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Aachen: Telefonaktion: Sind Fonds eine Alternative fürs Geld?

Aachen : Telefonaktion: Sind Fonds eine Alternative fürs Geld?

Sparer leiden wegen der anhaltenden Minizinsen unter Anlage-Notstand. Sind Fonds eine Alternative fürs Geld? Frank Zurloh und Frank Schöndorf vom deutschen Fondsverband BVI gaben am Freitag bei einer Telefonaktion unseren Lesern Hilfestellung und Orientierung zum Fondssparen. Wir veröffentlichen einen Auszug.

Ich habe 2006 Aktienfonds gekauft und gute Gewinne erwirtschaftet. Soll ich die Fonds jetzt besser verkaufen, weil Kursgewinne ab 2018 steuerpflichtig werden, während ich sie jetzt noch steuerfrei realisieren könnte?

Antwort: Wertsteigerungen, die Sie mit Ihren vor 2009 erworbenen Aktienfonds bis Ende 2017 erzielen, bleiben auch künftig steuerfrei. Nur die Wertsteigerungen ab Jahresbeginn 2018 werden künftig grundsätzlich steuerpflichtig sein. Wobei jeder Anleger aber einen Freibetrag von 100.000 Euro hat. Der „normale“ Sparer bleibt daher von der künftigen Steuerpflicht verschont.

Wir möchten unseren Sohn (19 Jahre) mit 50 Euro monatlich für seine Altersvorsorge unterstützen. Ist Fondssparen dafür ratsam?

Antwort: Ja, für einen allmählichen, langfristigen Vermögensaufbau wie in Ihrem Fall würden wir einen Aktienfondssparplan empfehlen. Denn die Erfahrung zeigt, dass mit Aktienfonds auf lange Sicht die höchsten Renditechancen bestehen. Hätten Sie in den vergangenen 35 Jahren jeweils 50 Euro monatlich in Aktienfonds mit deutschen Unternehmen angelegt, so wären aus den insgesamt eingezahlten 21.000 Euro bis heute ein Vermögen von im Schnitt etwa 90.000 bis 100.000 Euro geworden. Mit globalen Aktienfonds war die Rendite etwas niedriger. Weitere Vorteil: Ein Fondssparplan ist sehr flexibel. Es gibt keine festen Laufzeiten und die monatliche Einzahlung kann nach Belieben erhöht, gesenkt oder ausgesetzt werden.

Welchen Vorteil bieten Aktienfonds gegenüber dem Kauf von Einzelaktien?

Antwort: Aktienfonds legen das Geld in Aktien von vielen Unternehmen an. Durch die große Zahl verschiedener Aktien wird das Schwankungsrisiko breit gestreut und damit insgesamt gemindert. Sollte die eine oder andere Aktie im Kurs fallen, kann das durch viele andere, deren Entwicklung positiv ist, ausgeglichen werden. Um diesen Effekt bei einer Anlage in Einzelaktien zu erzielen, müssten Sie schon etwa 50 verschiedene Aktien auswählen und kaufen.

Seit Jahren haben wir 60.000 Euro Tagesgeld. Wir würden auch Kursschwankungen akzeptieren, wenn dadurch wieder Rendite erzielt werden kann. Vielleicht also Fonds? Was schlagen Sie vor?

Antwort: Grundsätzlich sollten Sie Ihr Vermögen auf mehrere Anlageklassen aufteilen, also Aktien- und Mischfonds, Immobilienfonds und eine Reserve für Notfälle auf dem Tagesgeldkonto. Für Fonds sollten Sie einen Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren haben. Details besprechen Sie am besten mit Ihrem Berater. Er kann Ihnen Fonds vorschlagen, die auf Ihre persönlichen Anlageziele und Ihre Risikomentalität zugeschnitten sind. Fonds bieten mittel- bis langfristig attraktive Renditechancen, wobei der Anleger gewisse Schwankungen aushalten muss.

Sind Fonds sichere Anlagen? Was passiert, wenn die Fondsgesellschaft zahlungsunfähig wird?

