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Besser behandeln: Die Zufriedenheit beim Arztbesuch nimmt ab

Besser behandeln : Die Zufriedenheit beim Arztbesuch nimmt ab

Das deutsche Gesundheitssystem gilt weltweit als Vorreiter für eine flächendeckende, gute Absicherung der Menschen im Krankheitsfall. Doch in der Bevölkerung steigt die Unzufriedenheit mit der ärztlichen Betreuung. Wie können Mediziner gegensteuern?

Das sogenannte Healthcare-Barometer wird regelmäßig von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC veröffentlicht – mit Zahlen, die Mediziner nachdenklich stimmen. Laut der aktuellen Erhebung halten nur noch 52 Prozent der Deutschen das Gesundheitssystem im Land für eines drei besten der Welt. Besonders brisant: Diese Werte verschlechtern sich seit Jahren kontinuierlich. Doch woran liegt dieser Imageverlust und wie können Ärzte ihn stoppen?

Einer der Hauptgründe liegt sicher in den langen Wartezeiten beim Arzt, so berichtete die Ärztezeitung. Demnach verbringt jeder dritte Patient 30 Minuten im Wartezimmer, bevor er den Arzt konsultieren kann. Ein effektives Terminmanagement kann Medizinern dabei helfen, diesen Punkt deutlich zu verbessern. Dafür sind Tools wie einen Onlineterminkalender eine wertvolle Hilfe.

Mit ihnen lässt sich nicht nur das Wartezimmer in Echtzeit verwalten – man bekommt auch einen guten Überblick über die Auslastungszeiten und kann dementsprechend Termine anders legen. Als besonderen Service für die Patienten lassen sich Verzögerungen oder Ausfälle vorab per SMS kommunizieren. Deutlich besser sieht die Situation aus, wenn man betrachtet, wie lange Patienten in Deutschland auf einen Termin beim Arzt warten müssen. Wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung KBV ermittelte, bekommen rund 30 Prozent der Patienten sofort einen Termin beim Arzt. Lediglich durchschnittlich 13 Prozent müssen drei Wochen oder sogar länger warten.

Ein anderer Kritikpunkt am deutschen Gesundheitswesen hängt unmittelbar mit dem Terminmanagement innerhalb der Praxis zusammen: Die Zeit für die Konsultation ist zu kurz. Nur siebeneinhalb Minuten verbringt ein Patient durchschnittlich im Behandlungszimmer. Auch die Öffnungszeiten der Arztpraxen sind Grund zur Unzufriedenheit.

Experten sehen vor allem im Bereich der E-Health Lösungsansätze, um die Patientenzufriedenheit zu steigern. Das ist auch deshalb sinnvoll, weil Arztzeit in Zukunft weiterhin knapp bemessen sein wird. Bundesweit gibt es große Unterschiede in der Versorgung mit Medizinern. Mehr und mehr Ärzte legen außerdem Wert auf ihre persönliche Work-Life-Balance und entscheiden sich deshalb beispielsweise für Teilzeit.

Unter dem Begriff E-Health für elektronische Gesundheit versteht man ein ganzes Bündel von Maßnahmen, dass von Forschung über Diagnostik bis zur digitalen Patientenversorgung reicht. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist hoch. Das Ärzteblatt veröffentlichte dazu eine Online-Befragung unter dem Titel „Digitalisierung im Gesundheitswesen“. Laut dieser plädierten beinahe drei Viertel der Befragten für einen Ausbau der Patientenberatung im Internet.

Die aktuelle Situation bringt es mit sich, dass die Digitalisierung in der Medizin schneller voranschreitet. Das gilt vor allem für die Videosprechstunde, die nicht nur lange Wartezeiten überflüssig macht, sondern auch Ansteckungsgefahren in der Arztpraxis minimiert. Ende 2017 boten lediglich 1,8 Prozent der Ärzte und Psychotherapeuten diese Form der Sprechstunde an, heute sind es bereits 52 Prozent.

Wie sehr Patienten von der digitalen Versorgung profitieren können, zeigte bereits vor zwei Jahren die Fachzeitschrift Medical Tribune am Beispiel von Patienten mit Herzinsuffizienz auf. Eine Studie, die von der Berliner Charité durchgeführt wurde, konnte aufzeigen, dass die Telemedizin-Patienten weniger Tage im Krankenhaus verbringen mussten. Auch die Lebenszeit verlängerte sich durch diese Form der Diagnostik und Behandlung.

Die Befürchtung mancher Mediziner, dass sie durch die Digitalisierung irgendwann quasi überflüssig werden könnten, scheint sich übrigens nicht zu bestätigen. Darauf deutet zumindest eine Umfrage zum Thema Gesundheits-Apps hin, die im vergangenen Jahr von der EBS-Business-School durchgeführt wurde. Klares Fazit dieser Studie: Der persönliche Kontakt zum Arzt ist nach wie vor wichtig.

Dementsprechend kann also eine Kombination aus digitaler Technik und persönlicher Ansprache ein Weg sein, die Arztpraxis effektiver und patientenfreundlicher zu machen. Darüber hinaus muss jedoch auch der internen Kommunikation ein hoher Stellenwert eingeräumt werden.

Wer als Mediziner sein Praxisteam kompetent und umfassend informiert, reduziert nicht nur Wartezeiten. Er wird auch mit motivierten Mitarbeitern belohnt, die selbständig denken und arbeiten. Delegieren ist dementsprechend das Zauberwort. Puls- und Blutdruckmessen, Blutzuckermessung und Blutabnahme werden heute vielfach bereits den Medizinischen Fachangestellten (MFA) anvertraut.

Doch auch die erste Patientenbefragung über den Gesundheitszustand kann – mithilfe von standardisierten Erfassungsbögen – von einer MFA durchgeführt werden, ebenso die Erfassung der bisherigen Medikation, Angewohnheiten wie Rauchen oder Alkoholkonsum oder des Impfstatus. Das setzt allerdings ein kompetentes und motiviertes Team voraus. Dieses wiederum ist auch in der Außenwirkung nicht zu unterschätzen. Denn es signalisiert dem Patienten, das hier souverän und kompetent gearbeitet wird.

(rd)