Berlin/Aachen: Semesterkarte und Prüfungsordnung: Unirückkehrer müssen viel beachten

Berlin/Aachen: Semesterkarte und Prüfungsordnung: Unirückkehrer müssen viel beachten

Der Lebensgefährte ist krank, das Kind gerade geboren oder es lockt ein gutes Praktikum. Für die Unterbrechung eines Studiums gibt es viele Gründe. Vor dem Ausstieg aus der Uni sollte man aber bereits an den Wiedereinstieg in den Hochschulalltag denken.

Eigentlich ist es kein Problem, sein Studium zu unterbrechen und nach ein paar Urlaubssemestern wieder einzusteigen. Allerdings müssen Studenten, die in Elternzeit waren und solche, die krank waren oder Angehörige gepflegt haben, einige bürokratische Hürden nehmen und ihre Rückkehr gut vorbereiten.

Zum einen gelten für Universitätsrückkehrer die Anmeldefristen zum Sommer- und Wintersemester. Wer im Wintersemester sein Studium wiederaufnehmen möchte, sollte daran denken, schon im Sommer die Semestergebühren zu überweisen, sagt Helga Wilhelmer von der Universität Oldenburg.

Zum anderen sollten sich Hochschulrückkehrer rechtzeitig bei ihren Prüfungsämtern erkundigen, welche Studienordnung für sie gilt. Bei längeren Auszeiten hätten sie sich möglicherweise geändert, erklärt Wilhelmer. Wer etwa noch ein Magisterstudium angefangen hat, muss dies vielleicht mittlerweile als Bachelor- und Masterstudium beenden. Zwar gibt es lange Übergangszeiten. „Aber man muss sich vorher erkundigen”, sagt Linda Wilken von der Sozialberatung des Studentenwerks in Hannover.

Ähnliches gilt für bereits gemachte Scheine. „Die verfallen nicht”, erklärt Wilhelmer. Allerdings gibt es für bestandene Seminare inzwischen keine Scheine mehr, sondern Credit-Points. Und da kann es durchaus sein, dass früher erworbene Leistungen inzwischen nicht mehr benötigt werden. In so einem Fall sollte man der bei der Prüfungskommission beantragen, dass sie dennoch anerkannt werden.

In einem sind sich die Experten einig: Auch wenn es vielleicht besser wäre, nach einer längeren Pause langsam wieder einzusteigen und das Lernen wieder zu lernen. Durch das Bachelor- und Mastersystem ist das so gut wie ausgeschlossen. „Es gibt keine Chance, langsam reinzukommen. Ich bin sofort in der Maschinerie drin”, erklärt Wolfgang Loggen von der Studienberatung der Technischen Hochschule Aachen.

Übereinstimmend raten die Fachleute daher, sich auch während des Urlaubssemesters nicht völlig von der Hochschule zu entfernen. „Es ist ratsam, am Ball zu bleiben, damit man nicht aus dem Lernprozess rausfällt”, sagt Loggen. Daher sollten Studenten auch während des Urlaubssemesters zu Lehrveranstaltungen gehen und gelegentlich einen wissenschaftlichen Text lesen. Es sei wichtig, dass man nicht nur Mutter, Vater oder pflegender Angehöriger ist, sondern auch weiterhin an sich selbst und seine Zukunft denkt, sagt Wilhelmer.

Genauso wie Studienanfänger sollten auch Studienrückkehrer ihren Alltag anfangs ordentlich strukturieren und planen. Sie müssten sich erst mal wieder orientieren im Hochschulalltag, sagt Wilken. Sie rät daher dazu, sich feste Lern- und Arbeitszeiten zu setzen.

Wichtig ist auch, dass Studenten während der Auszeit ihren Versicherungsstatus im Auge behalten. Möglichst bevor man sein Studium unterbricht, sollte man hier bereits die Weichen für seine Rückkehr stellen, sagt Wilken. Wer etwa wegen der Elternzeit sein Studium unterbricht und in dieser Zeit in die private Krankenversicherung des Mannes wechselt, kann bei Wiederaufnahme des Studiums nicht ohne weiteres in die gesetzliche Krankenkasse zurückkehren.

Studenten, die aus der Elternzeit kommen, sollten sich rechtzeitig um eine Betreuung für ihren Nachwuchs kümmern. Denn sie sind nicht die Einzigen, die zu den Stichtagen 15. April oder 15. Oktober einen freien Platz in einer Kindertagesstätte suchen. In städtischen Kindergärten werden die Plätze meist zum 1. August frei, da die schulpflichtigen Kinder danach zur Schule gehen, sagt Volkmann. Wer dann erst zum Oktober sucht, ist meist zu spät dran.

Außerdem sollten sich Eltern um einen Zuschuss zum Semesterticket und Essensgutscheine für die Mensa kümmern. Denn Kinder essen mindestens bis zum zehnten Lebensjahr kostenlos in der Uni-Kantine, sagt Christin Eisenbrandt vom Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften in Berlin. Auch sollten Rückkehrer einen erneuten Antrag auf Bafög stellen, wenn das Mutterschaftsgeld ausgelaufen ist. Denn hier bekommen Studenten mit Kind einen zusätzlichen Freibetrag in Höhe von 435 Euro.

Wer wegen einer psychischen Erkrankung sein Studium unterbrechen musste, kann sich bei der Wiedereingliederung in den Universitätsalltag Hilfe holen. In Hannover gibt es etwa Gruppen für psychisch Genesene, die sich regelmäßig treffen. Und wer aus einer Erkrankung eine Behinderung davonträgt, sollte klären, inwieweit die Hochschule Barrierefreiheit sicherstellt, rät Eisenbrandt. Sollte die Hochschule noch nicht barrierefrei sein, ist sie verpflichtet nachzurüsten.

Urlaub vom Studium

Studenten können während ihres Studiums schriftlich ein Urlaubssemester beantragen. Gründe für eine Beurlaubung können laut der Freien Universität Berlin ein Auslandsaufenthalt, ein Praktikum, Krankheit, Mutterschutz, Elternzeit oder die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger sein. Dabei zählt ein Urlaubssemester nicht als Fachsemester, sondern nur als Hochschulsemester und gehört daher nicht zur Studienzeit. In der Regel wird die Beurlaubung jeweils nur für ein Semester gewährt.

Mehr von Aachener Zeitung