Welche Versicherungen wirklich wichtig sind

Welche Versicherungen wirklich wichtig sind

Berlin. Die Zahlen sind immer noch unverändert, aber sie sind auch immer noch unverändert erschreckend: Jeder zweite Haushalt in Deutschland ist falsch und viel zu teuer versichert.

Viel Geld wird für unsinnige Versicherungen ausgegeben, die dem Vertreter viel Provision bringen - und dann fehlt oft das Geld, um den wirklich sinnvollen Schutz zu finanzieren.

Sinnvoll ist auf jeden Fall eine private Haftpflichtversicherung. Denn jeder Mensch haftet unbegrenzt, wenn ihm ein Missgeschick mit finanziellen Folgen passiert. Teuer ist ein solcher Schutz überhaupt nicht: Ab 50 Euro im Jahr ist ausreichender Schutz zu bekommen. Ganz wichtig: Wer Tiere hat, besondere Hobbies wie Kitesurfen oder auch Modellflugzeuge steigen lässt, braucht für die damit verbundenen Risiken spezielle Haftpflichtversicherungen.

Eigentlich muss man nicht schreiben, wie wichtig zumindest eine Basisversorgung im Krankheitsfall ist. Denn ohne Schutz bleibt man auf den Kosten sitzen: Beim Arzt und in der Apotheke genauso wie im Krankenhaus - ohne Wenn und Aber.

Kein absolutes Muss sind Krankenzusatzversicherungen, die aber trotzdem abgeschlossen werden sollten, wenn das Budget das hergibt. Mit einer Krankenzusatzversicherung wird im Krankenhaus eine bessere Versorgung sichergestellt. Sie ist auch nützlich als Zahnzusatzversicherung, wenn hohe Zuzahlungen durch eine gute Versorgung drohen.

Das größte Vermögen ist bei den meisten Menschen keinesfalls die Immobilie, der Neuwagen oder die Wohnungseinrichtung - das größte Vermögen ist in neun von zehn Fällen die Arbeitskraft. Und dennoch sind Haus, Wagen oder Wohnung meist besser versichert. Das sollte geändert werden - mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Denn ohne Schutz stehen Betroffene vor dem finanziellen Ruin - und einer von fünf Arbeitnehmern muss aus dem Beruf ausscheiden, weil er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage ist, täglich zur Arbeit zu gehen.

Die Versicherung sollte möglichst früh abgeschlossen werden, denn Berufsunfähigkeit ist keine Altersfrage, sondern kann auch 20-Jährige treffen. Und wer jung einsteigt, spart oft viel Geld, weil er trotz umfangreicheren Schutzes weniger zahlt. Dazu kommt, dass jenseits der 40 Berufsunfähigkeitsschutz immer schwerer zu bekommen ist, weil viele Vorerkrankungen die Versicherbarkeit ausschließen.

Die Risiko-Lebensversicherung ist ein Muss, wenn eine Familie oder der Lebens-Partner finanziell versorgt werden muss. Fakt ist: Ohne Risiko-Lebensversicherung leben Familien wie beim russischen Roulette. Wer heute 5000 Euro brutto verdienen, braucht für die Familie über 300.000 Euro, um den bisherigen Lebensstandard zu halten, wenn er plötzlich sterben sollte.

Deshalb ist es sinnvoll, die Versicherungssumme am fünffachen des aktuellen Bruttogehaltes zu orientieren - das dürfte kaum jemanden überfordern, wenn ein reiner Risikoschutz gewählt wird. Ganz wichtig: Nicht nur der Hauptverdiener sollte sein Einkommen versichern, auch die Arbeitskraft eines derzeit nicht arbeitenden Partners muss abgesichert werden. denn wenn der Partner stirbt, der aktuell die Kinder betreut, dann muss ein Kindermädchen oder eine Tagesmutter einspringen - und diese finanzielle Belastung kann eine Risikolebensversicherung auffangen.

Auch die private Pflegeversicherung ist wichtig. Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt im Ernstfall kaum alle anfallenden Kosten ab. Maximal rund 1700 Euro zahlt sie, ein Platz in einem Pflegeheim ist unter 2000 Euro im Monat jedoch kaum zu bekommen. Damit droht Pflegebdürftigen und ihren Familien ein finanzielles Desaster.

Denn das Finanzloch müssen Pflegebedürftige selbst stopfen: Mit ihrer Rente, ihren sonstigen Einkünften und sogar mit ihren Rücklagen oder der eigenen Immobilie. Und wenn das Geld dann immer noch nicht reicht, dann müssen notfalls sogar die Kinder einspringen, weil sie unterhaltsverpflichtet sind. Und dieses Risiko decken private Pflegeversicherungen ab.

Ebenfalls wichtig können Kinderinvaliditätsversicherungen sein. Im Idealfall sieht die Versicherung eine lebenslange Rente und eine Einmalzahlung vor, wenn das Kind in jungen Jahren invalide wird. Diese Police ist auf jeden Fall der reinen Unfallversicherung vorzuziehen, weil der Invaliditätsschutz auch bei Krankheiten und nicht nur bei Unfällen greift.

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