Biallos Ratgeber: Wenn der Schwarm das Geld aufbringt

Biallos Ratgeber : Wenn der Schwarm das Geld aufbringt

Die Renditen an den Kapitalmärkten sinken. Immer mehr Investoren wollen daher in den scheinbar so lukrativen „Grauen Markt” investieren. Doch Privatinvestoren fehlte bislang oft das nötige Kleingeld. Crowdfunding soll hier die Brücke bilden und eine Anlage in junge Unternehmen und riskante Projekte für Verbraucher öffnen.

Bevölkerung statt Bank als Geldgeber: Investitionen über die Crowd, also die breite Bevölkerung, sind beliebt. So setzen insbesondere Startups und Immobilienprojekte auf eine Finanzierung über die Masse. Beim Crowdinvesting können Verbraucher sich beispielsweise bei Bergfürst schon mit einem Sparplan von zehn Euro monatlich an Immobilien beteiligen. Bei Bettervest liegt die Mindestanlagesumme bei 50 Euro, die in Projekte zur Energieeffizienz fließen. Mit mindestens 250 Euro können Anleger sozialökologische Vorhaben bei GLS Crowd unterstützen.

Grauer Kapitalmarkt: Crowdinvesting-Projekte werden wie Direktinvestments zu den Vermögensanlagen gezählt. Direktinvestments sind beispielsweise Beteiligungen an Frachtschiffen, Immobilien oder erneuerbaren Energien. Diese Anlageklasse wird auch als Grauer Kapitalmarkt bezeichnet, da eine konkrete Regulierung wie an der Börse fehlt.

Zur Sicherheit der Verbraucher verlangt die Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) für Anlageobjekte in der Regel ein Wertpapierprospekt, in dem alle Risiken der Unternehmen detailliert beschrieben werden. Crowdfunding-Projekte sind jedoch oftmals von dieser Prospektpflicht befreit und müssen nur ein dreiseitiges Wertpapier-Informationsblatt vorlegen.

Hohe Rendite: Crowdinvestoren winken teilweise Renditen von 20 Prozent und mehr. Doch diese Werte sind mit Vorsicht zu genießen. So gab die Firma eMovements GmbH eine Zielrendite von über 23 Prozent aus und sammelte damit von 131 Investoren rund 250.000 Euro auf der Plattform Aescuvest ein. Investoren sollten sich jedoch bewusst sein, dass gerade im heutigen Marktumfeld ein Zinssatz von mehr als zehn Prozent zwar verlockend klingt, aber indirekt auch auf ein großes Risiko hinweist. Im Durchschnitt liegt die Rendite von Projekten daher zwischen realistischen fünf und acht Prozent.

Hohes Risiko: Die Verbraucherzentralen sehen Crowdinvesting für Anleger generell eher kritisch, da das Risiko oftmals für nicht professionelle Investoren nicht verständlich und klar formuliert ist. „Wenn jemand aber Crowdinvesting oder Direktinvestments unbedingt ausprobieren will und das nötige Spielgeld dafür hat, dann werden wir ihm davon nicht abraten”, sagt Wolf Brandes von der Verbraucherzentrale Hessen. Dass solche Investments auch schiefgehen können, zeigt die eMovements GmbH. Das Unternehmen meldete vor einigen Monaten Insolvenz an.

Daher ist der Risikoschutz bei solchen Projekten extrem wichtig. Simon Brunke, Gründer der Immobilien-Crowdinvestment-Plattform Exporo, sagt, dass alle Objekte gründlich geprüft würden, um Risiken zu reduzieren. Es gibt natürlich keine hundertprozentige Sicherheit, doch nach eigenen Angaben gab es bei Exporo noch keinen Zahlungsausfall.

Richtig informieren: Crowdinvesting ermöglicht es also auf der einen Seite erstmals auch privaten Investoren, Risikokapitalgeber von Immobilienprojekten und Start-ups zu werden. Auf der anderen Seite stehen die Privatinvestoren einem ungewohnt hohen Risiko gegenüber, das in einem Totalverlust enden kann. Für Anleger ist es daher noch wichtiger als etwa am Aktienmarkt, sich gründlich über Projekte, Sicherheiten und Erfahrungen der Gründer zu informieren.

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers.

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