Ansteckung und Vorbeugung : Was tue ich bei Verdacht auf eine Corona-Infektion?

Auch in Deutschland steigt die Zahl der bekannten Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus. Und es wird sich weiter ausbreiten, meint ein Experte. Vielen macht das Sorgen – nicht immer begründet.

Der neuartige Coronavirus Sars-Cov-2 verbreitet sich in Deutschland, Europa und der Welt. Vielen Menschen macht das Sorgen, doch Experten und Politiker raten immer wieder: keine Panik. Was man zum Sars-CoV-2-Virus und der von ihm ausgelösten Krankheit Covid-19 wissen muss, wie man sich schützt und wer die Risikogruppen sind.

Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

Kratzen im Hals, Schnupfen, Fieber. Wo man normalerweise glaubt, eine Erkältung zu haben, kommt bei vielen nun die Sorge: Ist vielleicht der neuartige Coronavirus die Ursache?

Selbst wenn, dann ist das kein Grund zu übermäßiger Sorge. „Die Wahrscheinlichkeit, dass es bei solchen Symptomen schwere Verläufe gibt, ist ganz klein“, sagt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. „Das ist ja anders, als wenn man keine Luft kriegt. Da steht es ja außer Frage, dass man sich in medizinische Betreuung begibt.“

„Wir haben am Wochenende wieder viele Tests gehabt“, sagt Witzke. „Da waren immer noch viele Menschen, die Grippe und Ähnliches hatten - und einen positiven Nachweis von Covid-19“, erklärt er die Situation in seiner Essener Klinik. Es sei natürlich eine Realität geworden, die Zahlen der Infektionen stiegen von Tag zu Tag. „Ich rechne damit, dass es weiter neue Patienten gibt und das es sich ausbreiten wird, auch bei uns in Deutschland.“

Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung schätzt das Robert-Koch-Institut (RKI) in Deutschland inzwischen als mäßig ein. Zuvor war sie als gering bis mäßig eingestuft worden.

Ein Großteil der berichteten Covid-19-Erkrankungsfälle verliefen laut der Website Infektionsschutz.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) mild. Teils könne Covid-19 aber schwerere Krankheitsverläufe haben – das ist laut RKI bei etwa 15 von 100 Infizierten der Fall. Vereinzelt verläuft sie auch tödlich. In Deutschland gab es bislang keinen bestätigten Todesfall durch Covid-19.

Was mache ich bei einem Verdacht auf Ansteckung?

Zunächst gilt: Wer Kontakt zu Infizierten hatte, sollte sich unabhängig vom Auftreten von Symptomen bei seinem Gesundheitsamt melden. Gleiches gilt für Reisende aus Risikogebieten, bei denen Symptome auftreten. Das RKI bietet online eine Postleitzahlsuche an, um das zuständige Gesundheitsamt zu finden.

Alle anderen wenden sich bei verdächtigen Symptomen an das Amt oder den Hausarzt, der bei Verdacht auf Infektion mit dem Sars-CoV-2-Virus eine Laboruntersuchung veranlassen kann. Krankenkassen übernehmen dann die Kosten dafür. Betroffene sollten vor dem Gang in die Praxis unbedingt dort anrufen – um nicht noch schlimmstenfalls andere anzustecken.

Wie beugt man einer Ansteckung vor?

Es gilt wie etwa bei der Influenza: Regelmäßig 20 bis 30 Sekunden Händewaschen, unter anderem wenn man nach Hause kommt oder nach dem Toilettengang, und ein bis zwei Meter Abstand zu Erkrankten halten.

Handhygiene sei nie schlecht und werde vielleicht auch verhindern, dass andere Infektionen eine Rolle spielen, ordnet Mediziner Witzke ein. Im Wesentlichen werde das neue Coronavirus allerdings über die Atemluft übertragen. „Und die Empfehlungen, dass man anderthalb bis zwei Meter Abstand zum Nachbarn halten soll, kann man in einer überfüllten U-Bahn oder einem ICE nicht einhalten.“

Er rät, sich zu überlegen, auf welche Veranstaltungen man geht oder welche Wege man geht. Beispielsweise, ob man auf Arbeit präsent sein muss oder etwa von daheim arbeiten kann?

Beim Thema Atemmasken gilt: Wer eine Atemwegserkrankung hat, kann dadurch das Risiko verringern, andere Menschen anzustecken, erklärt die BZgA. Dass die Masken gesunde Menschen vor einer Ansteckung schützen, sei hingegen nicht hinreichend belegt.

Was ist mit Impfungen?

Zum Schutz gegen den neuen Coronavirus gibt es bislang keinen Impfstoff. Und es ist laut RKI auch noch nicht absehbar, wann es einen geben wird.

Vor allem älteren und chronisch kranken Menschen raten Experten jedoch, den Impfstatus zu prüfen und sich gegebenenfalls impfen zu lassen – gegen Keuchhusten, Pneumokokken sowie die reguläre Grippe. Die Impfungen schützen nicht gegen Covid-19, dafür allerdings gegen andere Lungeninfektionen. Und damit vor einen möglicherweise schweren Verlauf der Covid-19-Erkrankung. Denn ist die Lunge bereits erkrankt, erschwert das die Behandlung der neuen Lungenkrankheit.

Wer sind die Risikogruppen?

Allgemein nennt das RKI ältere und chronisch kranke Menschen als Risikogruppen. Konkrete Grunderkrankungen zählt es bisher nicht auf.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Covid-19-Ausbruch in China, wo es mit Abstand die meisten Infizierten und Todesfälle gibt, untersucht. Laut dem vergangene Woche veröffentlichten Bericht, der sich aber nur auf Daten aus China stützt, haben Menschen über 60 Jahre und/oder mit Grunderkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Herzkreislauferkrankungen, chronischen Atemwegserkrankungen und Krebs das höchste Risiko für schwere oder tödliche Verläufe.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) empfiehlt Menschen mit Diabetes eine stabile Blutzuckereinstellung. So werde das Risiko einer Infektion minimiert. Weil die Covid-19-Erkrankung meist mild verlaufe, sehe man bislang für Menschen mit Diabetes aber nicht mehr Gefahr als durch einen herkömmlichen Grippevirus.

Wer hingegen diabetische Begleit- und Folgeerkrankungen wie Organschäden oder Herz-Kreislauf-Probleme hat, sollte aus Sicht der DDG achtsam sein. Hier bestehe im Fall einer Ansteckung ein höheres Risiko für einen schwereren Krankheitsverlauf. Das gelte vor allem für Menschen, die eine Organtransplantation mit immunsuppressiver Therapie hinter sich haben. Ihnen rät die DDG, sich von Orten mit hoher Ansteckungsgefahr fernzuhalten, zum Beispiel vor großen Menschenansammlungen und auch öffentlichen Verkehrsmitteln.

Viele Eltern sorgen sich indes um die Gesundheit ihrer Kinder. Sie sind zumindest laut dem WHO-Bericht aus China bislang eher selten betroffen. Jüngere Menschen unter 19 Jahre machten demnach nur einen Bruchteil der dort erfassten Fälle aus (2,4 Prozent). Und bei dieser Gruppe verlief die Krankheit in der Regel mild. Weniger als drei Prozent von ihnen erkrankten nach aktuellem Kenntnisstand schwer bis kritisch.

(dpa)