Düsseldorf/Nürnberg: Bach-Blüten versprechen Pflege für Haut und Seele

Düsseldorf/Nürnberg: Bach-Blüten versprechen Pflege für Haut und Seele

Die Haut gilt als Spiegel der Seele: Gerötete und entzündete Haut sei häufig ein Zeichen dafür, dass ein Mensch psychisch gestresst ist, sagt die Nürnberger Heilpraktikerin Zhanna Havlik. Und schwört wie einige ihrer Kolleginnen und Kollegen bei Hautproblemen auf die in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts entstandene sogenannte Bach-Blütentherapie.

Das nach dem britischen Arzt Edward Bach benannte alternativmedizinische Verfahren beruht auf der Annahme, dass hinter allen körperlichen Beschwerden seelische Gleichgewichtsstörungen stecken.

Blütenessenzen werden Seelenzuständen zugeordnet

Bach benannte insgesamt 38 „disharmonische Seelenzustände der menschlichen Natur” und ordnete ihnen bestimmte Blüten oder Pflanzenteile zu. Die legte er in Wasser oder kochte sie, um daraus die bis heute nach ihm benannten „Bach-Blüten-Essenzen” zu gewinnen, die dabei helfen sollen, den jeweiligen Seelenzustand zu kurieren.

So gebe es beispielsweise Blütentropfen gegen Überempfindlichkeit, Angst oder Niedergeschlagenheit, berichtet Heilpraktikerin Havlik. Sie könnten - eingenommen über den Mund oder eingerührt in eine Hautpflegecreme - manchen Patienten eine dauerhafte Linderung ihrer Hautprobleme verschaffen.

Einige Bach-Blüten-Präparate gelten als Arzneimittel und sind deshalb nur in der Apotheke erhältlich, wie Apothekerin Ursula Sellerberg vom Bundesverband Deutscher Apothekerverbände in Berlin erläutert. Zur Wirkkraft der Mittel könne sie nichts sagen, „denn es handelt sich nicht um pharmazeutisch wirksame Pflanzen, und mir sind auch keine wissenschaftlichen Studien darüber bekannt”. Allerdings sei es in der Tat so, dass die sogenannten Bach-Blüten-„Notfalltropfen” oder auch „Notfallbonbons” gegen seelische Anspannung in vielen Apotheken über den Ladentisch gingen.

Heilslehre statt Pflanzenkunde

Entgegen allen Hoffnungen, die zahlreiche Patienten und Naturheilkundler in die Bach-Blüten setzen, bewertet das Team des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) die Wirkung der Bach-Blütentherapie als „unklar”.

Weil Bach die Pflanzen nicht durch Experimente oder in Kräuterkundebüchern sondern intuitiv bei seinen Wanderungen in der Natur fand, „zählt die Bach-Blütentherapie auch nicht zur Pflanzenheilkunde und ist generell nicht als naturwissenschaftlich orientierte Heilslehre sondern vielmehr als Glaubenslehre zu verstehen, die quasireligiöse Züge trägt”, heißt es im „IGeL-Monitor” des MDS, der individuelle Gesundheitsleistungen prüft. Untersuchungen im Zusammenhang mit einer Bach-Blütentherapie seien deshalb auch keine regulären Krankenkassenleistungen.

Blütentherapie hat keine direkten Nebenwirkungen

„Nach den bisher vorliegenden Übersichtsarbeiten und Untersuchungen wirkt die Bach-Blütentherapie nicht besser als eine Scheinbehandlung”, berichtet auch Kai Helge Vogel, Referent für Gesundheit bei der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf: „Sie zeigt aber auch nicht mehr direkte Nebenwirkungen.” Schäden könnten nur entstehen, wenn sinnvolle und notwendige Behandlungen zugunsten der Bach-Blüten-Therapie unterblieben.

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