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Stuttgart: Sicherheit im Anlagedschungel: Fünf Tipps für Vorsichtige

Stuttgart : Sicherheit im Anlagedschungel: Fünf Tipps für Vorsichtige

Die Börse kann spannend sein. Minütlich verändern sich die Kurse, eine Aktie steigt im Wert, die andere verliert. Und mittendrin: Experten, die mit diesen Papieren handeln. Die ihr Geld oder das von Fremden einsetzen, um aus den sich ständig ändernden Kursen Profit zu schlagen.

Die die Hektik sogar genießen. Die meisten Sparer aber haben ein anderes Gemüt. Sie wollen vor allem Sicherheit. Mit ein paar grundlegenden Tipps können sie die Angst vor Investitionen reduzieren - auch ohne täglich die Börsenkurse studieren zu müssen.

1. Ziele und Zeitraum festlegen: Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart fragt seine Kunden zu Beginn eines Beratungsgesprächs als Erstes: „Wie lange möchten Sie das Geld anlegen und welche Ziele haben Sie?” Es sei etwas anderes, ob ein Sparer seine Euro nur für fünf Jahre anlegen wolle, um sich davon ein neues Auto zu kaufen, oder ob er ein Ziel verfolge, das weiter in der Zukunft liege, etwa die neue Heizungsanlage im Haus oder die Ausbildung der neugeborenen Kinder. „Vom Ziel hängt auch ab, wie vorsichtig man sein muss”, sagt Nauhauser. Denn was der Anleger wissen sollte: „Übertriebene Vorsicht kostet Rendite.”

2. Die breite Streuung machts: Wie viel Risiko kann ich vertragen? Auf wie viel Geld muss ich permanent zurückgreifen können? Honoraranlageberater Thomas Wegner aus Freiburg rät, das Vermögen aufzuteilen. „Wenn man es erst in fünf bis zehn Jahren benötigt, empfehle ich, etwa 80 Prozent auf Tages- oder Festgeldkonten beziehungsweise festverzinsliche Wertpapiere zu verteilen und 10 bis 20 Prozent auf Aktienfonds.” Durch den kleinen Anteil an Aktienfonds könne die Rendite erhöht werden.

Auch Nauhauser rät zur Aufteilung und einem gewissen Prozentsatz an Fondspapieren. Das sei machbar für Menschen, die ihr Geld über längere Zeit nicht bräuchten und kleinere Verluste akzeptieren könnten. „Wenn ich 10.000 Euro zur Verfügung habe und davon 2000 in einen Exchange Traded Fund investiere, der den MSCI World Index abbildet, kann der Verlust am Ende maximal 1000 Euro betragen”, ist er sich sicher. Der Verlust könne aber durch die anderweitig investierten 8000 Euro aufgefangen werden.

3. Nur das kaufen, was ich verstehe: „Sparer müssen verstehen, was mit ihrem Geld passiert”, sagt Wegner. Geldanlagen seien etwas sehr Abstraktes, viele Menschen hinterfragten die Produkte nicht, weil sie sie nicht verstehen. „Das betrifft den Akademiker genauso sehr wie den Nicht-Akademiker.” Aber es gehe schließlich um Verantwortung, die sie für sich selbst übernehmen.

Wenn ein Berater Kunden ein Produkt mit garantiert hoher Sicherheit und gleichzeitig hoher Rendite empfiehlt, müssten diese kontrollieren, was die Garantie wert sei. „Wenn man in die Prospekte reinschaut - die haben manchmal 40 bis 80 Seiten -, sind die Versprechen oft nichts wert.”

Nauhauser rät aber, es an diesem Punkt nicht zu übertreiben. „Diese Regel schützt allenfalls vor einigen besonders fragwürdigen Produkten.” Aber so ganz verstünden die meisten Anleger selbst als völlig sicher geltende Tagesgeldkonten nicht. Das müsse sie aber nicht davon abhalten, eins anzulegen.

4. Es gibt keine Geschenke: Wer auf ein Produkt stößt, das einem neben hoher Sicherheit auch hohe Rendite verspricht, sollte genau hingucken. Denn diese beiden Ziele schließen sich aus: „Je höher der Zins, desto höher das Risiko”, sagt Erk Schaarschmidt von der Verbraucherzentrale Brandenburg in Potsdam. Selbst fünf- bis zehnjährige festverzinsliche Anlagen würden momentan nicht mit einem Zins von mehr als drei Prozent angeboten. „Wenn das Angebot höhere Zinsen verspricht, muss irgendwo ein Fallstrick sein.”

Schaarschmidt empfiehlt, sich etwa auf Vergleichsportalen im Internet einen Überblick über Anlagemöglichkeiten zu verschaffen. Und: „Längere Angebote als ein bis zwei Jahre würde ich bisher nicht eingehen wollen, weil die Zinsen demnächst wieder steigen sollen.”

5. Kosten checken: Für Aktien, Anleihen oder Fonds fallen Transaktionskosten an. Die können von Bank zu Bank unterschiedlich sein und die Rendite erheblich schmälern. Direktbanken, bei denen man Depots im Internet einrichtet, sind in der Regel günstiger als Filialbanken, bei denen einem ein Berater persönlich hilft.

„Die Kosten sind entscheidend, gerade in einer Niedrigzinsphase”, sagt Nauhauser. Eine Aufstellung darüber fänden Sparer in den Produktinformationen. Bei Aktienfonds beispielsweise seien Kosten von 1,5 Prozent üblich. Wer hier die Kosten auf ein Minimum senken wolle, solle auf Exchange Traded Funds setzen. Da diese nicht aktiv von einem Broker gemanagt werden, seien sie günstiger als andere Fonds.

(dpa)