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München: Ärzte setzen Aortenklappe am schlagenden Herzen ein

München : Ärzte setzen Aortenklappe am schlagenden Herzen ein

Medizinern des Deutschen Herzzentrums in München ist offenbar ein Durchbruch in der Herzchirurgie gelungen. Sie setzten in der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie einer 87-jährigen Patientin eine Aortenklappe am schlagenden Herzen ein, wie die Technische Universität München mitteilt.

Das Verfahren sei weltweit einmalig. Eine Stilllegung des Herzens und ein Anschluss an die Herz-Lungen-Maschine sei nicht mehr notwendig. Die so genannte transapikale Implantation dauere nur wenige Minuten und sei damit deutlich schonender als konventionelle Verfahren.

Künftig könnten Herzchirurgen auch schwerstkranke Patienten, für die eine Operation mit herkömmlichen Verfahren zu risikoreich wäre, optimal behandeln. Für die 87-Jährige wäre ein Eingriff am offenen Herzen mit Herz-Lungen-Maschine zu riskant gewesen, da bei ihr weitere Begleiterkrankungen vorlagen.

Bei dem neuen Verfahren wird die Herzspitze über einen kleinen Hautschnitt im Rippenbereich freigelegt. Über ein Ballonkathetersystem erweitern die Chirurgen zunächst den Bereich der alten, durch Kalk und Ablagerungen verengten Herzklappe. Anschließend schieben sie die neue Aortenklappe über den Katheter in eine Position vor, wo sie sich von selbst entfaltet. Die Klappenimplantation erfolgt unter ständiger Ultraschall- und Röntgenkontrolle.

Eine weitere Möglichkeit, eine defekte Aortenklappe am schlagenden Herzen zu ersetzen, wandten die Münchner Ärzte bei einer 73-jährigen Patientin an. Beim so genannten transfemoralen Zugang wird der Katheter über die Oberschenkel-Arterie (Arteria femoralis) bis in die linke Herzkammer vorgeschoben.

Bei beiden Patientinnen wurde die Klappenfunktion den Angaben nach perfekt wiederhergestellt. Der Krankenhausaufenthalt verkürze sich durch die Anwendung erheblich. Bereits nach wenigen Tagen kann der Patient die Klinik verlassen.