1. Leben
  2. Gesundheit

Berlin: Angst vor Eierstockkrebs: „Noch keine gute Vorsorge”

Berlin : Angst vor Eierstockkrebs: „Noch keine gute Vorsorge”

Die derzeitigen Vorsorgemöglichkeiten zum Schutz vor Eierstockkrebs sind nach Expertenauffassung noch sehr unzuverlässig. Das vorsorgliche Entfernen der Eierstöcke könne deshalb, wie im Fall von Angelina Jolie mit ihrem familiär erhöhten Erkrankungsrisiko, extrem sinnvoll sein, sagt der Berliner Gynäkologe Herbert Mecke.

Die 39-jährige Hollywood-Schauspielerin hat einen Gendefekt und ließ sich aus Angst vor Krebs und nach verdächtigen Blutwerten vorsorglich die Eierstöcke entfernen.

Mecke ist Experte für familiär bedingten Brust- und Eierstockkrebs am Berliner Vivantes Auguste Viktoria Klinikum, das in diesem Bereich eng mit der Charité kooperiert: „Wir empfehlen Risikopatientinnen einen solchen Eingriff nach dem 40. Geburtstag oder nach Abschluss der Familienplanung.”

Eierstockkrebs ist zwar deutlich seltener als Brustkrebs, bei einer Erkrankung gebe es aber besonders schlechte Prognosen, weil die Tumore oft erst im dritten oder vierten Stadium der Krankheit entdeckt werden. „Dann liegen die Fünf-Jahres-Überlebenschancen für die Patientinnen nur noch bei 30 beziehungsweise zehn Prozent”, sagt Mecke. Insgesamt hat eine Frau ein Risiko von 1,7 Prozent, Eierstockkrebs zu bekommen. Für Patientinnen mit mutiertem BRCA1- oder BRCA2-Gen liegt dieses Risiko jedoch bei 20 bis 50 Prozent. Auch die Gefahr für Brustkrebs schnellt für sie auf 50 bis 80 Prozent hoch. Durch die Entfernung von Brustdrüsen, Eierstöcken und Eileitern können die Erkrankungsrisiken zwar nicht komplett, aber deutlich verringert werden.

„Derzeit sind es in Deutschland noch nicht viele Frauen, die vorsorglich einen solchen Eingriff vornehmen lassen”, sagt Mecke. Wichtig sei jedoch eine rechtzeitige Aufklärung und das sorgfältige Überlegen, ob bei auffälliger Familiengeschichte ein Gentest gemacht werden soll, der Klarheit über die Genmutation bringt. „Es gibt auch ein Recht auf Nichtwissen. Mit dem möglichen Ergebnis muss man ja umgehen.” Schließlich könnten aber auch die eigenen Kinder in der Zukunft betroffen sein.

„Was die Vorsorge und das frühzeitige Erkennen eines Ovarialkarzinoms angeht, haben leider auch große Studien an bis zu 79 000 Patientinnen bislang keinen positiven Effekt zeigen können”, sagt Mecke. An den Berliner Kliniken läuft derzeit eine Studie, bei der neben dem gängigen Tumormarker auch weitere potenzielle Markerkandidaten getestet werden, die auf bösartige Veränderungen hinweisen könnten. Ein Ergebnis sei bislang aber noch nicht abzusehen, sagt Mecke.

(dpa)