Antwort: Fonds sind konkurssicher. Dass Fondsvermögen der Anleger ist Sondervermögen. Es wird getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft und steht den Anlegern auch im unwahrscheinlichen Fall einer Zahlungsunfähigkeit zur Verfügung.

Was halten Sie von Offene Immobilienfonds?

Antwort: Das sind grundsätzlich gute und sichere Anlagen, und als Beimischung für einen Teil des Vermögens geeignet. Offene Immobilienfonds sind schwankungsarm und als sachwertorientierte Anlage inflationsgeschützt.

Seit einigen Jahren habe ich Anteile an einem offenen Immobilienfonds. Nun habe ich gelesen, dass die Fondsgesellschaft keine neuen Anteile mehr verkauft. Muss ich mich sorgen?

Antwort: Nein, derzeit strömen viele Gelder in offene Immobilienfonds. So viel kann die Fondsgesellschaft aber nicht kurzfristig in werthaltige Immobilien anlegen. Der Verkaufsstopp ist daher im Sinne der bisherigen Anleger, denn eine zu große Bargeldhaltung des Fonds würde die Rendite verwässern. Wenn die zu hohe Liquidität in Immobilien neu angelegt ist, wird die Gesellschaft den Verkaufsstopp aufheben.

Soll man weiterhin auf Aktienfonds setzen oder jetzt zu Höchstkursen verkaufen?

Antwort: Nach den kräftigen Kurssteigerungen der vergangenen Jahre müssen Anleger mit Rückschlägen rechnen. Doch Aktienfonds dürften langfristig attraktiv bleiben. Sowohl die deutsche Wirtschaft als auch der internationale Handel wachsen weiter. Die Frage ist, was wollen Sie mit dem Geld aus einem Verkauf machen? Verzinste Anlagen sind bei den Minizinsen kaum eine Alternative.

Was heißt Volatilität?

Antwort: Fonds unterliegen, ebenso wie einzelne Wertpapiere, Wertschwankungen. Die Schwankungsbreite bezeichnet man als Volatilität. Hohe Volatilität bedeutet große Wertschwankungen, niedrige Volatilität geringe Wertschwankungen.

Lohnt es sich jetzt noch Dividendenfonds zu kaufen?

Antwort: Wenn Sie regelmäßige Auszahlungen haben wollen, ist das mit verzinsten Papieren aufgrund der extrem niedrigen Zinsen kaum noch möglich. Dividendenfonds können da eine Alternative sein. Investieren Sie angesichts der gestiegen Aktienkurse am besten Schritt für Schritt, also nichts alles auf einmal.

Wie hoch sind die Ausschüttungen von Dividendenfonds?

Antwort: Anleger können mit etwa drei Prozent jährlich rechnen. Hinzu kommen mögliche Kurssteigerungen.

Ich bin 29 Jahre alt habe seit fünf Jahren vier Sparpläne in vier gemischte Fonds. Ist das so okay oder soll ich was ändern?

Antwort: Langfristig bieten Aktienfonds die höheren Gewinnchancen. Da Sie jung sind und langfristig sparen wollen, würde ich von den vier Sparplänen zwei stilllegen, das heißt nicht weiter ansparen, und stattdessen zwei neue Sparpläne mit Aktienfonds beginnen, um so höhere Ertragschancen zu nutzen.

Soll ich eher auf ETFs (Exchange Traded Funds) setzen?

Antwort: ETFs sind kostengünstige Fondsanlagen, die einen bestimmten Index abbilden. Die Frage ist, ob Sie auf einen Index setzen wollen. Mit einem ETF können Sie eben auch nicht besser abschneiden als der zugrunde gelegte Index.

Ich bin 77 Jahre, bin ich damit zu alt für eine Anlage in Aktienfonds?

Antwort: Nein, für eine Aktienanlage ist man nie zu alt. Unabhängig vom Alter ist für eine erfolgreiche Anlage eine breite Streuung über verschiedene Anlageklassen erforderlich. Und dazu gehören auch Aktien. Ziehen Sie im Zweifel Ihre Erben hinzu.

(red)