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Frankfurt/Main/Dortmund: Am Arbeitsplatz Rückenschmerzen vermeiden

Frankfurt/Main/Dortmund : Am Arbeitsplatz Rückenschmerzen vermeiden

Der Rücken schmerzt, die Augen sind müde und die Füße taub - die Folgen einer falschen Büroausstattung spüren viele Menschen am ganzen Körper.

„Die vernünftige Aufstellung und Ausstattung des PC-Bildschirms und der Tastatur sind das A und O für ein gesundes Arbeiten”, sagt Armin Windel, Fachbereichsleiter Ergonomie bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in Dortmund. Viele Menschen wissen jedoch gar nicht, worauf sie achten müssen.

„Die Höhe des Monitors ist entscheidend”, sagt der Physiotherapeut Michael Lierke aus Schwalbach am Taunus. „Damit die Nackenmuskulatur entspannt ist, sollten die Augen 30 Grad abwärts gerichtet sein.” Auch ohne Winkelmesser findet jeder die beste Monitorhöhe, erklärt Lierke: „Gerade sitzen, Augen schließen, dann die Augen wieder öffnen - wo geht mein Blick hin? Dort sollte die Mitte des Monitors sein.”

Während der Bildschirm am Besten mindestens 50 Zentimeter vom Kopf entfernt steht, darf die Tastatur ruhig ganz nah an den Körper heran. „Je weiter man den Arm ausstrecken muss, desto runder wird der Rücken”, sagt Physiotherapeut Lierke.

Zwischen Ober- und Unterarm sollte beim Tippen ein rechter Winkel entstehen. Gelkissen vor Maus und Tastatur schonen übrigens nicht nur die Handgelenke, sondern auch den oberen Rücken: „Das Nicht-Auflegen der Handflächen führt zu den meisten Beschwerden im Schulter-Arm-Bereich”, sagt Martin Windel.

Nacken- und Schultermuskulatur sind schon für kleine Veränderungen auf dem Schreibtisch dankbar. Um Rücken, Hüfte und Beine zu schonen, muss dagegen oft mehr gemacht werden: Unter der Tischfläche sollten die Beine genug Freiraum haben und bloß nicht durch Schubladenelemente oder Ähnliches eingeengt werden.

„Die Sitztätigkeit ist ohnehin für den Menschen unnatürlich”, sagt Physiotherapeut Lierke. Mehr als 60 Prozent seiner Patienten klagen über Rückenschmerzen, die auf die Büroarbeit zurückzuführen sind.

„Der Sitzarbeitsplatz sollte möglichst dynamisch gestaltet sein, das ist meine wichtigste Empfehlung.” Spezielle Bürostühle lassen sich nicht nur in der Höhe und an der Lehne verstellen, sondern sind komplett dynamisch. „Die Sitzfläche passt sich den eigenen Bewegungen an.”

Mindestens 600 Euro kostet solch ein Stuhl. Wer sein altes Modell dynamischer gestalten will, kann ein sogenanntes Ballkissen auf die Sitzfläche legen. Das runde, flache Gummikissen verhilft dem Rücken zu einer geraderen Position. Ballkissen kosten 15 bis 20 Euro.

Nicht nur der Bürostuhl, auch der Schreibtisch sollte höhenverstellbar sein. Eine Spannbreite von 68 bis mindestens 76 Zentimetern Höhe muss ein guter Schreibtisch schon haben, sagen Ergonomie-Experten. Wer einen starren Tisch hat und deshalb den Bürostuhl so hoch einstellen muss, dass die Füße nicht mehr den Boden berühren, kann sich mit einer Fußstütze helfen.

Neben Schultern, Rücken und Beinen gilt es bei der Büroarbeit, die Augenmuskulatur zu schonen. Müde und überanstrengte Augen führen bei vielen Menschen zu Kopfschmerzen. Wer mit dem Rücken zum Fenster sitzt, sollte daher aufpassen, dass direktes Sonnenlicht oder Spiegelungen auf dem Monitor nicht stören.

Helfen können hier Jalousien oder Gardinen. Zudem muss der Bildschirm selbst „flimmerfrei” sein. „Sie haben ein Anrecht darauf, dass die auf dem Monitor dargestellten Zeichen scharf sind, verzerrungsfrei und dass sie sie gut lesen können”, sagt Armin Windel von der BAuA.

Alte Röhrenbildschirme lassen bei der Schärfe mit dem Alter nach, einige werden milchig oder gelbstichig. Der Arbeitgeber muss dann dafür sorgen, dass sie gegen bessere Geräte - wie beispielsweise einen TFT-Monitor - ausgetauscht werden. „Der Arbeitgeber hat für seine Angestellten eine Fürsorgepflicht”, sagt Peter Groll, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Frankfurt.

Wenn ein Angestellter beispielsweise auf einem viel zu alten und unflexiblen Bürostuhl ständig Rückenschmerzen bekommt, müsste der Arbeitgeber für einen neuen sorgen - so sieht es das Arbeitsschutzgesetz vor. „Theoretisch gibt es das Recht”, sagt Rechtsanwalt Groll, schränkt aber ein: „Ein Rechtsstreit um einen neuen Bürostuhl verbietet sich eigentlich im Hinblick auf die weiterhin gute Zusammenarbeit.”

Groll rät Arbeitnehmern zu einem netten Gespräch mit dem Chef. „Das ist im Arbeitsrecht immer das Beste.” Viele Unternehmer investieren nach Einschätzung von Experten schon aus Eigeninteresse in eine ergonomische Büroausstattung.

„Vor allem große Unternehmen kümmern sich in der Regel sehr gut um Ergonomieaspekte”, sagt Armin Windel. Neben einer „Fachkraft für Arbeitssicherheit” kann der Betriebs- oder Personalrat Ansprechpartner sein, wenn es um ergonomische Aspekte des täglichen Arbeitens geht.