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Bonn/Hamburg: Bräunen im Solarium kein Schutz vor Sonnenbrand

Bonn/Hamburg : Bräunen im Solarium kein Schutz vor Sonnenbrand

Rund 14 Millionen Solariumnutzer zwischen 18 und 45 Jahren in Deutschland setzen sich laut einer Studie zum Teil erheblichen Gesundheitsrisiken aus. Die Bundesbürger sind nach Einschätzung der Deutschen Krebshilfe „Europameister im künstlichen Sonnenbaden” - unter dem Motto „Was kümmern mich Haut und Falten, heute will ich schön und braun sein”.

Bereits Zwölfjährige, vor allem Mädchen, bräunten ihre Haut in Solarien, sagte Krebshilfe-Hauptgeschäftsführer Gerd Nettekoven am Mittwoch in Berlin. „Kinder und Jugendliche sind jedoch besonders anfällig für die negativen Wirkungen der UV-Strahlung auf die Hautzellen”, erläuterte er. Laut der Umfrage hat jeder vierte Sonnenstudio-Nutzer bereits im Alter von 10 bis 17 Jahren mit dem künstlichen Bräunen begonnen.

Die meisten der bundesweit mehr als 5000 Sonnenstudios wiesen trotz zahlreicher Appelle immer noch erhebliche Defizite auf, sagte Nettekoven. In zwei von drei Solarien werde nicht über die Gesundheitsrisiken der UV-Strahlung aufgeklärt, in mehr als jedem zweiten Studio erfolge kein Hinweis auf notwendige Schutzbrillen, bei fast ebenso vielen keine Beratung zum Hauttyp. Das geht aus der in Berlin vorgestellten Umfrage der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) hervor. „Auch fünf Jahre nach der freiwilligen Vereinbarung mit Vertretern der Solarienindustrie werden die Mindeststandards in den meisten Sonnenstudios immer noch nicht erfüllt”, kritisierte der Generalsekretär der europäischen Gesellschaft zur Prävention von Hautkrebs, Rüdiger Greinert. Es sei kein Umdenken in den Sonnenstudios festzustellen.

Da aus medizinischer Sicht die UV-Strahlung ein großes Problem darstelle, „können wir uns heute schon ausrechnen, wie die Zahl der Hautkrebsfälle in den nächsten Jahren zunehmen wird”, sagte der zweite ADP-Vorsitzende Eckhard Breitbart. Wer vor dem 35. Lebensjahr Solarien besuche, verdopple nahezu sein Risiko, später am gefährlichen Schwarzen Hautkrebs zu erkranken. Vor diesem Hintergrund fordert der Krebshilfe-Hauptgeschäftsführer gesetzliche Regelungen für ein Nutzungsverbot von Solarien für unter 18-Jährige. Kontrollen des Bundesamtes für Strahlenschutz in den vergangenen Monaten hätten belegt, dass die freiwilligen Vereinbarungen mit der Branche nicht eingehalten werden. Der Geschäftsführer des Bundesfachverbandes Sonnen-Lichtsysteme (SLS), Jürgen Bock, sieht in den im vergangenen Jahr eingeführten zertifizierten Solarien einen ersten Erfolg. Bislang hätten 800 der insgesamt 5600 Studios dieses Qualitätssiegel.

„Dort können sich die Kunden sicher fühlen, denn wer die Kriterien nicht erfüllt, fliegt raus”, sagte Bock. Jedoch stellte das BfS bei einer Untersuchung von 100 dieser Sonnenstudios Mängel in der Kundenberatung, der Aufstellung eines detaillierten Besonnungsplans sowie der Einhaltung der vorgeschriebenen Erstbestrahlungsdosis fest. „Dies werden wir jetzt überprüfen”, kündigte Bock an. Angesichts dieser Ergebnisse plädieren Experten für geplante gesetzliche Regelungen für den Solarienbetrieb.

So wird im Rahmen eines Umweltgesetzbuches ein generelles Solarienverbot für Kinder und Jugendliche vorbereitet. Die übergroße Mehrheit der Sonnenbank-Nutzer kennt zwar der Umfrage zufolge die Risiken. Jedoch gaben 62 Prozent der befragten 500 Männer und Frauen an, ihre Attraktivität steigern zu wollen. Für ebenso viele gehört das Bräunen zum Wohlbefinden (61 Prozent), aber es dient auch der Entspannung (52 Prozent). Frauen gehen dabei mit 59 Prozent häufiger in Solarien als Männer (35 Prozent).