So legen Sie Einspruch gegen den Steuerbescheid ein

Berlin: So legen Sie Einspruch gegen den Steuerbescheid ein

Nach Abgabe der Steuererklärung dauert es durchschnittlich sechs bis acht Wochen, bis das Finanzamt den Steuerbescheid verschickt. Diesen sollten Sie nach Erhalt sorgfältig prüfen, denn nicht immer berücksichtigt die Behörde alle Positionen, die Sie in Ihrer Steuererklärung angegeben haben.

Stellen Sie Fehler oder eine Nichtberücksichtigung relevanter Positionen in Ihrem Steuerbescheid fest, können Sie Einspruch gegen diesen einlegen.

Wer glaubt, dass sich ein Einspruch gegen den Steuerbescheid nicht lohnt, der irrt: Rund 80 Prozent aller Einsprüche sind statistisch gesehen erfolgreich. Das bedeutet allerdings nicht, dass alle geänderten Bescheide auch wirklich fehlerhaft waren.

Oftmals handelt es sich auch um Fälle, in denen Angaben nachgeholt und Unterlagen eingereicht wurden, nachdem ein Einspruch geltend gemacht wurde. Dadurch ändert sich der Sachverhalt, und der Steuerbescheid kann entsprechend angepasst werden. Statistiken zeigen, dass nur etwa 13 Prozent aller Einsprüche tatsächlich abgelehnt werden - es kann sich also durchaus lohnen, Einspruch einzulegen.

So können Sie Ihren Steuerbescheid prüfen

Für alle Berufstätigen, die ihre Steuererklärung mit einem PC-Programm oder vergleichbarer Online-Software erstellt haben, ist das Überprüfen des Steuerbescheids meist einfach. Diese Programme zeigen bereits im Voraus an, wie hoch die Steuererstattung vermutlich ausfällt. Weicht diese deutlich vom Steuerbescheid ab, lohnt sich ein genauerer Blick auf die einzelnen Positionen.

Dazu ist es aber notwendig, dass Sie alle relevanten Unterlagen aufbewahrt haben - nur so können Sie nachvollziehen, was Sie in der Steuererklärung angegeben haben und was vom Finanzamt berücksichtigt wurde. Im sogenannten Erläuterungsteil des Steuerbescheids muss die Behörde die Positionen aufführen, die sie nicht berücksichtigt beziehungsweise gestrichen hat. Nicht immer werden dort aber tatsächlich alle Punkte genannt.

Hilfe eines Profis in Anspruch nehmen

Besonders, wenn es um komplexere Positionen in der Steuererklärung geht, stoßen Laien schnell an die Grenzen ihres steuerrechtlichen Wissens. Doppelte Haushaltsführung, ein häusliches Arbeitszimmer und vergleichbare Punkte werden vom Finanzamt gerne gestrichen.

Wie es aber tatsächlich mit der Rechtslage aussieht und ob Sie Anspruch auf das Absetzen der Positionen haben, ist nicht auf den ersten Blick deutlich. Haben Sie Fragen oder bestehen Unklarheiten, können Sie zunächst die Finanzbehörde selbst kontaktieren und sich den Sachverhalt von Ihrem Sachbearbeiter erklären lassen.

Oftmals lösen sich Unstimmigkeiten bereits in einem solchen Gespräch auf. Ist dies nicht der Fall, haben Sie die Möglichkeit, einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein hinzuzuziehen und sich so von einem Experten beraten lassen.

Wie legen Sie Einspruch gegen den Steuerbescheid ein?

Die Frist für einen Einspruch beträgt einen Monat ab Zugang des Steuerbescheids. Sie beginnt ab dem dritten Tag nach dem Datum auf dem Bescheid - auch wenn dieser früher oder später bei Ihnen im Briefkasten landet.

Aus diesem Grund sollten Sie mit der Prüfung der Unterlagen nicht zu lange warten, denn nach der einmonatigen Frist eingereichte Einsprüche werden nicht mehr berücksichtigt. Fällt der Stichtag auf einen Sonn- oder Feiertag, gilt automatisch der nächste Werktag als letzter möglicher Tag für den Einspruch. Grundsätzlich ist ein Einspruch gegen den Steuerbescheid schriftlich, elektronisch oder zur Niederschrift einzureichen.

Das bedeutet, dass Sie dies entweder per Brief, per Fax oder (sofern Ihr zuständiges Finanzamt dies anbietet) per E-Mail tun können. Alternativ können Sie auch die Behörde aufsuchen und dort persönlich Ihr Anliegen vortragen.

Für den Einspruch gegen den Steuerbescheid sollten Sie dem Finanzamt deutlich und unmissverständlich mitteilen, warum Sie widersprechen, und auch die relevanten Positionen und Sachverhalte exakt darstellen. Ein unbegründeter Einspruch wird eher abgelehnt und erschwert der Behörde die Bearbeitung.

Weist der Steuerbescheid deutliche Fehler auf und bemerken Sie dies erst nach Ablauf der Widerspruchsfrist, haben Sie die Möglichkeit, einen Antrag auf "Wiedereinsetzung in den vorigen Stand" zu stellen.

Wird diesem stattgegeben, ist auch zu einem späteren Zeitpunkt noch ein Einspruch möglich. In diesem Fall müssen Sie aber glaubhaft begründet, warum Sie die Frist nicht einhalten konnten - beispielsweise durch einen Urlaub oder einen Krankenhausaufenthalt.

Einspruch oder Änderung des Bescheids?

Auch ohne einen offiziellen Einspruch ist eine Änderung des Steuerbescheids möglich. So können Sie eine Änderung beantragen und in diesem Zuge aufführen, welche Positionen Sie geändert haben möchten. Das ist beispielsweise dann sinnvoll, wenn Sie vergessen haben, relevante Angaben zu machen oder Sie etwa einen Zahlendreher oder einen vergleichbaren Fehler im Bescheid entdecken.

Der Unterschied zu einem Einspruch besteht darin, dass der Bescheid nur in den genannten Punkten geändert wird und sich die Überarbeitung nicht auf den gesamten Steuerbescheid erstreckt. Auch hier gilt eine einmonatige Frist; der Antrag muss aber keiner bestimmten Form entsprechen.

Im Falle eines Einspruchs besteht auch die Möglichkeit, dass der Bescheid im Zuge der Überarbeitung zu Ihren Ungunsten geändert wird - Experten sprechen in diesem Fall von einer Verböserung. Allerdings muss die Behörde genau nachweisen, wie es zu dieser Entscheidung kam, und es muss Ihnen ebenso die Möglichkeit geben werden, sich zu äußern. Sie können dann den Einspruch zurückziehen, bevor der neue Bescheid vollstreckt wird.

Erhalten Sie einen Steuerbescheid, der deutlich macht, dass sich das Finanzamt zu Ihren Gunsten geirrt hat, sind Sie übrigens nicht verpflichtet, diesen Irrtum bei der Behörde anzuzeigen - sofern Sie bei Ihrer Steuererklärung korrekte Angaben gemacht haben.

(vo/dpa)