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Berlin: Das Cochlea-Implantat: Hören, ohne hören zu können

Berlin : Das Cochlea-Implantat: Hören, ohne hören zu können

Gwendolin kann nicht hören. Eigentlich. Schon seit ihrer Geburt ist sie taub. Trotzdem kann man sich mit der 18-Jährigen normal unterhalten. Das macht ein besonderes Gerät möglich. Es übernimmt die Arbeit von Gwendolins Ohren.

Das wundersame Ding nennt sich Cochlea-Implantat, oder abgekürzt CI. Cochlea heißt die Hörschnecke in unserem Innenohr. Ist die Hörschnecke kaputt, übernimmt das Cochlea Implantat deren Aufgaben beim Hören.

„Wenn ich Leuten sage, dass ich eigentlich taub bin, können die das meistens gar nicht verstehen”, erzählt Gwendolin. Dann muss das Mädchen erklären, warum es gehörlos ist - aber trotzdem hören kann. „Ich höre nicht mit meinen Ohren, sondern mit meinem CI”, sagt Gwendolin dann.

Und das funktioniert so: Sie trägt ein Teil hinter ihrer Ohrmuschel, das so ähnlich aussieht wie ein Hörgerät. „Es nimmt Geräusche auf, verarbeitet sie und schickt sie dann als elektrisches Signal über ein Kabel an die Sendespule.” Gwendolin tippt ein Plättchen hinter ihrem Ohr an: die Spule. Das Plättchen ist etwas größer als eine Zwei-Euro-Münze. Die Spule haftet mithilfe eines Magneten am Kopf des Mädchens.

Unter der Haut, an Gwendolins Schädelknochen geht das Gerät noch weiter. Das ist der Grund, warum es Implantat heißt: Implantate stecken immer im Körper. Unter Gwendolins pink gefärbten Haaren kann man davon nichts sehen. Doch als sie klein war, hat man ihr Empfänger hinter ihre Ohren eingebaut: jeweils einen Magneten mit einer Art Antenne dran. „Die regen die Hörnerven in der Hörschnecke an. Und von dort aus den Bereich meines Gehirns, der für das Hören zuständig ist.”

Was Gwendolin also hört, ist nicht der Schall eines Geräuschs, so wie wir ihn kennen. Sie hört vielmehr ein elektrisch verarbeitetes Signal des Schalls. So wie wir Geräusche aus einem Handy oder Radio hören. Die Töne müssen sich dabei ein bisschen quietschig und blechern anhören. Doch Gwendolins Gehirn hat längst gelernt, diese Signale als Geräusche wahrzunehmen. „Für mich klingen die Töne ganz normal.”

Will Gwendolin mal Ruhe, hat sie einen Trick: „Dann nehme ich meine Ohren einfach ab”, sagt sie. „Ohne die kann ich nachts immer super schlafen. Und am nächsten Morgen kommen die Ohren dann einfach wieder dran.”

(dpa)