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Berlin/Köln: Ausgeprägte Rituale bei Kindern können auf Zwangsstörung deuten

Berlin/Köln : Ausgeprägte Rituale bei Kindern können auf Zwangsstörung deuten

Wiederholt ein Kind ständig gleiche Handlungen, kann das Experten zufolge auf eine Zwangsstörung hindeuten.

Abergläubisches Verhalten, der Glaube an Magie und Rituale seien während der Entwicklung eines Kindes bezogen auf alltägliche Situationen wie das Zubettgehen, das Essen oder das Ankleiden zwar nichts Ungewöhnliches. Kontrolliere das Kind aber Fenstern und Türen oder zähle es bestimmte Gegenstände und empfinde diese Handlungen selbst als unangenehm, liege vermutlich eine Störung vor, sagt Prof. Christoph Wewetzer von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) in Berlin.

Kinder und Jugendliche mit einer Zwangsstörung leiden häufig unter Zwangsgedanken. Die Betroffenen fürchten beispielsweise, dass sie sich beschmutzen oder ihren Eltern oder Geschwistern etwas zustößt. „Diese Ängste versuchen Kinder und Jugendliche durch zwanghaft wiederholte Rituale zu neutralisieren. Versucht das Kind, die Handlung zu unterlassen oder wird es daran gehindert, kommt es zu Angstzuständen”, sagt der Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie am Kinderkrankenhaus Riehl in Köln. Oft versuchten Kinder mit einer Zwangsstörung, ihre Familie in die Rituale einzubeziehen. Dabei könne es auch zu Aggressionen gegenüber Eltern und Geschwistern kommen.

Unbehandelt kann eine Zwangsstörung bis ins Erwachsenenalter bestehen. Daher ist es laut Wewetzer wichtig, möglichst früh mit einer Therapie zu beginnen. Eltern sollten einen Kinder- und Jugendpsychiater aufsuchen, wenn sie bei ihrem Kind auffälliges Wiederholen, Ordnen oder Kontrollieren bemerken. Etwa zwei Prozent aller Kinder und Jugendlichen sind laut DGKJP von einer Zwangsstörung betroffen. Das Durchschnittsalter bei Erkrankungsbeginn liegt bei 10 bis 13 Jahren.