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Biallos Ratgeber: Wenn die Seele dauerhaft krank ist

Biallos Ratgeber : Wenn die Seele dauerhaft krank ist

Häufiger als früher werden psychische Erkrankungen heute erkannt und behandelt. Besonders die Videosprechstunde ist ein bedeutsames Mittel geworden.

In psychischen Notlagen ist schnelle Hilfe gefragt. Die Sprechstunde beim Psychotherapeuten und Online-Therapien sind Angebote mit niedriger Hemmschwelle. Viele Kassen bezahlen Internet-Behandlungsprogramme. Während der Corona-Krise gewinnt die Videosprechstunde an Bedeutung.

Wartezeit: Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine ambulante Psychotherapie in vollem Umfang. Die Verhaltenstherapie, die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, die Analytische Psychotherapie und ab 1. Juli 2020 die Systemische Therapie sind als Richtlinien-Psychotherapien erstattungsfähig. Allerdings müssen Kassenpatienten oft wochen- oder monatelang auf einen Therapieplatz warten. „Die Wartezeiten sind außerhalb von Großstädten länger als in Ballungszentren“, sagt Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer. „Mit der Reform der Psychotherapie-Richtlinie 2017 haben Patienten allerdings leichter und schneller Zugang zu psychotherapeutischer Hilfe“, sagt er.

Sprechstunde: Wer psychologische Hilfe benötigt, kann sich direkt bei einem Psychotherapeuten einen Sprechstundentermin geben lassen. „Patienten sollten darauf achten, dass der Therapeut eine Kassenzulassung hat“, rät Sabine Wolter, Gesundheitsexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Hat der gewünschte Therapeut keinen freien Termin, kann die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigungen einen Termin vermitteln (unter der Rufnummer 116 117 oder www.kbv.de). In der Sprechstunde schätzt der Therapeut ein, ob und wenn ja, welche Behandlung nötig ist.  Sie ist eine Voraussetzung dafür, eine Richtlinien-Psychotherapie zu beginnen. „Während der Corona-Krise ist bis vorerst 30. Juni die Sprechstunde per Videotelefonie möglich“, sagt Wolter.

Akutbehandlung: Stellt sich in der Sprechstunde akuter Hilfebedarf heraus, kann der Patient eine Akutbehandlung beginnen – bei ebendiesem Therapeuten oder, wenn dieser keine Termine anbieten kann, bei einem anderen Therapeuten. Auch hier hilft die Terminservicestelle weiter. „Für die Sprechstunde und die Akutbehandlung benötigt man keine Überweisung vom Arzt“, betont Wolter.

Therapie: Empfiehlt der Therapeut eine Richtlinien-Psychotherapie, kommt eine Kurzzeit- oder eine Langzeittherapie in Frage. Während der Corona-Krise ist die psychotherapeutische Behandlung unbeschränkt auch per Videotelefonat möglich.

Online-Therapie: Zunehmend setzen sich Angebote zur Online-Therapie durch, als Selbsthilfeprogramme oder begleitend zu einer Therapie. Zum Einsatz kommen verschiedene Tools wie Apps und Videos. Oft ist auch eine psychologische Online-Begleitung möglich. Die Behandlungsprogramme sind meist auf bestimmte Beschwerden ausgelegt: leichte bis mittelschwere Depressionen, Angststörungen oder Stress-Symptomatiken. Programme wie Moodgym, Deprexis oder Get.on sind bekannt. Während Moodgym kostenlos ist, kostet der Zugang zu Deprexis rund 298 Euro, bei Get.on fallen je nach Programm Kosten bis zu 549 Euro an. Einige Kassen erstatten die Teilnahme an solchen Programmen (zum Beispiel DAK und Barmer), andere bieten eigene Lösungen an (zum Beispiel Techniker: DepressionsCoach).

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers.