Vorsicht mit Computerspiel-Fonds

Vorsicht mit Computerspiel-Fonds

b> Berlin/Hamburg. Computer- und Konsolenspiele - damit kennen sich viele aus. Daddel-Freunde sollten von ihrem Können am Joystick aber nicht Einblicke in Computerspiele als Geldanlage ableiten.

Experten raten Kleinanlegern von solchen Investments ab - und seien sie noch so begeisterte Spieler. Das Risiko sei hoch. Im schlimmsten Fall drohe der Verlust der gesamten Einzahlung.

Die Aussichten klingen verlockend: Für den weltweiten Computerspiele-Markt wird ein riesiges Wachstum erwartet. Laut dem Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) in Berlin stieg der Umsatz im ersten Halbjahr 2009 trotz der Finanzkrise um ein Prozent. Für das Gesamtjahr rechnet der BIU sogar mit einem Anstieg zwischen drei und fünf Prozent - entgegen der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ein guter Trend. Geschlossene Fonds investieren und versprechen Anlegern ein Stück vom Milliardenkuchen.

Peter Kastells Ansicht zu den „Games-Fonds” ist allerdings eindeutig: „Ich wüsste nicht, warum man sich an solchen Fonds überhaupt beteiligen sollte. Es gibt keinen einzigen Grund”, sagt der Geschäftsführer des auf geschlossene Fonds spezialisierten Analyse-Unternehmens Fondsmedia in Hamburg. Zwar gibt es Hinweise auf rosige Aussichten für die Computerspiele-Branche: Die Beratungsgesellschaft Price Waterhouse Coopers rechnet etwa mit einem Anstieg des weltweiten Videospiel-Umsatzes von derzeit 55 auf dann 73 Milliarden Euro im Jahr 2013.

„Damit sind Games eines der am schnellsten wachsenden Segmente in der globalen Unterhaltungsindustrie”, sagt Andreas Graf von Rittberg, Geschäftsführer des Fonds-Anbieters BVT in München. Andere Branchenkenner raten bei den Daddel-Fonds allerdings zu großer Vorsicht. Eine Anlage sei für Laien mit großen Unwägbarkeiten verbunden, sagt Holger Müller-Brandes vom Analysehaus Scope in Berlin: „Es handelt sich dabei um geschlossene Fonds, die grundsätzlich nur für erfahrene Anleger geeignet sind.”

Die Anbieter investieren nicht - wie etwa bei offenen Aktienfonds - in einzelne Unternehmen. Sie finanzieren mit dem eingesammelten Geld bestimmte Spielprojekte. Der Anleger wird an den Gewinnen beteiligt. Wenn das Projekt scheitert, kann er im schlimmsten Fall aber auch sein gesamtes Investment verlieren. Wenn überhaupt, sollten Anleger also besser nur einen kleinen Teil ihres Kapitals in das sehr spezielle Segment stecken.

„Als alleinige Anlageform sind sie aufgrund der Risikostruktur ungeeignet”, sagt Müller-Brandes. Das räumt auch von Rittberg ein: Die Mindestanlagesumme bei seinem Games-Fonds beträgt 5000 Euro. Anleger sollten seiner Empfehlung nach aber nur fünf Prozent ihres gesamten frei verfügbaren Kapitals in einen Spiele-Fonds stecken. Da trennt sich ohnehin schon Normal- vom Großverdiener. Denn 100 000 Euro müssten diesen Zahlen nach mindestens flüssig sein, damit das Investment ratsam ist.

Von Rittberg sieht grundsätzlich zwei Hauptrisiken: „Das eine Risiko ist, dass der Entwickler mit seinem Budget nicht zurechtkommt oder das Spiel nicht in der vorgegeben Zeit fertigstellt. Das zweite Risiko liegt im Vertrieb - niemand kann den Geschmack des Publikums vorhersehen.” Gegen diese Unwägbarkeiten sichere sich sein Unternehmen zwar teilweise ab. Dennoch bleibe ein Restrisiko. „Es ist keine festverzinsliche Anlage, sondern eine unternehmerische Beteiligung.” Und solche haben unkalkulierbare Risiken.

Dabei sind die Renditen nicht gerade üppig. Anleger dürfen nach Angaben von Kastell nicht darauf hoffen, dass ihr eingesetztes Kapital sich so stark vermehrt, wie der weltweite Absatz steigt. Zwar gebe es tatsächlich eine stark steigende Nachfrage nach Computerspielen. Es sei aber falsch, dies einfach auf die Fonds zu übertragen. „Dieses Argument verschleiert, dass es auch Spiele gibt, die floppen.” Da meist nur in eine Handvoll Spiele investiert werde, sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass zumindest ein Teil davon nicht erfolgreich ist.

Wer das Risiko der Anlage in einen Spiele-Fonds eingeht, sollte den Verkaufsprospekt genau lesen. Außerdem sollten Interessierte sich darüber informieren, wie ähnliche Fonds des Anbieters in der Vergangenheit abgeschnitten haben - auch wenn das keine Gewähr für die Erfolgsaussichten in der Zukunft bietet. „Der Anleger sollte sich an etablierte Anbieter mit einer langen Emissionshistorie und nachweisbarer Performance halten”, rät Müller-Brandes. Anlage-Alternativen zu geschlossenen Fonds im Spiele-Markt gibt es kaum. „Wer in den Wachstumsmarkt der Computerspiele investieren möchte, kann alternativ Aktien einzelner Unternehmen erwerben.” Auch hier sei das Risiko aber vergleichsweise hoch.