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Mannheim: Was Anleger von Börsenweisheiten lernen können

Mannheim : Was Anleger von Börsenweisheiten lernen können

Weisheiten gibt es viele. Manche handeln vom Umgang miteinander, zum Beispiel der Spruch: „Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus.” Andere Regeln beschreiben mit bestechender Einfachheit das Wetter: „Nach Regen kommt Sonnenschein” etwa.

Wiederum andere Regeln beschäftigen sich mit dem Thema Geld. „Es gibt viele Börsenweisheiten”, sagt der Finanzwissenschaftler Prof. Martin Weber von der Universität Mannheim. Doch wie viel Wahrheit steckt in solchen Sprüchen?

Zahlreiche Börsenregeln entstanden, als die enge globale Vernetzung von Märkten und Börsen sowie sekundenschneller Computerhandel noch Visionen einer fernen Zukunft waren. „Die Weisheiten wurden oft abgeleitet aus Beobachtungen”, erklärt Weber. Wertpapierhändler zogen aus ihren Erfahrungen Erkenntnisse, die sie in eingängigen Sätzen zusammenfassten. Einer wissenschaftlichen Überprüfung halten nicht alle Regel stand, andere erwiesen sich allerdings als richtig. Ein Überblick:

- Lege nie alle Eier in einen Korb: Diese Regel zählt zu den bekanntesten. Die Idee: Nicht nur in eine Anlageform investieren, sondern das Geld verteilen. Experten sind sich einig, dass diese Regel stimmt. „Das ist auch wissenschaftlich nachgewiesen”, sagt Weber. „Streuung minimiert das Risiko.” Aus einem einfachen Grund: Wer sein Geld über mehrere Anlageklassen verteilt, muss nicht um sein gesamtes Vermögen fürchten, wenn eine Anlage ins Minus rutscht. Im Idealfall gleichen Gewinne einer anderen Anlage dieses Minus sogar wieder aus.

Deshalb sollte nach Ansicht von Portfoliomanager Lothar Koch von GSAM + Spee Asset Management in Langballig (Schleswig-Holstein) eine einzelne Position des Depots nie mehr als 15 Prozent ausmachen. „Ansonsten ist das Gesamtdepot zu sehr von dem Ergebnis dieser Einzelposition abhängig.” Aus Sicht des Vermögensverwalters Thomas Freiberger aus München hat diese Regel noch einen weiteren Vorteil: Sich daran zu halten, verursacht dem Anleger keine Extrakosten. „Der Verzicht auf Streuung erhöht das Risiko, ohne dass der Anleger mit einer höheren Rendite belohnt wird.”

- The trend is your friend: Auch diese Regel wird oft bemüht. Die Idee: Wer einem Trend oder anders gesagt einer positiven Entwicklung eines Wertpapiers folgt, gewinnt. Steigt der Kurs, bleibt der Anleger dabei, fällt der Kurs, verkauft er die Aktie. „Das hört sich gut an”, sagt Prof. Weber. Aus Sicht des Wissenschaftlers funktioniert das aber für Kleinanleger eher nicht: „Dahinter steckt ja die Idee, dass Kursentwicklungen vorhergesehen werden können.”

Ähnlich sieht das Gottfried Urban, Vorstand der Bayerische Vermögen in Altötting. „Oft kommt die große Masse der Anleger erst am Ende eines großen Trends”, sagt der Finanzfachmann. „Dann muss man verkaufen, wenn der Trend bricht.” Privatanleger sollten sich von Modethemen seiner Ansicht nach ohnehin lieber fernhalten. Allerdings gibt es auch Gegenstimmen: „Aktien, die in der Vergangenheit eine bessere Wertentwicklung relativ zu anderen Aktien aufwiesen, tendieren nachweislich dazu, diese bessere Entwicklung auch zukünftig zu zeigen”, ist Freiberger überzeugt.

Wie aber stellt man den Beginn und das Ende eines Trends fest? „Ein einfaches Mittel ist die 200-Tage-Linie, die aus den letzten 200 Börsentagen berechnet wird”, erklärt Lothar Koch. Steige zum Beispiel der deutsche Aktienindex Dax über diese Kurve, spreche man von einem Kaufsignal, falle er darunter, von einem Verkaufssignal.

- Greife nie in ein fallendes Messer: Diese Regel beschreibt das Gegenteil der Trend-Regel. Denn wenn die Kurse fallen, so die Annahme, sollten Anleger lieber die Finger davon lassen. Schließlich kann niemand wissen, wie weit die Kurse noch fallen.

