1. Leben
  2. Gesundheit

Chicago: Chronischer Bewegungsdrang in den Beinen ist erblich

Chicago : Chronischer Bewegungsdrang in den Beinen ist erblich

Das sogenannte Restless-Legs-Syndrom mit dem chronischen Bewegungsdrang in den Beinen ist eine Erbkrankheit: Verwandte von Patienten besitzen ein erhöhtes Risiko, ebenfalls an der Nervenstörung zu erkranken.

Dies hat ein US-Forscherteam in einer Studie mit 671 Personen festgestellt. Allein in Deutschland leiden bis zu zehn Prozent der Bevölkerung an dem nur schwer oder gar nicht zu unterdrückenden Bewegungsdrang in den Beinen. Die chronische Störung gilt auch als eine der häufigsten Ursachen für Schlafstörungen. Ihre Studie stellen die Wissenschaftler um Lan Xiong vom University of Montreal Hospital Centre im Fachmagazin „Archives of Neurology” vor (Bd. 67, Nr. 5, S. 617).

Die neurologische Erkrankung des Restless Legs Syndrom führt bei Patienten zu einem unangenehmen Gefühl in den Beinen beim Setzen oder Hinlegen, das sich abends und nachts verschlimmert - und nachlässt, wenn der Erkrankte aufsteht und herumgeht. Dieser unbändige Bewegungsdrang hindert die Patienten oftmals daran, ein- und durchzuschlafen. Folgen sind chronische Müdigkeit, Erschöpfung, Leistungsabfall und - im schlimmsten Fall - Depressionen.

Die Behandlung der Krankheit zielt daher primär auf die Linderung der Schlafbeschwerden ab. Symptome treten meist vor dem dreißigsten Lebensjahr auf, verschlimmern sich aber mit zunehmendem Alter. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Oftmals lassen sich keine direkten Ursachen für die Entstehung der Beschwerden feststellen. Sicher ist, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen, schreiben die Wissenschaftler.

Nach der Untersuchung der 671 Personen steht für Lan Xiong und seine Kollegen fest, dass das Syndrom der unruhigen Beine eine der wenigen neurologischen Erkrankungen ist, die gehäuft innerhalb von Familien auftritt: Bei 77 Prozent der Probanden waren auch Familienmitglieder von der Krankheit betroffen. Besonders Geschwister von Leidtragenden haben ein mehr als drei Mal höheres Risiko zu erkranken.

Kinder, deren Eltern am Restless-Legs-Syndrom leiden, sind einem doppelt so hohen Erkrankungsrisiko ausgesetzt. „Die von uns untersuchten Personen erkrankten im Schnitt im Alter von 28 Jahren”, berichtet Xiong. Einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Krankheit unter Frauen und vorherigen Schwangerschaften konnten die Forscher ebenfalls feststellen. Ebenso könnten Eisenmangel und eine Vorerkrankung mit Arthritis eine Rolle bei der Entstehung führen.

Nach Ansicht der Wissenschaftler ist eine Kombination von genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen für das mit auffallender Häufigkeit innerhalb von Familien auftretende Syndrom der unruhigen Beine verantwortlich. Eine groß und langfristig angelegte Studie soll nun besonderes Augenmerk auf umweltbedingte Risikofaktoren legen. Das könnte eine genauere Darstellung und Bewertung der Krankheit erlauben, sagt Xiong.