Frankfurt/Main: Sinkende Zinsen: Beim Baugeld geht jedoch die Schere auseinander

Frankfurt/Main: Sinkende Zinsen: Beim Baugeld geht jedoch die Schere auseinander

Bauherren profitieren derzeit von sinkenden Zinsen für Hypothekendarlehen. Aber auch eine zweite Tendenz ist zu beobachten - hier geht der Zins zum Nachteil der Verbraucher nach oben: „Wer nur zehn Prozent oder weniger an Eigenmitteln mitbringt, erhöht das Risiko für seine Finanzierung. Und das lassen sich die Banken in der Finanzkrise derzeit besser bezahlen”, sagte Max Herbst von der unabhängigen Finanzberatung FMH in Frankfurt.

„Und so wird die Finanzierung für alle, die ein Fünftel oder mehr Geld bereits mitbringen, billiger - und für die anderen teurer.”

Im Schnitt beträgt der Zins für ein Darlehen auf 10 Jahre derzeit 4,4 Prozent, auf 15 Jahre sind es laut FMH 4,73 Prozent. Im vergangenen November wurden Baudarlehen noch für durchschnittlich mehr als 5 Prozent angeboten. „Die jüngsten Leitzinssenkungen durch die Europäische Zentralbank machen sich also für Bauherren positiv bemerkbar”, sagte Herbst.

Die Zinsaufschläge, die Banken üblicherweise für Kreditaufnahmen von 90 Prozent des Gesamtpreises oder mehr verlangen, seien im Gegenzug allerdings gestiegen. Bei mancher Bank liege der Aufschlag mittlerweile um mehrere Zehntelprozentpunkte höher als früher. „Die Banken wollen Risiken stärker aus dem Geschäft heraushalten”, sagte Herbst zur Erklärung - auch das sei eine Auswirkung der Finanzkrise.

Wer für die Baufinanzierung nur geringe Barmittel einsetzt und einen vergleichsweise hohen Anteil über den Kredit finanziert, sollte möglicherweise seinen Bankberater darauf ansprechen, ob sich das Finanzierungsvolumen unter 90 Prozent drücken lässt. Einige Tausend Euro könnten zum Beispiel bei einem anderen Anbieter oder über einen Ratenkredit finanziert werden - dann falle der Zinsaufschlag geringer aus, und das könne sich unter dem Strich lohnen.

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