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Berlin: Wie Anleger in unruhigen Börsenzeiten agieren sollten

Berlin : Wie Anleger in unruhigen Börsenzeiten agieren sollten

Viele Geldanleger sind verschreckt nach den Börsenturbulenzen der vergangenen Monate - auch, nachdem sich die Indizes seit Jahresbeginn wieder deutlich erholt haben. Aber was soll man jetzt mit seinen Geldanlagen tun?

Die oberste Pflicht ist immer noch: Ruhe bewahren. Hektisches Kaufen und Verkaufen ist in 99 von 100 Fällen die schlechteste Lösung. Wann immer eine Kauf-oder Verkaufsentscheidung ansteht, sollte sie genauso sorgfältig geprüft werden wie zu allen anderen Börsenzeiten (hoffentlich) auch.

In unruhigen Börsenzeiten neigen Anleger zu irrationalen Entscheidungen wie zum Beispiel dem plötzlichen Verkauf aller Papiere oder dem hektischen Nachkaufen von Papieren, um den Einstandspreis insgesamt zu senken.

Aus diesem Grund sollten Anlageentscheidungen niemals unter dem direkten Eindruck einer Krise getroffen werden, sondern in ruhigem Fahrwasser, also gerade jetzt.

So sollten Anleger auf jeden Fall für ihre Wertpapiere Limits festlegen, bei denen die Wertpapiere automatisch verkauft werden - und zwar bei steigenden wie bei fallenden Kursen.

Kaufen Anleger ein Wertpapier A zu einem Preis von 100 Euro, fragen sie sich am besten, wie viel Verlust sie maximal hinzunehmen bereit sind. Sind es 20 Prozent, sollte das Limit bei 81 oder 82 Euro liegen.

Ist diese Marke erreicht, wird das Papier automatisch zum nächstmöglichen Kurs verkauft und die Anleger begrenzen den Verlust. Anders herum sollten Grenzen nach oben festgelegt werden, um einmal erreichte Gewinne zu sichern.

Hat das Wertpapier im Beispiel einen Kurs von 115 Euro erreicht, sollte das Limit auf 105 Euro nachgezogen werden. So stellt man sicher, dass das Papier auf jeden Fall mit einem Gewinn verkauft wird, wenn die Kurse wieder fallen.

Jede Krise ist eine Chance. Wenn einzelne Aktien oder ganze Indizes nachgeben, ist das oft fundamental gar nicht begründet, sondern vor allem die „Schuld” von hektischen Anlegern, die grundlos Wertpapiere auf den Markt schmeißen und damit den Kurs drücken.

Mutige Anleger steigen in diesem Moment ein und hoffen darauf, den „Panik-Bonus” zu kassieren, wenn die Papiere nach der Hysterie wieder steigen. Bei einem Einstieg gilt aber in jedem Fall: Papiere sollten nur dann im Depot von Anlegern landen, wenn eine Analyse ergibt, dass die Aktie oder der Index auch in der Krise wirklich Potenzial hat.

Vor allem aber ist in der Krise Skepsis angesagt. Denn unruhige Börsenzeiten sind Hochzeiten für die Geldanlageberater. Jetzt wird zum Umschichten, Neubewerten, Aufräumen (oder wie auch immer es genant wird) geraten.

Das heißt: Alte Geldanlagen verkaufen, neue abschließen. Der Anlageberater kassiert die Provision. Anleger sollten immer skeptisch sein, wenn jemand ihnen rät, jetzt auf einmal alles neu zu bewerten und aktiv zu werden. Es muss schon gute Gründe dafür geben, warum man gerade jetzt Anlage A, B oder C verkaufen und durch andere Anlagen sollte.

Auch Hinweisen auf steuerliche Erwägungen sollte man sehr kritisch gegenüberstehen, denn das Sparpotenzial ist begrenzt. Was nützt es, wenn man mit dem Verkauf von Fonds A einen Verlust macht, den man mit den Gewinnen von Fonds B verrechnet?

Das mag zwar Steuern sparen, weil der Gewinn von Fonds B nicht oder nur teilweise versteuert werden muss. Aber diesen „Steuervorteil” bezahlt man mit dem Verlust aus Fonds A - also mit dem eigenen Geld. Dazu kommt, dass viele Finanzberater steuerlich nicht gerade auf der Höhe sind, die Tipps also eher kritisch gesehen werden sollten.