„Ein Abwärtstrend wird schnell zur Verkaufspanik und somit zu einer Kurslawine”, sagt Christian Fischl. „Ein Paradebeispiel dafür war der Zusammenbruch des Neuen Marktes”, erklärt der Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen aus München. Damals fielen manche Kurse aus großen Höhen sehr tief. Viele Unternehmen erholten sich davon nicht mehr.

- Sell in May and go away - but remember to come back in September: Der Sommer ist Urlaubszeit, auch an der Börse. Warum also nicht die Titel verkaufen, die bis dahin gut gelaufen sind? Dann könnte man die Papiere im September zu günstigeren Preisen wieder kaufen. „Diese alte Börsenregel ist in der Vergangenheit sehr oft eingetreten” sagt Fischl. „Allerdings gibt es immer wieder Jahre, wo genau das Gegenteil eintritt.” Eine Garantie, dass diese Regel aufgeht, haben Anleger also nicht. „Es gibt historisch gute und schlechte Börsenmonate”, sagt Andreas Müller von der IMC Vermögensverwaltung in Mannheim. „Sich alleine darauf zu verlassen, wäre leichtsinnig.”

- Kaufe, wenn die Kanonen donnern: Bricht ein Krieg aus, ist das eine schlechte Nachricht. Die Folge: Kurse an den Aktienmärkten geben nach. Anleger, die in dieser Zeit investieren, können daher profitieren, wenn der Konflikt beendet ist, weil die Kurse der soliden Unternehmen dann wieder steigen. „Das hat sich leider in bedauerlicher Weise als richtig erwiesen”, erläutert Uwe Zimmer. „Die besten Kaufkurse gibt es leider bei Krieg oder Katastrophen”, sagt der Vorstand der Merido Vermögensverwaltung in Köln. „Die Herde verhält sich immer gleich, egal was der Auslöser ist.”

Dennoch sollten Anleger sich von dieser Regel nicht zu sehr beeinflussen lassen, betont Thomas Freiberger. Fehlerhafte Preise könnten entstehen - jedoch in keinem vorhersehbaren Muster, aus dem dauerhaft ein Vorteil entstehen würde. Die Entscheidung für oder gegen eine Aktie sollte daher nicht von den Nachrichten abhängig gemacht werden, sondern von der individuellen Lebensplanung.

- Hin und her macht Taschen leer: Unruhiges Handeln tut Privatanlegern selten gut. Denn wer Wertpapiere häufig verkauft und wieder kauft hat vor allem eines: hohe Kosten. „Wer hektisch viel kauft und wieder verkauft, macht viele Fehler und die Kassen der Banken voll”, sagt Vermögensverwalter Urban. Denn die Geldinstitute kassieren bei jeder Transaktion Gebühren.

Allerdings gibt Prof. Weber zu bedenken: Eine ruhige Hand könne zwar helfen, die Kosten gering zu halten, Anleger sollten ihr Depot aber immer im Auge behalten. Entwickelt sich ein Papier oder eine Anlageklasse grundsätzlich über einen längeren Zeitraum schlecht, kann es durchaus sinnvoll sein, sich davon zu trennen.

- Aktien kaufen und schlafen legen: Dieser Rat stammt vom Altmeister der Börse André Kostolany. Sein Credo: „Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten.” Wer seine Wertpapiere nach vielen Jahren dann wieder anschaut, werde feststellen, dass er reich ist. „Die Zeiten sind vorbei”, urteilt Vermögensverwalter Zimmer. „Der liebe André Kostolany stammt aus einer anderen Ära.” Denn heute gebe es einen regen Informationsaustausch, weltweit vernetzte Börsen und einen schnellen globalen Handel. „Man kann schnell kalt erwischt werden.”

Aus Sicht von Thomas Freiberger wird diese Regel allerdings oft falsch verstanden. „Kaufen und liegenlassen ist nur ein Teil eines erfolgreichen Investmentansatzes”, sagt er. Anleger müssten ihre Wertpapieranlage gut planen. Im Vorfeld jeder Anlageentscheidung erarbeiten sie am besten eine finanzielle Lebensplanung und einen darauf abgestimmten Investmentansatz. Dieser Plan sollte immer wieder an veränderte Umstände angepasst werden. „Wenn Sie diese Hausaufgaben erledigen, dann können Sie ruhig schlafen.”

(dpa)