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Berlin: Arbeitgeber helfen bei der Rückkehr nach langer Krankheit

Berlin : Arbeitgeber helfen bei der Rückkehr nach langer Krankheit

Egal ob ein Mitarbeiter sein Rückenleiden auskurieren musste oder eine Krebs-Erkrankung hinter sich hat: Wer nach monatelanger Krankheit an den Arbeitsplatz zurückkehrt, kann nicht einfach da wieder anfangen, wo er vor der Krankheit aufgehört hat. Daher gibt es inzwischen spezielle Programme zur Wiedereingliederung: Der Mitarbeiter wird schrittweise wieder an die Arbeit herangeführt und hat dabei Anspruch auf Hilfe.

Seit 2004 sind Unternehmen dazu verpflichtet, ein betriebliches Eingliederungsmanagement einzurichten und damit ihren Mitarbeitern den Wiedereinstieg zu erleichtern. „Nach sechs Wochen Krankheit wird der betroffene Mitarbeiter angeschrieben und bekommt eine Eingliederung angeboten”, erklärt Gustav Pruß, Geschäftsführer des Vereins der zertifizierten Disability-Manager (VDiMA) in Berlin. Disability-Manager sind vor allem in Großbetrieben für die Koordinierung der Wiedereingliederung zuständig. In kleineren Firmen werden sie bei Bedarf angefordert. Seit Einführung des Gesetzes zur Wiedereingliederung wurden bereits 700 Disability-Manager ausgebildet.

Das Angebot zur Wiedereingliederung muss der erkrankte Mitarbeiter nicht annehmen, wie Experte Pruß erklärt. Schließlich enthalte es auch sein Einverständnis, dass eine Eingliederungskommission über die Krankengeschichte informiert wird. Einer solchen Kommission gehören in der Regel ein Mitglied des Betriebsrates, ein Mitarbeiter der Personalabteilung sowie der Wiedereingliederungs-Experte des Betriebs an.

Die Vorteile einer Eingliederungsvereinbarung überwiegen nach Ansicht von Pruß deutlich: „Der Mitarbeiter bekommt wieder eine berufliche Perspektive und die Chance, in seinen Job zurückzukehren.” Auch für den Arbeitgeber hat eine Wiedereingliederung Vorteile: „Er kann relativ schnell wieder über die Arbeitskraft des Mitarbeiters verfügen und spart daher eine Menge Geld.”

Was genau zu tun ist, um einen Mitarbeiter wieder fit für den Job zu machen, hängt vom Einzelfall ab, wie Renate Thiemann, Sprecherin der Deutschen Rentenversicherung Bund in Berlin, erläutert: „Das kann ein besonderer Bürostuhl sein, der Rückenleiden verhindert, oder auch eine sehbehindertengerechte Ausstattung des Bildschirmarbeitsplatzes.”

Die Rentenversicherung gehört neben Krankenkassen, gesetzlicher Unfallversicherung und Integrationsämtern zu den sogenannten Rehabilitationsträgern, die die Wiedereingliederung finanzieren. Insgesamt werden laut Bundesarbeitsgemeinschaft der Rehabilitationsträger pro Jahr rund 25 Milliarden für Rehabilitation und Teilhabe ausgegeben. Hierunter fallen aber auch andere Leistungen wie etwa die Integration von Behinderten. Wie viel für die Wiedereingliederung von erkrankten Arbeitnehmern ausgegeben wird, erfasst die Statistik nicht.

Dieses finanzielle Engagement ist nicht ganz uneigennützig. Es geht den Kostenträgern auch darum, noch höhere Kosten in der Zukunft zu vermeiden: „Wir dürfen die Kosten nur übernehmen, wenn durch die Maßnahmen verhindert wird, dass ein Mitarbeiter aus dem Erwerbsleben ausscheidet beziehungsweise eine volle Wiedereingliederung in das Erwerbsleben ermöglicht wird”, erklärt Renate Thiemann.

Wenn der Mitarbeiter nicht mehr im angestammten Beruf arbeiten kann, sei auch die Finanzierung einer Weiterbildung möglich, erklärt Thiemann: „Eine Krankenschwester, die körperliche Tätigkeiten nicht mehr ausführen kann, könnte dann etwa zur Pflegedienstleiterin qualifiziert werden. Aber auch die Umschulung in einen ganz anderen Beruf kommt grundsätzlich in Frage.”

Disability-Manager haben dabei die Aufgabe, diesen Prozess zu steuern, erklärt Pruß. „Die Frage lautet immer: Wo können wir den Mitarbeiter einsetzen - mit seinen Einschränkungen, aber auch mit seiner beruflichen Qualifikation?” Wenn der Arbeitnehmer noch nicht in der Lage ist, in Vollzeit zu arbeiten, kommt auch ein stufenweiser Einstieg in den Job in Betracht. „Nach dem Hamburger Modell ist es möglich, dass der Arbeitnehmer zunächst nur einige Stunden arbeitet und dann schrittweise wieder zur vollen Arbeitszeit zurückkehrt”, erklärt Friedrich Mehrhoff, Experte für Wiedereingliederung bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung in Berlin.

Wie lange die Begleitung des Mitarbeiters dauert, ist ganz unterschiedlich, erklärt Mehrhoff. Die Wiedereingliederung könne wenige Wochen dauern, aber auch mehrere Monate. Wichtig sei dabei, dass der Mitarbeiter in dieser Zeit nicht nur medizinisch, sondern rundum betreut wird: „Ein Arbeitnehmer wird nicht nur deswegen wieder arbeitsfähig, weil die Wunde geschlossen ist.”


Wiedereingliederung für Krebs-Kranke

Vor allem bei krebskranken Arbeitnehmern ist ein professionelles Wiedereingliederungs-Management oft nötig. Nach Angaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) ist Krebs die dritthäufigste Ursache für Frühverrentungen. Dabei kann der Wiedereinstieg in das Arbeitsleben in diesem Fall besonders schwierig sein: Immerhin klagen laut DGUV mehr als 90 Prozent aller Patienten mit einer Tumorerkrankung über Müdigkeit und Erschöpfung, die sogenannte Fatigue. Hinzu kommen können erhöhte Infektanfälligkeit sowie Konzentrations- und Gedächtnisprobleme.