1. Leben
  2. Geld

München: Vorsicht vor Risiko-Papieren: Firmenanleihen sind nicht immer sicher

München : Vorsicht vor Risiko-Papieren: Firmenanleihen sind nicht immer sicher

Aktien sind nicht die einzige Möglichkeit, in ein Unternehmen zu investieren. Auch mit Anleihen können Anleger vom Firmenerfolg profitieren. Doch gelten dabei andere Spielregeln: „Eine Unternehmensanleihe ist im Grunde ein Kredit, den man nach einer bestimmten Laufzeit mit vorher vereinbarten Zinsen zurückbekommt”, erläutert Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) in München. Der Anleihenbesitzer erwirbt dabei keine Stimmrechte, auch eine Dividende wird nicht gezahlt.

„Anleihen haben ein geringeres Risiko als Aktien”, sagt Bauer. Uneingeschränkt empfehlen kann der Finanzexperte die Anlage aber nicht: „Anleihen großer Unternehmen bringen derzeit kaum Zinsen.” Gut verzinste Papiere sind dagegen riskant: „Wenn Ihnen jemand acht Prozent Zinsen bietet, müssen Sie damit rechnen, Ihr Geld nicht wiederzusehen.”

Zur Vorsicht rät auch der Berliner Rechtsanwalt Wolfgang Schirp: „Auf dem Markt für Mittelstandsanleihen erwartet uns noch eine riesige Welle an Fehlschlägen und Pleiten”, sagt der Jurist, der Gläubiger bei Insolvenzen vertritt. „Vieles, was unter diesem Label verkauft wird, ist alles andere als Mittelstand.” Zur Zeit häuften sich unseriöse Emissionen: „Da will die Hausbank raus aus einem Unternehmen und macht Druck, dass eine Anleihe begeben wird.”

„Der Markt ist voller Tücken, und die Angebote sind für Kleinanleger oft nur schwer zu durchschauen”, bestätigt Wolf Brandes, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Hessen in Frankfurt am Main. „Falls ein gewisses Risiko bei der Geldanlage in Kauf genommen wird, raten wir eher zu Aktien-Indexfonds.” Dennoch könnten festverzinsliche Wertpapiere wie Anleihen ein weiterer Baustein im Depot sein: „Unternehmensanleihen bringen mitunter noch immer mehr Zinsen ein als Staatsanleihen - bei vergleichbarer Bonität.”

Anleger sollten dabei jedoch nicht auf einen einzelnen Titel setzen, sondern das Investment über verschiedene Unternehmensanleihen streuen, empfiehlt Brandes. „Daneben ist es notwendig, sich den Prospekt und das Rating des Papiers sehr genau anzusehen, bevor man es kauft.” Kann die Anleihe an der Börse gehandelt werden - und damit bei Bedarf auch verkauft werden? Gibt es günstigere Alternativen? Das können beispielsweise Bankprodukte sein, die im Insolvenzfall von der Einlagensicherung der Banken geschützt sind.

Wie viel Prozent Rendite dürfen Anleger von seriösen Firmenanleihen erwarten? Bei einer Laufzeit von einem Jahr sei derzeit ein Zinssatz von einem Prozent realistisch, sagt Bauer. „Bei Anleihen mit fünf Jahren Laufzeit können es auch schon mal fünf Prozent sein.” Bei höheren Zinssätzen steige das Risiko entsprechend an. Das Fazit des Experten: „Wenn das Geld nur für einen kurzen Zeitraum investiert werden soll, sind Kleinanleger mit einem gut verzinsten Tages- oder Festgeldkonto besser bedient.”

Anleger sollten beim Erwerb einer Anleihe auf die Laufzeiten achten, rät auch Brandes: „Bei sehr kurzen Laufzeiten ist die Verzinsung oft nicht attraktiv.” Bei einer Laufzeit von zehn Jahren droht dagegen ein Wertverlust, wenn das Zinsniveau steigt und es lukrativere Geldanlagen gibt. „Auch eine Anleihe unterliegt Kursschwankungen”, warnt der Verbraucherschützer. Es könne sein, dass ein Titel für den Rest der Laufzeit nur mit großen Abschlägen zu verkaufen sei. „Eine Laufzeit von fünf Jahren ist deshalb ein guter Mittelweg.”

Neben der Laufzeit und dem Zinsniveau richtet sich der Börsenwert einer Anleihe auch nach der Bonität des Unternehmens. „Man sollte immer nur Anleihen von Unternehmen zeichnen, die in den vergangenen Jahren operativ Geld verdient haben”, sagt der Finanzexperte Bauer. Das folge einer einfachen Logik: „Nur wer Gewinn macht, kann auch seine Schulden zurückzahlen.” Für Einsteiger sei es daher erstmal ratsam, auf große, breit aufgestellte Konzerne zu setzen, um das Risiko so gering wie möglich zu halten.

„Firmenanleihen sind etwas für Anleger, die sich mit dem Markt und den Unternehmensparametern befassen können und wollen”, sagt Schirp. Ein gewisses Risiko gehöre aber dazu: „Wenn man sich nur an die großen Unternehmen hält, schmilzt natürlich auch die Rendite.” Anleger sollten deshalb auf Kapitalausstattung, Schuldenstand, Zinslast und Cashflow eines Unternehmens achten. „Die Eigenkapitalquote sollte mindestens 15 Prozent, besser mehr betragen.” Zudem sollte die Firma in der Lage sein, ihre Schulden innerhalb von fünf Jahren aus dem operativen Gewinn zu begleichen.

Als Beimischung könnten Firmenbonds nicht schaden, meint auch Brandes: „Bei einem breit aufgestelltem Depot sehe ich den Anteil von Unternehmensanleihen bei bis zu zehn Prozent.” Statt auf einzelne Titel zu setzen, sollten Anfänger bevorzugt Anteile an Anleihe-Fonds oder Indexfonds erwerben. „Es gibt im Internet auch Anleihenfinder, mit denen die Papiere nach Kriterien wie Bonität, Laufzeit und Zinsen sortiert werden können.” Wer Spaß daran habe, könne also auch selbst für den richtigen Anleihenmix im Depot sorgen.

(dpa)