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Chicago: Chemotherapie hinterlässt Spuren im Gehirn

Chicago : Chemotherapie hinterlässt Spuren im Gehirn

Eine Chemotherapie gegen Krebs kann sich auf das Gehirn und die geistigen Fähigkeiten auswirken. Eine Erklärung dafür, warum einige Patienten nach der Behandlung über Konzentrationsschwächen und Gedächtnisstörungen klagen, haben jetzt US-amerikanische Forscher gefunden. Wie sie feststellten, beeinträchtigen die aggressiven Mittel den Hirnstoffwechsel.

Die Aktivität von Hirnarealen, die für die Planung und für das Setzen von Prioritäten zuständig sind, sei auch nach Ende der Chemotherapie noch verringert. Das belege, dass die häufig auch als „Chemo-Brain” bezeichneten Störungen mehr seien als nur ein subjektives Gefühl oder eine Depression, berichten die Wissenschaftler am Dienstag auf der Jahrestagung der Radiological Society of North America (RSNA) in Chicago. Die durch die Chemotherapie ausgelösten funktionellen Veränderungen im Gehirn seien klar in Hirnscans nachweisbar.

„Das Chemo-Brain-Phänomen wird von den Patienten oft als mentaler Nebel beschrieben”, erklärt Studienleiterin Rachel A. Lagos von der West Virginia University in Morgantown. Patienten klagten nach einer Chemotherapie häufig über Probleme, den Alltag zu bewältigen. Die Ursache dafür sei aber bisher unklar gewesen.

Hirnscans vor und nach der Chemotherapie

Für ihre Studie untersuchten Lagos und ihre Kollegen die Hirnfunktion von 128 Brustkrebs-Patientinnen vor und nach deren Chemotherapie. Sie nutzten dafür die sogenannte Positronen-Emissions-Tomographie (PET), ein Verfahren, mit dem sich die Durchblutung und damit die Aktivität der verschiedenen Hirnbereiche abbilden lässt. Mit Hilfe einer speziellen Software suchten die Forscher in den Aufnahmen nach Unterschieden im Hirnstoffwechsel.

„Als wir uns die Ergebnisse anschauten, waren wir überrascht, wie offensichtlich die Veränderungen waren”, erklärt Lagos. Die PET-Aufnahmen nach der Chemotherapie hätten für mehrere Gehirnregionen eine signifikant niedrigere Stoffwechselaktivität gezeigt als vorher. Dieser Effekt sei umso stärker gewesen, je mehr die Patientinnen unter mentalen Störungen litten. „Die Auswertung ergab, dass es spezifische Areale im Gehirn gibt, die nach der Chemotherapie weniger Energie verbrauchen als vorher”, sagt Lagos. Die beeinträchtigten Hirnareale seien diejenigen, die für die Planung von Handlungen und für die Einordnung und Bewertung von Informationen und Reizen zuständig seien.

Nach Ansicht der Forscher könnte das Wissen um diese neurophysiologischen Folgen der Chemotherapie die Diagnose dieses Effekts künftig erleichtern. Durch weitere Studien lasse sich möglicherweise zudem die Ursache für den Chemo-Brain genauer eingrenzen. „Das könnte auch zu einer verbesserten Behandlung oder einer Vorbeugung führen”, sagt Lagos.

(dapd)