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Düsseldorf/Gronau: Banane statt Bratwurst: Auch beim Grillen ist Kreativität gefragt

Düsseldorf/Gronau : Banane statt Bratwurst: Auch beim Grillen ist Kreativität gefragt

Gutes Wetter und grillen - für die meisten Deutschen gehört beides untrennbar zusammen. Auf den ersten Blick scheint sich an dem sommerlichen Ritual seit Jahren nichts geändert zu haben: Am beliebtesten ist nach wie vor die Bratwurst, die 86 Prozent beim Grillen nicht missen möchten.

Auf Platz zwei liegt das marinierte Nackensteak vom Schwein, das 56 Prozent gerne essen, dicht gefolgt vom Putensteak mit 55 Prozent.

Doch neben diesen Klassikern hat sich im Verborgenen eine Nischenkultur von kleinen Köstlichkeiten entwickelt: „Es gibt eine Riesenanzahl von Leuten, die mal Spaß an etwas anderem haben”, sagt Robert Meyer. Der Vize-Grillweltmeister von 2003 ist Vorsitzender der German Barbecue Association in Gronau, die vom 19. bis 20. Mai die 12. Deutsche Grillmeisterschaft ausrichtet.

Die einfachste Variante sei es, das Fleisch einfach anders zuzubereiten, beispielsweise auf Spießchen. Aufwändiger seien Kombinationen mit Gemüse - etwa Zucchinihälften, die mit Hackfleisch gefüllt werden. „Sie können aber auch Riesenchampignons ausnehmen, sie mit Flüssigkeit füllen und darin Würstchenstücke wie in einem Topf garen”, schlägt Meyer vor.

Fischliebhaber seien mit Lachsfilet gut bedient, als Beilagen eigneten sich dafür Blattspinat oder Knoblauchcreme. „Füllen und umhüllen”, nennt Meyer eine Maxime für ausgefallene Grillrezepte. „Und probieren Sie ruhig aus, mal eine Banane oder Ananas auf den Grill zu legen.”

Auch Ernährungswissenschaftler raten dazu, beim Grillen zu variieren. „Natürlich kann man auch mal ein Stück Nacken essen”, sagt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Bonn. Gesünder sei allerdings fettarmes Fleisch wie Pute, Hähnchen oder fettarme Schnitzel.

„Das nützt allerdings auch nichts, wenn dann eine dicke Mayonnaise dazu gegessen wird”, sagt Gahl. Sie empfiehlt als vegetarische Grillvariationen neben gefüllten Champignons auch Paprika und Tomaten-Mozzarella-Sticks.

Variieren lässt sich auch die Art des Grillens. Der Fachmann unterscheide grundsätzlich zwischen Smoken, Barbecue und Grillieren, erläutert Robert Meyer. Die Unterschiede lägen vor allem in der Temperatur: „Das Smoken geht bis zu 80 Grad”, sagt Meyer. Es sei vor allem in den USA beliebt: „Der Amerikaner verarbeitet das ganze Rind zu Steaks und legt alles auf den Smoker.” Befeuert wird er mit Buchenholz, das ganze wird dann bis zu 24 Stunden gegart. „Am Ende ist alles butterweich”, sagt Meyer. Allerdings schmecke das Fleisch dann eben auch sehr intensiv nach Rauch. Ein typisches Smoker-Gericht seien auch Spare-Ribs.

Beim Barbecue wird das Fleisch laut Meyer zwischen 80 und 160 Grad gegart - und zwar ebenfalls länger als auf dem herkömmlichen Grill. Je niedriger die Temperatur, desto saftiger bleibe das Fleisch, sagt der Experte. Um diesen Effekt zu erreichen, eigne sich beispielsweise auch ein Kugelgrill. Beim klassischen Grillen werde das Fleisch oft zu heiß: „Da haben Sie dann außen einen grauen Rand, und innen ist es noch blutig.”

Ein weiterer Fehler ist es, das Fett in die Glut tropfen zu lassen. „Dann können sich gesundheitsschädliche Stoffe wie das Krebs erregende Benzpyren bilden”, sagt Gahl. Deshalb sollte der Rost entweder mit Alufolie abgedeckt oder spezielle Alu-Grillschalen verwendet - oder gleich ein Elektro- oder Gasgrill benutzt werden. Auch das Grillen von gepökeltem Fleisch wie Bockwurst oder Kasseler sollte laut Gahl tabu sein, da sich sonst Nitrosamine bilden können, die ebenfalls als Krebs erregend gelten.

Die beste Ernährung nützt jedoch wenig, wenn es beim Grillen zu einem Unfall kommt - in Deutschland immerhin mehrere tausend Mal im Jahr. Jeder fünfte Grillunfall zieht dabei schwere Verbrennungen mit bleibenden Schäden nach sich, wie aus einer Studie der Medizinischen Hochschule Hannover hervorgeht.

„Verwenden Sie beim Anzünden niemals Brennspiritus, Benzin, Terpentin oder Petroleum”, warnt die Aktion Das Sichere Haus in Hamburg. Oft entstehe ein „verheerendes Flammeninferno”, wenn dem Grillmeister durch den Flammenrückschlag der Brennstoffbehälter aus der Hand gerissen wird.

Besser sind den Experten zufolge feste Anzündhilfen oder ein Blasebalg. Laut Robert Meyer wird das Entfachen des Feuers meist unterschätzt. „Nehmen Sie sich Zeit für den Anfang”, sagt der Experte. Auch sollte der Grill nicht zu voll geschüttet werden: Sonst dauere es zu lange bis das Feuer brennt - und der Grill wird auch meist zu heiß.