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Aachen: AZ-Forum zum „Krebs im Magen-Darm-Trakt”

Aachen : AZ-Forum zum „Krebs im Magen-Darm-Trakt”

Wer denkt schon darüber nach, wenn das Essen schmeckt, die Verdauung funktioniert und wir uns rundum wohl fühlen? Dann versorgt uns das Magen-Darm-System optimal mit allem, was nützt, und ist gleichzeitig dafür verantwortlich, dass Unnützes und Schädliches mit dem Gang zur Toilette den Körper wieder verlässt.

Treten Störungen auf, reagieren wir überaus empfindlich - da genügt ein Virus, um uns aus der Bahn zu werfen. Umso heftiger beeinträchtigen schwere Erkrankungen unser Leben: „Krebs im Magen-Darm-Trakt” lautet das Thema beim nächsten Forum Medizin von Aachener Zeitung und Universitätsklinikum Aachen am Dienstag, 8. Dezember, 18 Uhr (Einlass 17 Uhr) im Großen Hörsaal 3 (GH3) des Klinikums, Pauwelsstraße.

Entartete Zellen in Magen, Darm, Bauchspeicheldrüse und Leber können sich zu Tumoren entwickeln, die nicht unbedingt tödlich sein müssen. So gibt es gerade im Darm gute Chancen der Früherkennung. Eine Magenspiegelung gibt Aufschluss über unbestimmte Beschwerden. Generell gilt: Eine gesunde Lebensweise mit regelmäßiger Bewegung gehört zu den besten Wegen, Erkrankungen abzuwenden, aber auch, mit einer Krebserkrankung besser fertig zu werden.

Bewegung auch bei Krebs

„Forscher haben herausgefunden, dass im Muskel erzeugte Botenstoffe sogar das Immunsystem beeinflussen und uns dabei unterstützen, Entzündungen zu bewältigen”, weiß Sporttherapeut Josef Stepprath, Leiter des Activ Centrums Aachen/Wegberg. „Täglich 15 Minuten Herz-Kreislauf-Training bei einer Pulsfrequenz von 130 Schlägen pro Minute oder drei Mal in der Woche 30 Minuten Sport leisten Unterstützung.” So fördert speziell bei Magen-DarmKrebs Bewegung die Körperwahrnehmung, das Selbstwertgefühl und das Selbstvertrauen.

Gibt es deutliche Alarmzeichen für eine Erkrankung? Was passiert, wenn die Diagnose tatsächlich „Krebs” lautet? Beim Forum Medizin informieren diesmal neben Josef Stepprath Professor Dr. Dr. Volker Schumpelick, Direktor der Chirurgischen Klinik, Professor Dr. Ruth Knüchel-Clarke, Leiterin des Lehrstuhls für Pathologie, Dr. Jens Panse, Oberarzt der Klinik für Onkologie/Hämatologie (alle Universitätsklinikum) sowie Professor Dr. Markus Gatzen, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin (Marienhospital Aachen) und Professor Dr. Berthold Wein, Facharzt für Radiologie in Aachen.

Was vielen nicht bewusst ist: Der Magen-Darm-Trakt durchzieht den gesamten Körper und beginnt bereits in der Mundhöhle, setzt sich fort in der Speiseröhre, die zum Magen führt, und endet mit dem Darmausgang. Auf dieser Strecke werden dem Körper durch Verdauung der Nahrung lebenswichtige Nährstoffe zugeführt, wobei Leber, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse gleichfalls wichtige Aufgaben übernehmen, da sie bestimmte Sekrete produzieren und abgeben.

„Man darf nicht vergessen, dass auch Alkohol und Nikotin die Mundhöhle passieren”, betont Markus Gatzen. „Wenn Schluckstörungen auftreten, ist das bereits kein gutes Zeichen.” Selbst modernste Operationstechniken und gute intensivmedizinische Hilfen täuschen nicht darüber hinweg, dass hier ein Verlauf durchaus bösartig sein kann. „Sodbrennen schädigt die Speiseröhre, wenn es chronisch wird und die aggressive Magensäure aufsteigt”, betont der Internist. Die Kombination von Alkohol, Zigaretten und Süßigkeiten löst nicht selten fatale Reaktionen aus. Nikotin senkt die Schutzbarriere im Magen, der zudem durch Medikamente - besonders Schmerzmittel - belastet wird.

