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München: Schritt für Schritt zum eigenen Depot: So gelingt der Einstieg

München : Schritt für Schritt zum eigenen Depot: So gelingt der Einstieg

Wer sein Erspartes selbst anlegt, spart teure Provisionen. Es war noch nie so einfach wie heute: „Das Thema Geldanlage ist demokratisiert worden - im Grunde hat heute jeder Zugang zum Markt”, sagt Andreas Beck, Leiter des Instituts für Vermögensaufbau (IVA) in München. „Früher musste man zu einem Vermögensverwalter gehen, der den Marktzugang hatte und das Anlagevermögen managte.” Heute müssen sich Anleger entscheiden, ob sie ihr Geld in fremde Hände geben oder nicht.

Wer selbst Wertpapiere erwerben will, benötigt zunächst ein Depot. Der Einstieg ist bereits mit wenig Geld zu machen: „Es gibt keine vorgeschriebene Mindestsumme für die Eröffnung eines Depots”, sagt Ulrich Kirstein, Pressesprecher der Bayerische Börse AG in München. „Damit es sich unter Anlagegesichtspunkten lohnt, sollte man aber mindestens 5.000 Euro investieren.” Allerdings sagt Kirstein auch: „Man sollte schon eine gewisse Wirtschaftsaffinität mitbringen.” Wer keine Lust habe, sich um alles selbst zu kümmern, für den sei ein Fondssparplan bei einer Bank womöglich die bessere Alternative.

Der erste Schritt ist die Wahl der richtigen Bank: „Das Depot muss zu den Bedürfnissen des Anlegers passen”, sagt Ralf Scherfling, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Dabei sollte man auch auf die Kosten achten: Wie hoch sind die jährlichen Gebühren für das Depot? Wie hoch sind die Gebühren für eine Order? „Wer sein Depot regelmäßig aktiv gestaltet, für den sind niedrige Transaktionsgebühren wichtiger.” Wer selten etwas verändere, solle auf eine geringe Jahresgebühr achten. Bei vielen Direktbanken sei die Depotführung sogar kostenlos.

„Der Vorteil von Direktbanken sind die niedrigen Kosten”, bestätigt Kirstein, der auch das Ratgeberbuch „Börse für Dummies” mitverfasst hat. „Dafür gibt es allerdings keine Beratung wie bei der Hausbank.” Die nötigen Formulare können meist online ausgedruckt oder am Telefon angefordert werden. Daneben braucht es einen Identitätsnachweis, der gegen Vorlage eines Ausweises in jeder Postfiliale ausgestellt wird (Postident-Verfahren). Die Zugangsdaten kommen dann per Post - nun können Aktien und andere Wertpapiere gekauft werden.

Doch wie funktioniert das? „Sie können bei uns auf der Website der Münchener Börse Aktien kaufen, indem Sie Ihre Bank aus einer Liste auswählen und sich dort in Ihr Online-Depot einloggen”, erklärt Kirstein. „Die Bank überprüft dann, ob genügend Geld da ist und löst die Order aus, die wir so schnell wie möglich ausführen.” Vor der Depot-Eröffnung sollten sich Anleger deshalb erkundigen, welche Fonds eine Bank anbietet und an welchen Börsen die Bank Aktien kauft.

„Geld selbst anzulegen, ist alles andere als trivial”, warnt Finanzberater Beck. „Bei einer Direktbank müssen Sie sich für eine Anlageklasse entscheiden, dann ein bestimmtes Produkt auswählen und überlegen, an welcher Börse das gehandelt wird.” Schließlich müsse man noch entscheiden, ob der Titel mit oder ohne Limit geordert werde. Das bedeutet: Man muss festlegen, zu welchem Preis man bereit ist, ein Wertpapier zu erwerben. Zudem rät Beck, darauf zu achten, ob die Bank einen Aufschlag verlangt, wenn Fondsanteile ausgegeben werden: „Fünf Prozent Ausgabeaufschlag sind nicht mehr zeitgemäß.”

Der Anlageprofi sagt: „Natürlich ist es billiger, selbst zu kochen, als essen zu gehen. Aber gute Sterneküche kann eben nicht jeder.” Wer Spaß und Interesse daran habe, einen Teil seines Geldes selbst zu verwalten, könne das tun. „Aber zu glauben, das sei immer besser, ist falsch.” Privatanleger litten an Selbstüberschätzung, sagt Beck. Viele hätten sofort eine Meinung zu einer bestimmten Aktie. „Echte Experten sind da viel zurückhaltender in ihren Einschätzungen.”

Doch was sollte rein ins Anfänger-Depot? „Egal ob Aktien, Fonds oder Sparpläne - man sollte immer vorher wissen, was man kauft”, sagt Scherfling. Prinzipiell sei es kein Problem, dem Depot auch Anlageklassen beizumischen, die in Rohstoffe oder Immobilien investieren. Anfängern empfehle er jedoch, statt Einzeltitel lieber Investmentfonds zu erwerben: „Ein breit gestreuter Fonds hat ein geringeres Risiko, da der Einfluss einzelner Werte auf das Ergebnis gering ist.” Einzelne Aktien böten zwar bessere Renditechancen, brächten aber auch ein größeres Verlustrisiko.

„Wer auf Einzeltitel setzt, sollte das nie mit Geld machen, das dringend benötigt wird”, rät Scherfling. Würden sich die Kurse nicht wie gewünscht entwickeln, sollte man die Zeit haben, das Investment auch mal ruhen zu lassen. „Privatanleger sind auf jeden Fall mit Indexfonds besser bedient als mit einer Einzeltitel-Auswahl”, sagt auch Beck. Generell solle man investieren und nicht spekulieren. Also auf Anlagen setzen, bei denen allein schon das Halten der Titel einen Ertrag bringt - ohne auf kurzfristige Kurssprünge zu wetten.

„Ich würde einem Anfänger nicht davon abraten, einzelne Aktientitel zu kaufen”, sagt dagegen Börsen-Sprecher Kirstein. „Im Vergleich zu Fonds kostet das weniger Gebühren, und es macht schließlich auch Spaß.” Generell solle man bei Aktien auf die Dividende achten: „Wenn regelmäßig eine Dividende ausgeschüttet wird, ist das wie eine zusätzliche Verzinsung.” Die Entwicklung ihres Depots sollten Anleger mehrmals im Jahr überprüfen, rät Kirstein. „Der alte Rat, Aktien zu kaufen und 20 Jahre liegen zu lassen, gilt nicht mehr.”

Man sollte alle Geldanlagen regelmäßig kontrollieren, sagt auch Scherfling. „Das bedeutet aber nicht, dass man bei jeder Kursschwankung in hektischen Aktionismus verfallen muss.” Häufiges Umschichten würde nur unnötig Gebühren kosten. Aktien sollten vielmehr eine langfristige Anlagestrategie abbilden: „Man sollte vor allem dann umschichten, wenn sich die individuellen Anlageziele verändert haben.” Beispielsweise weil ein Haus gekauft werden soll oder eine Familie gegründet wurde.

(dpa)