Biallos Ratgeber: So können Sie ein Genosse werden

Biallos Ratgeber : So können Sie ein Genosse werden

Seit 2005 haben sich in Deutschland allein 855 neue Genossenschaften der Energiewende verschrieben und dafür 1,8 Milliarden Euro investiert.

Doch auch auf vielen anderen Feldern wie beispielsweise der medizinischen Versorgung auf dem Land, kulturellen und sozialen Projekten, E-Mobilität oder alternativen Wohnformen schließen sich Menschen zusammen, um – getreu dem Motto der Gründerväter Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch – gemeinsam zu schaffen, was einer allein nicht schaffen kann.

Die Genossenschaftsidee: Menschen mit gleichen Interessen bilden eine Gemeinschaft zum gegenseitigen Nutzen auf der Basis von Freiwilligkeit, Selbstverantwortung, Solidarität und Demokratie. Unabdingbar dabei und im Genossenschaftsgesetz geregelt: „Jedes Mitglied hat eine Stimme“, unabhängig von Position und Genossenschaftsanteilen. Die im 19. Jahrhundert entwickelte Organisationsform ist heute weltweit verbreitet und seit 2016 Deutschlands erster Eintrag auf der Unesco-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit.

Spektrum der Genossenschaften: Man findet sie in sämtlichen Wirtschaftsbereichen und – seit einer Reform 2006 – auch vermehrt mit sozialen, kulturellen, entwicklungs- und umweltpolitischen Zielen. So beispielsweise die 2013 gegründete LebensWeGe Aachen eG. Sie plant und realisiert Wohnprojekte für ein „solidarisches Nachbarschaftsverhältnis“. Die nach ökologischen Kriterien errichteten Wohnanlagen mit Gemeinschaftsräumen sollen ein „selbstbestimmtes Wohnen in selbst organisierten Lebenszusammenhängen . . . bis ins hohe Alter“ ermöglichen. Von den insgesamt etwa 8000 Genossenschaften in Deutschland gibt es die meisten (rund 2200) im Agrarsektor, während Volks- und Raiffeisenbanken (875) mit 18,5 Millionen die bei weitem mitgliederstärksten sind. Eine wichtige Rolle spielen außerdem die Baugenossenschaften (rund 2000), die über zehn Prozent des Wohnungsbestands in Deutschland verfügen.

Genosse werden: Wer einer Genossenschaft beitreten möchte, etwa um eine günstige Wohnung zu bekommen, sollte sich zunächst gründlich informieren. Denn auch hier gibt es ein paar schwarze Schafe. Ein Warnsignal sind beispielsweise hohe Renditeversprechen. Die Stiftung Warentest hat dazu eine Warnliste herausgegeben (kostenpflichtig unter test.de/warnliste). Bei Interesse vereinbart man in der Regel ein Beratungsgespräch, bei dem man Einsicht in die Satzung erhält. Sie gibt Auskunft über die praktische Organisation, Personalstruktur, Ein- und Austritt, Höhe eines Anteils, Rückvergütung und Haftungsfragen. Weitere Informationen über Wirtschaftlichkeit, Verwendung des Kapitals, Rücklagen und anderes liefern die Prüfberichte der vergangenen Jahre.

Eine Genossenschaft gründen: Dafür genügen schon zwei weitere Mitstreiter. Ein bestimmtes Startkapital ist genauso wenig nötig wie die Dienste eines Notars. Einfach loslegen geht allerdings auch nicht. Zunächst heißt es, Geschäftsplan und Satzung – eventuell mit Unterstützung eines Regionalverbandes – auszuarbeiten. Es folgt die Gründungsversammlung, bei der Vorstand und Aufsichtsrat (nur bei mehr als 20 Mitgliedern) bestimmt und die Satzung durch Unterschrift verabschiedet wird. Anschließend begutachtet einer der Prüfungsverbände Gesetzmäßigkeit und Erfolgsaussichten der Genossenschaft in Gründung. Ist diese Hürde genommen, erfolgt die Anmeldung beim Registergericht.

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers.

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