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Mannheim: Worauf es bei der Auswahl von Fonds ankommt

Mannheim : Worauf es bei der Auswahl von Fonds ankommt

Investmentfonds sind komplexe Gebilde, sie fassen ganz unterschiedliche Wertpapiere zu einer neuen Geldanlage zusammen. Das hat Vorteile: Das Ersparte wird so nicht nur in einen einzelnen Titel investiert, und das Risiko wird dadurch verteilt. Doch Fonds haben auch Nachteile: Was drinsteckt und welcher Fonds etwas taugt, können Laien oft nur schwer beurteilen. „Bei der Auswahl von Fonds gibt es typische Fehler”, sagt Prof. Martin Weber von der Universität Mannheim.

Ein häufiger Fehler: Anleger bewerten riskante Fonds oft besser. Die Erklärung dafür ist einfach: Anleger sind stark auf vergangene Kurse fixiert, doch daraus kann nicht einfach auf zukünftige Entwicklungen geschlossen werden. „Gerade Fonds mit einer sehr guten Performance nehmen oft ein großes Risiko in Kauf”, warnt Weber. Auf steile Zuwächse folgt dann eine ebenso steile Talfahrt.

Bankberater machen sich diese Unkenntnis zunutze: „Man bekommt natürlich immer das eine Produkt angeboten, das gerade besonders gut läuft”, sagt Weber. Doch das gute Abschneiden sei nicht immer das Ergebnis einer Anlagestrategie, sondern mitunter schlicht Zufall: „Wenn ein Finanzinstitut 300 Fonds auflegt, läuft immer einer besonders gut - und der wird dann beworben.” Viele Kleinanleger würden zudem Zufallstreffer überbewerten: „Viele verwechseln Zocken mit Können.”

Auch Trading-Coach und Buchautor Thomas Vittner aus Wien warnt Aktionäre: „Das Hauptproblem ist nicht die komplexe Materie, sondern dass sich Anleger selbst überschätzen. Viele Aktionäre sind nicht bereit, Geldanlage als ein Geschäft zu begreifen, das erlernt werden muss.”

Die Folge davon sind Fehlentscheidungen: „Manche Anleger kümmern sich gar nicht um ihr Investment, andere sind nervös und schichten ihr Portfolio ständig um.” Beides sei die falsche Strategie, betont Vittner. Ein weiterer Kardinalfehler sei, dass Kleinanleger beim Kauf einzelner Aktien nicht anti-zyklisch handeln: „Viele steigen erst ein, wenn der Markt auf dem Höhepunkt ist, statt dann zu verkaufen.”

Sind Aktienneulinge deshalb besser beraten, Anteile an aktiv gemanagten Fonds zu erwerben? „Es schadet natürlich nicht, sein Geld Leuten anzuvertrauen, die davon eine Ahnung haben”, sagt Vittner. „Nur woher weiß man, dass die Bank oder der Fondsmanager im Sinne des Kunden handeln?” Gerade aktiv gemanagte Fonds bringen oftmals hohe Kosten mit sich: „Die Aufgabe eines Managers ist, den Markt zu schlagen”, sagt Weber. „Doch dafür verlangt er Gebühren, die den Vorteil häufig wieder auffressen.”

Anleger sollten auf Fondsgebühren achten: „Wer sich für einen aktiv gemanagten Fonds entscheidet, sollte ein günstiges Produkt wählen”, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Gebühren, die über einem Prozent liegen, halte ich für zu hoch.”

Eine Alternative zu gemanagten Fonds sind Indexfonds: Sogenannte ETFs bilden einen Markt eins zu eins ab und sind deutlich günstiger - jährlich fällt nur etwa ein halbes Prozent Gebühren an. Auch die Performance ist nicht unbedingt schlechter: „In der Praxis sorgen Fondsmanager meist nicht für bessere Ergebnisse.”

Neben den Gebühren sollten Anleger bei der Fondsauswahl vor allem auf das Risiko achten, rät Weber. Ob ein Aktienfonds riskante Titel enthält, lässt sich mit einer einfachen Methode überprüfen: dem Blick in den Beipackzettel. Seit 2011 dürfen Finanzprodukte, also auch Fonds, nur mit einem Produktinformationsblatt verkauft werden. „Das sogenannte Key-Investor-Document oder kurz KID beschreibt das Risiko einer Geldanlage auf einer Skala von eins bis sieben”, erläutert Weber. Dabei gilt: Je höher der Wert, desto riskanter die Anlage.

Nauhauser rät außerdem dazu, bei der Geldanlage auf eine breite Streuung zu achten. Bei einer Krise wären nie alle Bereiche gleich stark betroffen: „Fonds, die in mehrere Anlageklassen wie Immobilien und Rohstoffe investieren, sind weniger anfällig für Schwankungen.” Anleger könnten auch selbst für die richtige Mischung sorgen: „Es ist oft günstiger, Indexfonds zu erwerben und mit einem sicheren Baustein wie einem Festgeldkonto oder Anleihen zu kombinieren.”

Vittner empfiehlt, Fonds nicht nach kurzfristigen Trends auszuwählen: „Es ist als Kleinanleger unheimlich schwer, sich dem Getöse der Finanzbranche zu entziehen”, sagt der Börsencoach. Aber nur weil ein Fonds Aktien aus Schwellenländern oder Rohstofftitel im Portfolio hat, bedeute das nicht, dass auch die Performance gut ist. Bei der Geldanlage komme es vielmehr auf eine langfristige Strategie an. „Mit etwas Wissen über die Finanzmärkte lassen sich Krisensituationen dann sehr viel gelassener durchstehen.”

(dpa)