Rostock: Willkommen an Bord: Karriere auf dem Kreuzfahrtschiff

Rostock: Willkommen an Bord: Karriere auf dem Kreuzfahrtschiff

Die größten der modernen Kreuzfahrtschiffe bieten Platz für mehrere Tausend Passagiere. An Bord sind dann viele Hundert Mitarbeiter. Sie sind nicht nur dafür da, das Schiff zu steuern und sicher in den nächsten Hafen zu bringen, sondern auch die Kreuzfahrt zum Urlaub an Bord werden zu lassen.

Zu den Berufen auf einem Kreuzfahrtschiff gehören deshalb nicht nur Kapitän und Steward. Dort arbeiten auch Hotelmanager, Kellner und Barmixer, Physiotherapeuten, Ärzte und Krankenschwestern, Golflehrer, Masseure, Friseure oder Abwäscher. Die Branche wächst. Jedes Jahr laufen etliche neue Kreuzfahrtschiffe vom Stapel - und jedes davon bietet zahlreiche Arbeitsplätze zwischen Sonnendeck und Maschinenraum.

„Ein Kreuzfahrtschiff ist wie eine kleine Stadt”, sagt Werner Englisch, der bei TUI Cruises für den Hotelbereich verantwortlich ist. „Es gibt dort fast alle Berufe, die es an Land auch gibt. Wir bereiten Wasser selbst auf, wir haben eigene Anlagen, um Strom zu erzeugen.” Dafür sind Fachkräfte nötig, die zum Beispiel die Bordelektronik überprüfen oder Kühlaggregate warten.

„Im Hotelbereich brauchen wir Servicepersonal, für die Bar genauso wie für den Weinkeller, für die Küche und das Hauskeeping”, erklärt Englisch. „Auf Mein Schiff gibt es allein in der Hotellerie rund 50 Berufe.” Das Schiff von TUI Cruises, das seine Jungfernfahrt im Mai vergangenen Jahres absolviert hat, zählt etwa 780 Mitarbeiter. „Davon sind 450 im Hotelbereich.”

Auf den größeren Schiffen von Aida Cruises wie der „Aidabella” und der „Aidablu” sind es insgesamt rund 600 Mitarbeiter, auf den kleineren wie der „Aidacara” immerhin noch rund 380. „Nur etwa ein Fünftel arbeitet im nautisch-technischen Bereich”, sagt AIDA-Personalchefin Haike Witzke. „Das sind diejenigen, die das Schiff sicher von A nach B bringen.” Der Großteil der Besatzung ist auch hier im Hotelbereich tätig. Für solche Jobs werden üblicherweise Fachkräfte mit einer Ausbildung in der Hotellerie eingestellt - etwa Hotelfachleute oder Hotelkaufleute.

„Aber für unsere Spa-Angebote brauchen wir auch Masseure oder Physiotherapeuten”, erklärt Witzke. „Und auf jedem unserer Schiffe gibt es einen Golflehrer, der Kurse anbietet und Gäste zum Golfen an Land begleitet.” Tauchlehrer sind an Bord ebenfalls nichts Exotisches: „Scouts” begleiten sämtliche Ausflüge. Und damit es abends nicht langweilig wird, legt ein DJ auf - solche Jobs gibt es allerdings üblicherweise nicht mit fester Anstellung. „Der DJ kommt manchmal nur für wenige Wochen.” Und das Personal ist oft international: Die Besatzung kommt nicht selten aus etlichen Ländern. „Wir haben Mitarbeiter von Brasilien bis Indien”, sagt Haike Witzke. „Rund 60 Prozent des Personals stammt aus Nicht-EU-Staaten.”

Auf der „MS Europa”, dem Flaggschiff von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten, gibt es rund 270 Besatzungsmitglieder, davon 60 im nautisch-technischen Bereich. „In der Küche und im Housekeeping sind es noch einmal jeweils 45”, sagt Georg Bernsteiner von Seachefs Cruises, einem Dienstleister für Kreuzfahrtreedereien. Es gebe aber auch je rund ein Dutzend angestellte Musiker und Reisebegleiter für Landausflüge. Nicht zuletzt im Hotelbereich sei die Kreuzfahrt eine attraktive Alternative zur Arbeit an Land, besonders für jüngere Mitarbeiter. „Und es ist auch eine Empfehlung für später, auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet zu haben.”

Aber es will auch gut überlegt sein: „Man ist oft monatelang unterwegs, weit weg von zu Hause”, sagt Sebastian Ahrens, Geschäftsführer von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten. „Die Privatsphäre ist dann schon auf einen engen Raum begrenzt. Seine Kabine teilt man meistens mit einem anderen.” Teamfähigkeit sei deshalb unverzichtbar, genau wie Selbstdisziplin: „Schließlich kann sich niemand zwischendurch in der Südsee verabschieden.”

Wer auf dem Schiff arbeitet, muss in der Regel mindestens vier Monate am Stück durchhalten. „Dafür hat man die Perspektive, auch Teile der Welt kennenzulernen, die man sonst nicht gesehen hätte”, sagt Ahrens. „Auf einem Kreuzfahrtschiff gibt es allerdings einen ganz anderen Rhythmus als beim Arbeiten an Land.” Meistens bleiben Mitarbeiter vier Monate an Bord und haben anschließend zwei Monate Urlaub. „Die Besatzung rotiert bei uns laufend durch. Es bleiben immer drei Viertel der Crew an Bord, und ein Viertel kommt neu dazu.”

Personal aus der Hotellerie bleibt meistens für einen überschaubaren Zeitraum in der Kreuzfahrt. „Zumindest in den unteren Rängen sind es oft nur ein, zwei Einsätze”, sagt Ahrens. „Es gibt aber auch erfahrene Crewmitglieder, die jahrelang fahren. Man muss dann klären, ob sich die Lebensplanung mit der Arbeit auf See in Einklang bringen lässt.”

Die Kreuzfahrt-Branche wächst und braucht Personal

Während in der Tourismusbranche bei so manchem Unternehmen der Umsatz einbricht, glauben in der Kreuzfahrt viele daran, dass es weiter aufwärtsgeht. „Die Kreuzfahrt wird weiter wachsen, gerade auf dem deutschsprachigen Markt”, sagt Sebastian Ahrens, Geschäftsführer von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten. Die Wirtschaftskrise habe daran grundsätzlich nichts geändert. „Auch der Personalbedarf wird weiter steigen.” Das gelte für Fluss- wie für Hochseekreuzfahrten, ergänzt Guido Laukamp vom Schifffahrtsausschuss des Deutschen Reiseverbands. „Wer da beschäftigt ist, muss sich wenige Sorgen machen.”

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