.

Der aktive Denksport wird in verschiedenen Städten von ausgebildeten Gedächtnistrainern angeboten. Im Wildpark Gersfeld/Rhön bei Fulda wird außerdem ein „Memo-Fun-Sports-Parcours” angeboten, der dem gemischten Konzept folgt. Die Verbindung von Bewegung in der freien Natur und Gedächtnistraining kann man aber auch auf eigene Faust ausprobieren. „Ein Spaziergang im Wald, bei dem man Vokabeln einer Fremdsprache lernt, bietet sich dafür beispielsweise an”, sagt Brandenberg.

Das Haus sollte man für das ganzheitliche Gedächtnistraining aber schon verlassen. „Die ständig wechselnden Sinneseindrücke in der Natur intensivieren die Erfahrung. Auf dem Hometrainer im Hobbykeller wird das Gehirn zwar angekurbelt, aber es wird ihm schnell langweilig”, erläutert der Experte. Durch die Begleitung eines geschulten Trainers könne man zudem noch breiter und intensiver üben. „Außerdem ist die Kommunikation in der Gruppe ein weiterer sinnvoller Reiz für die Gehirnzellen”, sagt Brandenberg.