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Bielefeld: Wer gut schmiert, der gut fährt

Bielefeld : Wer gut schmiert, der gut fährt

„Wer gut schmiert, der gut fährt.” Die alte Autofahrer-Weisheit scheint angesichts langer Wartungsintervalle und verbesserter Motorenöle in Vergessenheit zu geraten.

„Immer mehr Autofahrer gucken immer weniger regelmäßig nach dem Ölstand”, schildert Jochen Haeger, stellvertretender Obermeister der Kfz-Innung in Bielefeld, seine Beobachtungen. Dabei verbraucht nach seiner Erfahrung jeder Motor Öl.

Haeger empfiehlt Autofahrern, etwa bei jedem sechsten Tanken auch mal unter der Kühlerhaube nachzusehen. Ölstandsanzeigen oder -warnungen auf der Instrumententafel seien zwar hilfreich, aber „manche warnen bereits bei einem fehlenden halben Liter, andere erst, wenn das Minimumniveau knapp erreicht ist”. Mit der eigenen Kontrolle bekomme man rasch ein Gefühl dafür, nach welcher Kilometerleistung ein Kontrollblick nötig werde.

Nur die optimale Schmierung gewährleistet eine lange Haltbarkeit des Motors. Wenn zu viel oder zu wenig Öl eingefüllt ist, kann die Maschine Schaden nehmen. Besonders in den warmen Sommermonaten wird dem Motoröl sehr viel abverlangt - ganz gleich ob auf langen Autobahnfahrten, auf Landstraßentouren oder im Stadtverkehr. Doch auch winterliche Kaltstarts und Kurzstrecken nagen an der Lebensdauer des Motors.

Nach Angaben der Sachverständigenorganisation GTÜ ist fast jedes vierte Auto in Deutschland mit deutlich zu wenig oder zu viel Motoröl unterwegs. Bei mehr als 20 Prozent aller Autos fehlt durchschnittlich ein ganzer Liter Motoröl, und bei knapp drei Prozent zeigt der Peilstab einen zu hohen Füllstand an. Zudem erschreckend: Je älter das Auto, desto weniger kümmern sich die Besitzer um die Ölkontrolle und werden zu Wartungsmuffeln.

Hinzu kommt, dass bei älteren Motoren der Verbrauch steigt, weil sich beispielsweise die Kolbenringe abnutzen und in der Folge mehr Öl durchlassen oder Öl durch verschlissene Ventildichtungen in den Brennraum gelangt. „Generell kann der Ölverbrauch auch saisonal schwanken”, sagt Haeger. Im Sommer bei Langstreckenfahrten, wenn der Motor richtig heiß wird, ist er höher als in kälteren Jahreszeiten bei Kurzstreckenfahrten.

Alle Motoren-Generationen stellen hohe Ansprüche an das verwendete Öl. Es soll nicht nur schmieren und die Reibung sowie den damit verbundenen Verschleiß im Motor so niedrig wie möglich halten, sondern ebenso zum Kühlen der Metalloberflächen und dem Abtransport der anfallenden Verbrennungsrückstände dienen. Deshalb raten Kfz-Fachleute, bei der Ölqualität nicht am falschen Ende zu sparen. Denn ein minderwertiges Motoröl kostet Leistung und Kraftstoff, setzt dem Motor zu und kann dessen Lebenserwartung mindern.

Neben der regelmäßigen Kontrolle des Ölstandes sollte auch der turnusmäßige Ölwechsel zu den Pflichten für vor- und fürsorglicher Autofahrer zählen. Hier gilt es, die je nach Hersteller und Fahrzeugtyp empfohlenen Wechselintervalle zu beachten. Welches Öl zum Einsatz kommen soll, weiß die Werkstatt und ist zudem in der Betriebsanleitung des Fahrzeugherstellers vermerkt.

Und noch ein Rat hat Haeger parat, nicht nur aus den Geschäftsinteressen seiner Branche: „Den Ölwechsel im Do-it-yourself-Verfahren durchzuführen kann schlimme Folgen haben, zum Beispiel für die Natur. Läuft Öl ungewollt ins Erdreich, richtet es dort erhebliche Umweltschäden an. Schon ein Liter Altöl kann eine Million Liter Trinkwasser verunreinigen.”