Schäden an der Schleimhaut

Gatzen: „Eine entzündete Schleimhaut formt sich um, das bleibt nicht ohne Folgen.” Erkrankungen in diesem Bereich nehmen deutlich zu, und häufig ist es mit einem der stark beworbenen Säureblocker nicht getan. Gatzens Eindruck: „Magenprobleme werden häufig auf die leichte Schulter genommen und sogar ohne Diagnostik therapiert, dabei ist eine Magenspiegelung, bei der man auch per Biopsie eine Gewebeprobe entnehmen kann, gar keine große Aktion.” Wo Magensäure blockiert wird, können zudem Bakterien einwandern und für Infektionen im Darm sorgen.

Allein beim Dickdarmkrebs verzeichnet die Statistik in Deutschland 60.000 Neuerkrankungen sowie 30.000 Todesfälle pro Jahr. „90 Prozent wären vermeidbar”, konstatiert Gatzen. Eine gute Diagnostik, die mit dem Ultraschall beginnt, ist auch hier der Ausgangspunkt: „Bei Magen und Darm ist die Endoskopie einsetzbar”, weiß Berthold Wein. „Mit radiologischen Methoden lässt sich die Ausdehnung eines Tumors feststellen. Die Computertomographie zeigt zum Beispiel Metastasen in der Leber an.”

Mit Hilfe der Schnittbildtechnik ist es dem Radiologen möglich, die Umgebung eines Organs zu erforschen, wobei im Bauchraum besonders die Beschaffenheit der Hauptschlagader interessiert. Sind hier die Untersuchungen abgeschlossen, bleibt dem Patienten häufig der Weg zum Chirurgen nicht erspart: „Viele kommen aus Angst allerdings sehr spät”, sagt Volker Schumpelick. „Da gibt es die Sorge, den Magen zu verlieren, aber auch die Furcht vor einem künstlichen Darmausgang, wobei dies aufgrund verfeinerter Techniken kaum noch nötig ist oder lediglich als Übergangshilfe dient.”

Die Erkrankungszahlen bei Magenkrebs gehen leicht zurück. „Wir essen besser, passen bei Grillfleisch auf und vermeiden Schimmelpilze”, erläutert Schumpelick. „Während der durch Hepatitis-B verursachte Leberkrebs als Primärkarzinom gleichfalls zurückgeht, nimmt in der Leber die Zahl der Metastasen durch Dickdarmkrebs zu.” Galt früher bei Alkoholmissbrauch die Leber als besonders gefährdetes Organ, ist es tatsächlich die Bauchspeicheldrüse, die betroffen sein kann. Wird in diesem Organ eine Krebserkrankung festgestellt, ist die Prognose häufig nicht gerade positiv.

Was lässt überhaupt eine Zelle zur Tumorzelle werden? „Die Krebshäufigkeit bei älteren Menschen beruht auf der Tatsache, dass ältere Zellen nicht mehr so gut in der Lage sind, einen Fehler in ihrer Struktur zu reparieren”, weiß Ruth Knüchel-Clarke. Hier gibt es zudem erbliche Tumorformen. „Im Zuge einer intensiven interdisziplinären Zusammenarbeit, bei der bereits vor der Operation Sicherheit über den bestehenden Tumor erreicht wird, lässt sich ein Eingriff besser planen.” Schon sehr kleine Gewebeproben, die per Endoskop gewonnen werden, geben der Pathologin dabei Hinweise zum Verhalten der Zellen, etwa zu ihren Wachstumsfaktoren. Handelt es sich tatsächlich um Krebs, tritt der Onkologe als wichtiger Partner an die Seite des Patienten, der seine Erkrankung zunächst mühsam realisieren muss.

Fragen sind erwünscht

„Jeder Mensch ist anders”, sagt Jens Panse. „Unsere Aufgabe besteht zwar darin, die fortführende Therapie zu organisieren, aber in erster Linie geht es uns um die Lebenssituation des Betroffenen und um seine Wünsche, die er offen äußern darf.” Als Vertreter eines Schnittstellenfachs übernehme der Onkologe eine sensible Managerfunktion.

Der Eintritt zum AZ-Forum Medizin ist frei, Fragen des Publikums sind erwünscht.