1. Leben
  2. Gesundheit

Bitburg: Alles im Fluss: Lymphdrainage lässt Schwellungen abklingen

Bitburg : Alles im Fluss: Lymphdrainage lässt Schwellungen abklingen

Ob beim Volleyballspielen oder beim Spazierengehen - einen gezerrten oder verstauchten Knöchel zieht man sich schneller zu, als einem lieb ist. Um die Heilung zu beschleunigen, kann eine Lymphdrainage hilfreich sein.

Bei dieser sanften Massagemethode sorgt der Therapeut dafür, dass durch die Verletzung angestautes Gewebewasser aus dem geschwollenen Bereich besser abtransportiert wird. Darüber hinaus wirken die streichenden Bewegungen schmerzlindernd und entspannend.

„Die Lymphdrainage ist eine recht junge Behandlungsmethode, die in den 30er Jahren von dem Dänen Emil Vodder mitentwickelt wurde”, erzählt Eva Streicher vom Deutschen Verband für Physiotherapie: „Behandeln dürfen Physiotherapeuten und Masseure, die eine spezielle Weiterbildung absolviert haben.”

Mit einer Massage sei die Lymphdrainage allerdings nicht vergleichbar, erklärt die Physiotherapeutin: „Der Therapeut macht an den betroffenen Stellen kreisförmige, pumpende oder streichende Bewegungen und regt dadurch den Lymphtransport an.” Das alles passiert ganz langsam und sanft, sozusagen mit Katzenpfoten, und wird meist als sehr angenehm empfunden.

Häufig sei schon direkt nach der Behandlung eine Besserung spürbar und das Spannungsgefühl lasse nach, weiß Anja Herbstreit, Physiotherapeutin an der Uniklinik Essen. „Danach sollten die Patienten noch einige Zeit ruhen.

Um ein optimales Ergebnis zu erzielen, wird die Drainage zudem meist von einer sogenannten Entstauungstherapie begleitet.” Dazu werden die behandelten Regionen mit elastischen Binden umwickelt oder der Patient zieht sich spezielle Kompressionsstrümpfe an.

Zum Therapieerfolg können die Patienten auch zu Hause beitragen: „Bewegung ist grundsätzlich hilfreich, um den natürlichen Lymphfluss anzuregen - vorausgesetzt, der Arzt hat nichts dagegen. Außerdem sollte man keine enge Kleidung tragen und, wenn der Arm oder der Fuß betroffen ist, die geschwollene Extremität hochlagern.”

Wenn der Lymphfluss lediglich vorübergehend gestört ist wie im Fall einer Verstauchung, dauert die Behandlung, bestehend aus Lymphdrainage und Entstauung, etwa eine halbe Stunde. Bis zu einer Stunde muss man hingegen einplanen, wenn eine dauerhafte Störung vorliegt, etwa weil Lymphknoten komplett fehlen.

Das betrifft vor allem Krebspatienten. Brustkrebspatientinnen etwa werden meist auch die Achsellymphknoten entfernt, da sich dort schnell Metastasen bilden. Bei Prostatakrebs werden oft vorbeugend die Lymphknoten der Lendengegend herausoperiert.

„Wenn Lymphknoten fehlen, ist es sinnvoll, schon vorbeugend zur Lymphdrainage zu gehen, damit sich erst gar keine Lymphödeme bilden”, empfiehlt Anja Herbstreit. Lymphödeme sind Schwellungen, die so voluminös werden können, dass sie den Patienten Schmerzen bereiten und sie sogar in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken.

Warum ein ungestörter Lymphfluss so wichtig ist, versteht man, wenn man die Aufgaben des Lymphsystems betrachtet: Es bildet neben dem Blutkreislauf das zweite Ver- und Entsorgungssystem des menschlichen Körpers und ist ein wichtiger Bestandteil der Immunabwehr.

Zum Lymphsystem gehören die Lymphknoten, die Lymphgefäße und die Lymphe, eine hellgelbe Flüssigkeit. Lymphe entsteht im Bereich der feinsten Blutgefäße, den Kapillaren. Da nicht alle Bestandteile des Blutes durch die Gefäßwände passen, sickert lediglich das Wasser mit den enthaltenen Nährstoffen hindurch, um das umgebende Gewebe zu versorgen.

Der größte Teil dieses Gewebewassers gelangt anschließend wieder zurück in die Kapillaren. Etwa zehn Prozent verbleiben als Lymphe in einem eigenen Gefäßsystem, den Lymphbahnen, und werden von diesen wieder dem Herzen zugeführt. Neben der Gewebsflüssigkeit werden Eiweiße und Lipide aus dem Verdauungstrakt abtransportiert sowie Krankheitserreger in die Lymphknoten geleitet.

600 bis 700 Lymphknoten besitzt jeder Mensch, sie befinden sich vor allem im Halsbereich und in den Achselhöhlen sowie in der Bauch- und Lendenregion. In den Knoten befinden sich Fresszellen und die Lymphozyten, zu den weißen Blutkörperchen gehörende Abwehrzellen. Sie filtern die Lymphe auf Krankheitserreger und bilden Antikörper.

Sind die Lymphozyten sehr aktiv, können die Lymphknoten anschwellen. „Dies kann zum Beispiel vorkommen, wenn der Körper mit einem Infekt zu kämpfen hat”, erklärt Anja Herbstreit. Aus diesem Grund tastet der Arzt bei erkälteten Patienten meist auch die Lymphknoten ab.

„Akute bakterielle Entzündungen werden allerdings zunächst mit Antibiotika behandelt. Sonst läuft man Gefahr, dass die Krankheitskeime durch die Lymphdrainage noch zusätzlich im Körper verteilt werden”, klärt Physiotherapeutin Eva Streicher auf. „Auch wenn die Schwellung auf eine gestörte Herzfunktion zurückzuführen ist, sollte man von einer Lymphdrainage absehen.”

Ansonsten ist die sanfte Therapieform jedoch für nahezu jeden geeignet, und so mancher macht sie sogar schlicht zur Entspannung. Damit sich sowohl im Körper als auch im Geist bald wieder alles im Fluss befindet.