Berlin/Bonn: Alles so schön bunt hier: Gefahr durch Drogen im Straßenverkehr

Berlin/Bonn: Alles so schön bunt hier: Gefahr durch Drogen im Straßenverkehr

Manche Dinge ändern sich nie: So gilt Alkohol als Gefahr im Straßenverkehr. Wer etwas getrunken hat, sollte sich nicht ans Lenkrad setzen - das weiß jedes Kind.

Gleichzeitig geistert das Thema Drogen als Gefahr für Autofahrer seit Jahren eher als Nebensache durch die Öffentlichkeit. Denn Drogen, die nehmen ja nur ein paar unbelehrbare Randexistenzen, die ohnehin nicht das Geld für ein Auto haben. Tatsächlich aber sind Drogen im Straßenverkehr allgegenwärtig - vermutlich sogar mehr, als die Zahlen zeigen.

Denn auch wenn die Polizei sensibler und die Tests ausgefeilter geworden sind, wird immer noch von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen. Hinzu kommt, dass ein immer wichtiger werdender Bereich wie der Einfluss von Medikamenten noch weniger im Bewusstsein ist als die Drogen.

Dass die Gefahr durch Alkohol im Straßenverkehr immer noch ein wichtiges Thema ist, zeigt die Statistik. Sie zeigt aber auch, dass das Bewusstsein für diese Problematik stärker geworden ist - denn die Zahlen der Unfälle mit Verletzten und Alkoholeinfluss sinken: „Im Jahr 2000 wurden noch 27 374 Unfälle unter Alkoholeinfluss mit Personenschaden registriert - 2008 waren es 18 215”, erklärt Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR).

Im Hinblick auf den Drogenkonsum werden zwar weniger Fälle registriert. Allerdings ist auch hier der Trend eindeutig - in die umgekehrte Richtung. Laut DVR lagen die Zahlen für Unfälle mit Personenschäden unter dem Einfluss berauschender Substanzen im Jahr 2000 bei 1015, im Jahr 2008 waren es 1433.

Solche Zahlen sind aber nur ein vager Hinweis auf das tatsächliche Geschehen. So geht ADAC-Expertin Almut Schönermarck davon aus, dass sich der Drogenkonsum in den vergangenen Jahren nicht so erhöht hat, wie es die Zahlen nahe legen. Vielmehr sei die Polizei sensibler geworden und habe auch mehr Kontrollmethoden, um fahrende Drogenkonsumenten zu erwischen. Auf der anderen Seite aber sei die „Statistik nur die Spitze des Eisbergs”.

Tatsächlich scheint das Bewusstsein für die Gefahren der Drogen im Straßenverkehr bei jungen Autofahrern immer noch nicht angekommen zu sein. So geht der Automobilclub ACE vor dem Hintergrund einer Studie des Instituts für Verkehr (IVU) davon aus, dass 24 Prozent der jungen Kraftfahrer den Umgang mit Haschisch als unbedenklich ansehen, wenn er kontrolliert erfolgt. 28 Prozent plädieren dafür, weiche Drogen zu legalisieren.

Das Problem dabei: Selbst wer weiche Drogen als eher harmlos einschätzt, muss eingestehen, dass die Nebenwirkungen nicht mit den Anforderungen auf dicht befahrenen Straßen in Einklang zu bringen sind. So gilt als typische Wirkung von Haschisch zum Beispiel eine gewisse Schläfrigkeit. Hinzu kommen Stimmungsschwankungen oder Störungen der zeitlichen und räumlichen Wahrnehmung, was zu Fehleinschätzungen von Entfernungen führt. Nicht eben das, was der Autofahrer braucht.

Wird zu härteren Stoffen gegriffen, gehen damit auch stärkere Nebenwirkungen einher. So steht Ecstasy auch für erhöhte Risikobereitschaft und Selbstüberschätzung - auch im Hinblick auf das Autofahren. „Hinzu kommen mögliche Koordinationsprobleme und Übelkeit”, erklärt Hannelore Herlan von der Deutschen Verkehrswacht (DVW). Ebenfalls nicht zu unterschätzen sind Nebenwirkungen von sogenannten Halluzinogenen wie LSD. „Hier kann es zu einer Abkehr von der Realität kommen.” Dass daraus eine Unfallgefahr entsteht, sollte jedem einleuchten. Bei Kokain wiederum kann die Herabsetzung der Fähigkeit zur Selbstkritik zu lebensgefährlichem Risikoverhalten und der Unterschätzung von Gefahren im Verkehr führen.

Wer nun allerdings das Thema Drogen vor allem mit jungen Fahrern in Zusammenhang bringt, hat grundsätzlich recht - und auch nicht. Auf der anderem Seite gibt es nämlich zahlreiche Menschen, die nie etwas in die Hand nehmen würden, was sie als Droge identifizieren - die aber trotzdem unter dem Einfluss chemischer Substanzen am Straßenverkehr teilnehmen.

Das Stichwort lautet: Medikamente. „Statistisch gesehen greift jeder Bürger dreimal am Tag zu einem Medikament”, sagt Sven Rademacher vom DVR. „Experten gehen davon aus, dass 20 Prozent der Medikamente einen Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit haben.” Während also manche jungen Fahrer sich durchaus bewusst sind, dass der Joint nichts im Auto zu suchen hat, gibt es zahllose ältere Autofahrer, die medikamentös beeinträchtigt durch die Gegend gurken, ohne sich irgendeiner Schuld bewusst zu sein. Wer regelmäßig zu Medikamenten greift, für den gilt: Fragen Sie zuerst ihren Arzt oder Apotheker, bevor Sie den Zündschlüssel umdrehen.

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