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Berlin: Weihnachtsgeld clever anlegen

Berlin : Weihnachtsgeld clever anlegen

Bei den meisten ist das Weihnachtsgeld ausgegeben, kaum ist es auf dem Konto. Zum Anlegen ist vielen die Summe vielleicht nicht hoch genug. Die Sonderzahlung richtet sich meist nach dem Monatseinkommen - in manchen Branchen gibt es nicht einmal die Hälfte eines Monatslohns, in anderen die vollen 100 Prozent.

Das hat eine Online-Umfrage der Internetseite lohnspiegel.de aus dem vergangenen Jahr ergeben, die von der Hans-Böckler-Stiftung betreut wird. Auch solche Beträge lassen sich gewinnbringend einsetzen.

Jede Anlage erfordert aber einige Entscheidungen, die von ganz unterschiedlichen Zielen und Wünschen abhängen: Soll es eine sichere oder flexible Anlage sein? Spart man für seine eigene Rente oder die Ausbildung der Kinder? Oder gibt es womöglich Schulden, die man damit begleichen kann?

„Jeder sollte sich darüber Gedanken machen, ob Überziehungskredite oder Ratenkredite vorhanden sind, die er mit dem Weihnachtsgeld ausgleichen oder teilweise tilgen kann”, sagt Thomas Hentschel, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Schließlich haben diese Kredite meist hohe Zinsen. Das Weihnachtsgeld kann helfen, die Laufzeit von beispielsweise 72 Monaten auf 48 Monate zu verkürzen. „Dasselbe gilt für Immobilienkredite mit Sondertilgungszinsen”, sagt der Finanzexperte. In der Regel sind diese Zinsen höher als das, was Anleger als Sparzinsen bekommen.

Wer permanent am finanziellen Limit lebt, sollte das Weihnachtsgeld aber nicht nur zum Schuldenabbau nutzen. In diesem Fall legen Verbraucher ein Teil des Geldes besser zurück, rät Max Herbst von der FMH-Finanzberatung in Frankfurt am Main. Sind sie dann knapp bei Kasse, können sie leichter auf das Ersparte zurückgreifen, als um eine Kreditaufstockung zu bitten. Seine Faustregel lautet: „Je knapper ich bin, desto flexibler muss das Geld verfügbar sein.” Auch die Frage nach dem Zinsertrag steht hinter dieser Regel zurück: „Was nutzen mir drei Prozent Zinsen, wenn ich an das Geld nicht herankomme und verhungere?”, fragt er.

Auch wer akut keine finanziellen Engpässe hat, sollte seine Reserven überprüfen. Laut Hentschel wäre es eine Überlegung wert, drei bis fünf Monatsnetto-Einkommen als Sicherheitsreserve liquide auf ein Tagesgeldkonto anzulegen. Je nach Konto gibt es derzeit Zinsen zwischen 1,0 und 1,5 Prozent. Wer Onlinebanken nicht vertraut, kann mit dem Weihnachtsgeld auch zu Sparkasse oder Volksbank gehen. Dort liegen die Zinsen mit meist 0,5 Prozent aber deutlich niedriger.

Wer möchte, kann sein Geld natürlich auch langfristig anlegen. „Sichere Geldanlagen sind solche, die im Falle einer Insolvenz der Bank eine Einlagensicherung vorsehen”, sagt Hentschel. Allerdings sind die Anlagezinsen für langfristige Geldanlagen aktuell nicht üppig.

Wer sein Geld zehn Jahre lang nicht braucht, kann etwa mit Sparbriefen zwischen 1,75 und 3,15 Prozent Zinsen bekommen. „Das ist nicht viel”, gibt Hentschel zu bedenken. Bei fünf Jahren liegt der Zins zwischen 1,0 und 2,65 Prozent ? und das bei einer Inflationsrate von 1,8 Prozent und teilweise hohen Mindestanlagebeträgen. „Die Zeiten sind schwierig, obwohl die Wirtschaft boomt.”

Deshalb kann Sinn machen, das Geld vorübergehend auf das Tagesgeldkonto zu legen und für die Zukunft auf höhere Zinsen zu hoffen. „Aber das Risiko besteht, dass die Zinsen auf niedrigem Niveau bleiben oder sogar noch weiter sinken”, sagt Hentschel. Vor fünf Jahren habe auch jeder gedacht, dass es sich nicht lohne, sein Geld fest anzulegen. Und damals habe der Zinssatz für einen fünfjährigen Anlagezeitraum noch bei 3,5 bis 4,5 Prozent gelegen.

Bundeswertpapiere sind momentan keine gute Alternative. „In der Vergangenheit riet man noch zu festverzinslichen Wertpapieren der Bundesrepublik”, sagt Hentschel. Allerdings liegt der Zinssatz dort derzeit unter dem eines Tagesgeldkontos. „Das ist daher momentan eher keine Option.”

Gewinnträchtig, aber auch risikoreicher sind Investmentfonds. „Allerdings sollte für eine solche Anlage der Anlagehorizont entsprechend lang sein ? 10 Jahre und mehr”, sagt Hentschel. Ebenso müssen Anleger die Entwicklung stets im Blick behalten, um den richtigen Zeitpunkt für den Verkauf zu erwischen.

Von geschlossenen Fonds sollten Kleinanleger die Finger lassen. Hierbei handelt es sich um unternehmerische Beteiligungsmodelle, bei denen Geldgeber für ein Projekt geworben werden. In diesem Anlagesegment tummeln sich schwarze Schafe, weil eine staatliche Aufsichtsbehörde fehlt, warnt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Außerdem binden sich Anleger meist viele Jahre an die Beteiligung, und die Verwaltungskosten sind oft hoch.

Wer sein Weihnachtsgeld clever angelegt hat, ist dann im Jahr darauf schon einen Schritt weiter, wenn erneut Weihnachten vor der Tür steht: Wenn alles läuft wie erhofft, lässt sich vielleicht schon allein von der Rendite das ein oder andere Geschenk kaufen.

(dpa)